„Pssst! Das Kind schläft!“

Pssst. Das ist das Wort schlechthin. Ist das überhaupt ein Wort? Ich hoffe irgendjemand von hier wird sich die Mühe machen das zu ergründen, damit ich es später nachlesen kann!

„Pssst“ kommt bei uns daheim derzeit recht häufig vor. An manchen Tagen etwas weniger und an anderen Tagen viel zu oft. Meistens kommt es um die Mittagszeit und am Abend zum Einsatz. Zuweilen ist es wirklich hilfreich, manchmal hängt es meinem Mann und mir aber auch zu den Ohren heraus. So wie heute:

Es ist Sonntag. 12:00 Uhr Mittags. Endlich schläft das Kind. Ein Segen! Eine wohlverdiente Babypause für zwischendrin! Jetzt heißt es nur, das schlafende Kind auf keinen Fall in irgendeiner Weise zu stören. Es wäre doch ein Jammer, würde es viel zu früh aus seinem Mittagsschlaf erwachen! Nicht nur, dass das arme erschöpfte Kind, in solch einem Fall, seinen wohlverdienten Schlaf nicht ausreichend bekommen hätte, es wäre auch äußerst übel gelaunt. Und zwar bis zum Abendbrei! Das will wirklich niemand.

Ich ziehe mich daher äußerst leise aus dem Schlafzimmer zurück.

KLONK KLONK – WRRRRRRMMMM

Mein Mann poltert mit dem Staubsauger die Treppe hinunter und beginnt die einzelnen Stufen abzusaugen. Ich springe aus dem Schlafzimmer und werfe mich über das Treppengeländer.

„Schatz!“, fauche ich beinahe tonlos. „SCHATZ! Der Kleine schläft!!!“

Keine Reaktion. Ich werfe ein Päckchen Taschentücher. Endlich! Mein Mann sieht auf, schaut fragend und brüllt. „ICH VERSTEH DICH NICHT!“

Ich verdrehe die Augen, ehe ich sie aufreisse und ihm einen mörderischen Blick zuwerfe. „PSSST! Der Kleine. Schläft!“ Ich lege den Finger an meine Lippen. Auch mein Mann reißt nun die Augen auf. Er hat verstanden. Der Staubsauger wird sofort abgestellt.

Wenig später stehe ich in der Küche, weil ich die wenige Zeit nutzen möchte, um etwas zu essen zu machen.

SCHEPPER KLIRR – DONG

Mein Mann hat damit begonnen Geschirr einzusammeln, es in die Spüle zu werfen, um es abzuwaschen.

„Pssst! Mensch! Der Kleine schläft!“ Mein Mann guckt schuldbewusst und macht leiser weiter.

Ich esse im Wohnzimmer.

RING RING – RIIIIIING

Ich raste aus! Welcher Vollhorst wagt es um diese Zeit bei uns anzurufen? Wenn es kein Vertreter ist, der meint über Telefon irgendwas verkaufen zu müssen, dann flipp ich garantiert aus. Mittlerweile wissen nämlich alle Freunde und Verwandte ziemlich genau, wann im Hause der Familie S. niemand mehr anzurufen hat.

RING RING – RIIIIIIIIIIING schrillt das Telefon hysterisch. Ich mache einen halben Salto zum Sofa und fange an zwischen Decken, Kissen und Spielzeug nach dem Telefon zu suchen. Sobald ich es gefunden habe, nehme ich ab: „Pssst!“, krächze ich in den Hörer und füge atemlos hinzu. „Das Kind schläft!“ und das noch bevor ich weiß wer dran ist. Das Gespräch wird entsprechend schnell beendet. Fein.

Ich esse weiter. Draußen reitet jemand auf seinem Pferd entlang. Man kann das Dröhnen der Hufe auf dem Pflaster der Straße vernehmen. Das stört mich nicht. Das Geräusch dringt nicht bis in das Schlafzimmer. B-Hörnchen hebt den Kopf an. Lauscht.

WUFF WUFF – WAU

Ich fahre zu B-Hörnchen herum. „Pssst!“ Und verschlucke den Nachsatz, dass der Kleine schläft. Selbst wenn B-Hörnchen das begreifen würde, wäre ihr das wahrscheinlich völlig schnuppe. Trotzdem glotzt B-Hörnchen mich genauso schludbewusst an, wie mein Mann zuvor beim Spülen. Die alte Hundedame zieht sich auf ihre Decke zurück. Brav!

In dem Moment höre ich, wie mein Mann in der Küche sein Hörbuch bei voller Lautstärke anschmeißt. Ich sprinte in Richtung Küche.

„Pssst! Man!“ Langsam werde ich sauer. Mein Mann auch. Er grummelt und stellt sein Hörbuch leiser. Einen Moment stehen wir uns gegenüber und diskutieren lautlos und sehr gestenreich wer hier im Haus wohl den größeren Dachschaden hat. Als mein Mann gerade etwas sagen will, hebe ich ruckartig den Finger und mache erneut: „Pssst!“ Mein Mann starrt mich resigniert an. Genau in diesem Moment erwischt ein Windzug die nur angelehnte Schlafzimmertür.

WUMMS RUMMS – KNALL

Erstarrt stehen mein Mann und ich uns weiterhin gegenüber. Einen Moment lang vergessen wir beide das Atmen und lauschen. Wir vernehmen ein leises Grunzen aus dem Kinderbettchen. Dann ist es wieder still. Ich atme laut und hörbar aus, gefolgt von einem tiefen seufzen.

„PSSST!“ schnaubt mich mein Mann an. „Das Kind schläft!“

Okay i get it …. Zeit mir anzusehen, welches Wochenthema es diesesmal auf dem Mitmachblog gibt. Ach? Pssst?! Na, wie passend! Ich schreibe also den Beitrag, den Sie, liebe Leser, gerade gelesen haben. Mit Erlaubnis meines Mannes darf ich ein Foto von unserem Zwerg machen und es für diesen Beitrag benutzen. Premiere! Ich schleiche mich, bewaffnet mit meinem Handy in das Schlafzimmer. Der Kleine schläft nach wie vor. Wie schön!

Klick macht die Handykamera ganz leise.

Kind wach …

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9 Gedanken zu “„Pssst! Das Kind schläft!“

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