Zeitstreit

„Schatz, kannst du mal kommen?“

„Was gibt es denn?“

„Wo soll ich damit hin? Hier im Schlafzimmer ist kein Platz dafür und im Wohnzimmer nimmt sie zuviel Platz ein. Bevor ich sie mir auf den Rücken schultere und in die Wohnung trage, wüsste ich gerne zuerst, wohin damit.“

„Warum bringst du sie denn mit? Ich dachte, wir hätten besprochen, dass sie in der alten Wohnung bleibt. Du wolltest doch den Sperrmüll anrufen. Da hättest du sie gut und gerne mit rausstellen können. Weg damit. Man muss sich auch von Altlasten trennen können.“

„Du hast ja recht, Schatz. Aber nun ist es zu spät und sie ist im Umzugswagen. Was soll ich denn jetzt tun? Haben wir nicht einen dekorativen Platz dafür?“

„In meiner Wohnung will ich die nicht haben!“

„Deine Wohnung? Hast du nicht neulich noch gesagt, dass ist nun unsere Wohnung? Das aus Ich&Du ein Wir wird?“

„Wird es ja auch, aber nicht, wenn du DIE mitbringst. Die ist sinnlos, hässlich, abgenutzt, eingestaubt und außerdem erinnert sie mich an vergangene Zeiten und deine Ex.“

„Lass ja meine Ex aus dem Spiel. Die hat gar nichts damit zu tun. Schuld an der Misere ist die Bundesregierung von anno 1980. Der Kohl, oder wer da an der Macht war, der ist schuld. Wegen mir hätte ichs nicht gebraucht. Aber die haben sich damals ja damit gebrüstet, dass man endlich mal was vom Staat geschenkt kriegt. Bonusmaterial. Wer hätte ahnen können, dass das fast 40 Jahre später immer noch nicht klein zu kriegen ist und nur Scherereien mit sich bringt. Und außerdem, wie sieht es eigentlich mit deiner aus? Du hast die damals doch auch gekriegt. Wo hältst du sie versteckt?“

„Fang mir ja nicht so an. Sonst haben wir unseren ersten Ehestreit, noch bevor wir verheiratet sind. Apropos Hochzeit. Warum machst du mir eigentlich keinen Antrag? Jetzt sind wir schon so lange zusammen, teilen ab jetzt die Wohnung und sonst kommt nichts von dir. Ich öffne dir Tür, Tor und Herz und du?“

„Hallo! Ich mache einen Antrag, wann ich will und wann ich es passend finde. Und nicht, weil du das willst. Meinst du, ich hätte nicht gesehen, wie gierig du mich immer anblickst? Ja, ich mag doof sein, aber ich habe auch Gefühle und spüre, was du hören willst. Dräng mich nicht. Alles hat seine Zeit.“

„Oha, 5 Euro in die Sprücheklopfkiste! Ok. Du kannst sie im Keller unterbringen. Hinten links in der Ecke ist noch Platz. Aber schau, dass du sie klein kriegst und zusammen faltest. Sicher landen ja noch mehr Sachen von dir im Keller und der ist eh schon zu voll.“

Und so landet die Zeitverschiebung in der dunklen Kellerecke und wartet auf ihren Einsatz. Spätestens beim nächsten Urlaub nach England, Australien oder Zimbabwe wird sie rausgeholt. Nicht ohne Probleme. Jetlag lässt grüßen. Und die Moral von der Geschichte?

Der Antrag wird am Tag der Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit um 2 Uhr nachts gemacht. Leider schläft die holde Braut da immer und kriegt es nicht mit. So wird es mit der Hochzeit wohl noch einige Jahre dauern. Zumal man um die Zeit nicht nachts in den dunklen, kalten Keller geht, um sie hervorzuholen.

 

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