Theater beim Berater

Freitag Abend. Ich befinde mich mit meiner besten Freundin, der Heroldin des Bösen in meinem Büro. Die Heroldin klebt unter dem kleinen Schreibtisch und ist emsig darum bemüht unseren zweiten Computer anzuschließen. Während ich ihr dabei zusehe, fällt mir ein, dass ich noch gar nicht nach den möglichen Themen auf dem Mitmachblog geschaut habe. Also hole ich das direkt nach.

„Bäh!“, sage ich. „Das sind jetzt aber mal so gar keine Themen, mit denen ich etwas anfangen könnte!“ beschwere ich mich und wähle das kleinere Übel. Von der Heroldin bekomme ich nur einen desinteressierten Blick zugeworfen. Sie ist viel mehr daran interessiert, herauszufinden, welcher Stecker wo hin gehört.

„Oh Gott!“, rufe ich aus.

„Hm?“, brummt die Heroldin und ich fasse das einfach als Aufforderung auf ihr zu erklären: „Rumpelstielzchen wird gewinnen. Eindeutig. Scheiße! Mir wird nie im Leben etwas zum Thema Rumpelstielzchen einfallen!“

Die Heroldin kraucht unter dem Schreibtisch hervor und wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu. Ich blicke zu ihr. Die Heroldin des Bösen ist klein. Ich mustere sie. Sie ist so klein, dass man sie locker in das Reisebettchen meines Sohnes hinein stopfen könnte, wo sie noch bequem die Beine ausstrecken könnte. Ich fange an zu grinsen. Ich könnte doch …

„Ja, ja!“, blafft die Heroldin. Ach? Hat sie etwa meine Gedanken gelesen? Ich grinse noch breiter und meine Mundwinkel berühren nun beinahe meine Ohren.

Im Gesicht der Heroldin zuckt nicht ein einziger Muskel. „Ich habe mal Rumpelstielzchen gespielt!“

Hä? Mein Grinsen erlischt. Was hat sie? Nicht, dass es abwegig wäre, dass sie gut in die Rolle eines Rumpelstielzchen passen würde … nur frage ich mich, wann, wer und wo man sie dazu gebracht hat! „Wie Bitte?“, frage ich daher ein wenig ungläubig. „Wann das denn?“

Die Heroldin plumpst auf ihren Hintern und begutachtet zwei Stecker. „Erinnerst du dich an die Fortbildung, bei der ich mal gewesen bin? Da gab es eine Theatergruppe und der dortige Berater hielt es für eine gute Idee, ein Stück mit lauter Märchenfiguren aufzuführen. Also wurden diverse Namen auf einen Zettel gekritzelt, alles in ein Körbchen geworfen und jeder zog spontan eine Figur, die er dann darstellen sollte. Ich zog halt Rumpelstielzchen.“

Schicksal, denke ich. Ich grinse schon wieder. Die Heroldin lächelt versonnen. „Es war ein sehr psychopathisches und blutrünstiges Rumpelstielzchen“, erklärt sie mir und ich höre schon wieder auf zu grinsen.

„Ehm? Wieso?“, forsche ich nach, frage mich gleichzeitig, ob ich das wirklich sooo genau wissen möchte.

