Das wahre Ich – Das war ich?

Und wirst du gestehen?

Gestehen?  Was soll ich denn gestehen?“ Ich lege die Gabel auf den Teller und sehen meinen Mann ernst an. Die rechte Hand greift reflexartig nach dem Wasserglas und klammert sich daran fest.

Mein Mann schüttelt den Kopf „Nicht mir. Ich weiß es ja bereits. Ich kenne dein Geheimnis

Ich spüre, wie meine Finger vom Glas abrutschen, weil ich schwitze. „Ist es hier heiß oder kommt nur mir das so vor?“ frage ich und trinke einen Schluck.

Ich finde es eher kühl“ stellt er fest, knöpft sich umständlich den Hemdkragen zu und isst weiter.

Das ist typisch. Kalt-warm geben und dann das Thema wechseln oder noch besser es im Raum stehen lassen. Bei uns muss schon so viel im Raum herumstehen, dass ein Vorwärtskommen nur noch möglich ist, wenn man hürden- und spießrutenlauferprobt ist.

Also nehme ich auch diese Hürde:  „Was soll ich gestehen?“ Direkte Konfrontation ist der schnellste Angriff, und ich möchte es schnell hinter mich bringen.

Du musst ja auch nichts dazu sagen“ bekomme ich als Antwort zu hören. Einer Antwort, mir der ich gar nichts anfangen kann. Dieses  Zappelnlassen mag ich gar nicht. Langsam werde ich ärgerlich: „Kannst du mir nicht einfach sagen, was du wissen willst. Immer dieses Herumgerede …“ Ich fuchtle mit den Armen wild herum, um seiner Art, nicht auf den Punkt zu kommen und meiner aufsteigenden Ungeduld Ausdruck zu verleihen.

Ach wie gut, dass niemand weiß, dass du …“ sagt mein Mann mit seltsam verstellter Stimme.

Ach, haha! Du meinst das Wochenthema. Nein, ich glaube nicht, dass ich dazu etwas schreibe.

Puh, darum geht es.

Aber das war doch dein Spitzname als Kind …“ holt mein Mann aus. Noch bevor er sich in eine geschichtliche Abhandlung über mein Leben vertiefen kann, unterbreche ich ihn: „Spitzname kann man nun wirklich nicht sagen. Das haben doch nur meine Mutter und  meine Schwester und vielleicht noch mein Vater ab und zu …

Aber da gab es doch den Zwischenfall, als du dir das Knie an der Unterseite des Tisches gestoßen hast, weil du so wütend aufgestampft bist?“ versucht mein Mann meine Erinnerung ein bisschen aufzufrischen. Dabei gibt es Dinge, die vergißt man nicht. Woher die Narbe am Knie stammt zum Beispiel.

Darüber würde ich doch nie schreiben! Außerdem klänge das frei erfunden, wo ich doch so friedliebend bin.

Also friedliebend würde ich es nicht nennen, wenn jemand ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielbrett mitsamt Figuren und Würfel quer durchs Zimmer in ein Eck wirft, nur weil …

Jetzt fängt er davon wieder an! „Ja, aber das ist ja auch wirklich keine Art, nur taktische Züge zu machen in einem Spiel! Wie kannst du nur deine Männchen herzlos opfern, nur um …“ Ich spüre die Wut von jenem unglückseligen Tag, an dem ich beim Mensch-ärgere-dich-nicht beinahe verloren hätte, wieder in mir hochsteigen.

Ich finde schon, dass du darüber schreiben solltest. Wer, wenn nicht das Rumpelstilzchen höchstpersönlich“ stichelt mein Mann weiter.

ICH BIN KEIN RUMPELSTILZCHEN!“ protestiere ich und haue, während ich mit dem rechten Fuß auf den Boden stampfe, mit der Faust kräftig auf den Tisch, um das klarzustellen.

*rums*

Entgeistert starre ich auf meine Hand, die zu einer Faust geballt, leicht schmerzend auf der Tischplatte liegt.

Wenn schon, dann bin ICH SEINE LEHRMEISTERIN!

*stampf*

 

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7 Gedanken zu “Das wahre Ich – Das war ich?

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