Der Modus plauderandi

Ich bin ja eigentlich ein recht ernsthafter Mensch. Im Alltag falle ich höchstens durch Galgenhumor und Sprüche zur unpassenden Zeit auf (unpassende Sprüche zur richtigen Zeit wären schlimmer). Dabei lache ich selbst sehr gerne, nur nicht wirklich oft. Hier weichen Wollen und Umsetzung leider voneinander ab.

Schmunzeln – das ist gewöhnlich meine Art, mich an etwas zu erfreuen, das mich erheitert. Es kann auch nur ein innerliches Schmunzeln sein, das dann gar nicht nach außen dringt. Daher auch der Eindruck, ich sei sehr ernsthaft.

Lautes Lachen gibt es halt nur gelegentlich, dann aber tut es so richtig gut. Nur schade, dass mir meistens der Grund der köstlichen Unterhaltung nicht so gut im Gedächtnis bleibt, wie das Erlebnis des Lachens selbst. Das erschwert den Small Talk:

„Also neulich musste ich so lachen (haha)“ -„Ja, worüber denn?“ – Hm, das fällt mir jetzt gar nicht mehr ein, aber es war wirklich so witzig“ – „Aha. Hm. Ich muss dann mal wieder …“

Tratschen ernsthafte Menschen weniger? Weniger gerne vielleicht. Die Sache der Worteabwäger und Gesprächewiederkäuer ist es nicht.

Wozu ich das alles erzähle?

Plauderei fragt doch nicht nach dem Warum oder Wozu. Da geht es einfach um Gedanken- und Neuigkeitenaustausch, manchmal auch um zweckfreies Wortgesprudel, frei von der Leber weg.

Eine wesentliche Aufgabe der Leber besteht darin, das Blut zu reinigen. Die Leber ist also so eine Art Wiederaufbereitungsanlage. Was von dort kommt ist demanch Recycling-Gut. Plauderei wäre somit Wiederaufgewärmtes, Neuverwurschtetes, Schon-einmal-Durchgekautes.

Hm, vielleicht sollte ich doch lieber die Redewendung „aus dem Nähkästchen plaudern“ bemühen? Sie sitzt aber gerade so gemütlich in ihrem Schaukelstuhl am Fenster und verstrickt sich in ihr Seemannsgarn.

Nein, in so einem Nähkästchen ist meistens kaum genug Platz für einen und zum Plaudern sind gewöhnlich doch mindestens zwei Personen vonnöten. Wobei der zweite nicht unbedingt freiwilliger Teilnehmer der Unterhaltung ist. Selbst oder besonders Monologe benötigen Zuhörer, um auf taube Ohren stoßen zu können.

In so einem Nähkästchen zwickt und zwackt es außerdem fürchterlich, hat man sich erst einmal hinein begeben zwischen die vielen Steck-und Nähnadeln, die Zwirnspulen, das Kopierrad und die Schneiderschere. Wer Fakirbetten liebt, dem macht das vielleicht nichts aus, in dieser Hinsicht bin ich aber doch ein klein wenig wie die Prinzessin auf der Erbse.

Das Nähkästchen bleibt zu, die Leber hält sich bedeckt. Was ist denn nun der Modus operandi des Plauderns?

Nur das Erklingen der eigenen Stimme, meist zu Sätzen geformt, alternierend mit anderen Stimmen reicht nicht aus. Die Wichtigkeit des Nichtssagenden scheint ausschlaggebend. Geplaudert wird sogar zwischen Tür und Angel, obwohl es selten um große Fische geht. Bevorzugtes Ambiente könnten sein: bei Kaffee und Kuchen oder im Beisl/an der Bar nach der Arbeit, aber es wurde auch schon Szenen im Stiegenhaus, über den Gartenzaun oder an der Kasse im Supermarkt beobachtet.

Operabel ist die Plauderei wohl nicht. Aber quasi modo überall umsetzbar. Sogar auf einem Blog, ganz ohne direkten Gesprächspartner…

Hallo?

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3 Gedanken zu “Der Modus plauderandi

  1. … und beim nächsten Mal beleuchten wir den Unterschied von unpassenden Sprüchen zur richtigen Zeit und richtigen Sprüchen zur unpassenden Zeit anhand eines weltweit verbreiteten, gesellschaftlichen Phänomens namens Wahlkampf.

    Ernsthafte Grüße übern Gartenzaun 🙂 😀

    Gefällt 1 Person

  2. „Hallo, hallo
    Bist du auch so gelangweilt,
    Genervt und gestresst von der Enge der Stadt
    Bist du nicht auch längst schon müde
    der Straßen, der Menschen, der Massen
    Hast du das nicht satt?“

    Lass uns hier raus-plaudern. 😉

    Gefällt 1 Person

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