Die Heroldin des Bösen holt Luft. „Ja, das war so … das Rumpelstielzchen, eigentlich von Hauptberuf Auftragsmörder für die Schweinchenmafia und nur nebenbei im Entführungsgewerbe, hatte ein ordentliches Spielproblem. Im Laufe der Zeit sammelte es ziemlich viele Schulden bei der Schweinchenmafia an, welche diese natürlich zurück haben wollte. Durch Zufall erfuhr es bei einem ausgiebigen Trinkgelage mit den sieben Zwergen und Schneewittchen, mit der es übrigens eine sehr aufregende Nacht verbrachte, davon, dass das Rotkäppchen vor kurzem zu einer riesigen Erbschaft gelangt wäre, da die Großmutter verstorben sei. Am nächsten Morgen musste sich das Rumpelstielzchen zunächst von Schneewittchen befreien, welche der Meinung war, dass sie jetzt unbedingt heiraten sollten, da sie ja sonst eh keinen mehr abbekommen würde, nachdem Rapunzel ihr ihren Prinz Charming weggeschnappt hatte. Rumpelstielzchen gelang es, Schneewittchen davon zu überzeugen, dass sie mit sieben kleinen Männern besser dran wäre, als mit nur einem kleinen Kerl oder einem großen. Nachdem ihm die Flucht gelungen war, ging es sofort zu Rotkäppchens Haus. Dort stellte sich heraus, das Rotkäppchen gerade ein Kind bekommen hatte. Das perfekte Druckmittel. Mit Entführung kannte sich Rumpelstielzchen ja immerhin gut aus. Während der Obeservierung stellte sich heraus, das Rotkäppchen eine Beziehung zum Jäger und dem bösen Wolf hatte. Wer jetzt genau der Vater ihres Kindes war, konnte man nicht feststellen. In der Nacht brach Rumpelstielzchen dann ins Haus ein und versuchte an das Kind zu gelangen. Dummerweise hatte Rotköppchen eine Waffe von Großmutter im Nachtkästchen.“

Ich starre die Heroldin des Bösen an. „Ja … und wie ging es aus?!“, frage ich jetzt doch interessiert nach.

Die Heroldin zuckt mit den Schultern und kriecht wieder unter den Schreibtisch. „Ach … der doofe Jäger kam nach Hause, weil er den bösen Wolf in Rotkäppchens Schrank vermutete. Es gab eine wilde Schießerei, bei der der Jäger erschossen wurde und Rumpelstielzchen verletzt. Dann tauchte der böse Wolf auf, schnappte sich das Kind und Rumpelstielzchen entkam durch eines der Fenster.“

„Ah …“, gebe ich gedehnt von mir. „Und die Schulden bei der Schweinchenmafia?“

Der Computer springt an. Die Heroldin hat die richtigen Stecker gefunden und eingesteckt. Mit einem Siegergrinsen kriecht sie unter dem Schreibtisch hervor, steht auf und klopft sich Staub und Spinnenweben von der Kleidung, ehe sie mich ansieht. „Blieben Schulden. Macht aber nichts. Rumpelstielzchen hatte Verbindungen. Durch die Entführung von Rapunzel vor 18 Jahren schuldete die böse Hexe ihm noch einen gefallen und sorgte für eine neue Identität. Jetzt lebt Rumpelstielzchen als Gartenzwerg auf den Bahamas.“

Wir sehen uns einen Moment lang schweigend an. Dann lachen wir. Dann starre ich wieder auf das Thema, welches definitiv das nächste Thema für den Mitmachblog werden wird und seufze. „Eine lustige Geschichte. Aber leider fehlt mir trotzdem noch eine Geschichte zum Thema Rumpelstielzchen für den Mitmachblog.“

Und so ist es bis heute geblieben. Bedauerlicherweise will mir rein gar nichts zu diesem Thema einfallen. Zumal ich die alten Märchen sowieso nie wirklich leiden konnte! Die sind immer so brutal, voller Mord und Totschlag. Als Kind haben mich diese Märchen oft Nachts nicht schlafen lassen. Ich meine, mal ehrlich … Kindesentführung, platzende kleine Männchen und Füße abschneiden?! In Fässern eingenagelte böse Stiefmütter und vergiftete Äpfel an denen man erstickt?! Da lob ich mir doch die Kuschelvarianten von Disney! Die schaue ich mir sogar heute noch gern an, wenn ich mal eine Pause von Serien wie z.B. The Walking Dead nötig habe. Da platzen übrigens auch ständig Leute, vornehmlich deren Köpfe. Meistens sind die allerdings nicht klein …

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4 Gedanken zu “Theater beim Berater

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