Hausputz mit Katja

Ich hatte die Tage Probleme mit meinen Ohren, wohl weil ich immer mit Ohropax schlafe und das auf Dauer anscheinend zu Verstopfungen führen kann. Der Ohren natürlich. Nun ist meiner Meinung nach eine dauerhafte Dämpfung der Umgebungsgeräusche eigentlich kein Fluch, sondern in meinem Fall – ich sitze auf Arbeit in einem Kindergarten für Erwachsene – bisweilen ein Segen. Aber die Verstopfung führt nicht dazu, dass ich schlechter höre, sondern dass ich MEHR höre. Und zwar ein Rauschen und Knacken. Ganz so, wie ich es bei Neben- und Stirnhöhlenentzündungen ein paar Mal im Jahr ertragen muss.

Als erfahrene Hausmittel-Googlerin und Arzt-erst-bei-abgehacktem-Gliedmaß-Aufsucherin habe ich mich natürlich sofort schlau gemacht, was der durchschnittliche Internet-User mir da raten kann. Wer braucht schon Halbgötter in Weiß, wenn er eine Horde dümpelnder Dumpfbacken fragen kann?
Und, was soll ich sagen, von Ohrenkerzen über Olivenöl und konventionelle Apothekenprodukte war da alles dabei. Inklusive wertvoller Erfahrungen (Kerze hat Haare abgefackelt – ich habe mich sofort wiedererkannt und davon abgelassen).

Da konventionelle Produkte eher schlecht abschnitten (ich erspare die Details der zum Teil sehr ausführlichen und anschaulichen Rezensionen), entschied ich mich für Wasserstoffperoxid in Konzentration von 3%. H2O2 wie der Chemiker auch sagen würde. Haarfärbemittel, wie ich sagen würde. Cool, das kann man in die Ohren schütten?! Und dann soll das knallen und zischen!! DAS ist was für mich…

Und! Leute, was man damit noch alles machen kann! Schimmel entfernen! Kühlschrank reinigen! Klo desinfizieren! Flecken aus der Kleidung bleichen! Und für die Raucher: Fingernägel aufhellen!

Dieses Wundermittel musste ich natürlich sofort haben. Also rein in die Apotheke und gekauft. Die Apothekerin hat mich misstrauisch beäugt und gefragt, ob mir bekannt sei, dass ich das Produkt nicht in „geschlossenen Körperöffnungen“ anwenden solle.

Ich habe gedankenlos ein „ja klar“ geantwortet und mir – ohne Witz! – den ganzen Heimweg Gedanken darüber gemacht, was eigentlich genau eine „geschlossene Körperöffnung“ ist? Widerspricht sich das nicht irgendwie? Und war der Mensch nicht ohnehin laut unserem Physiker auf dem Klo von der Formgebung her ein (unförmiger) Doughnut? Ein Ring mit durchgehend offen? Also quasi ein Loch mit was drumrum?

Zuhause habe ich mir dann die Produktinformation auf dem gefährlich aussehenden Fläschchen mit dem noch gefährlichere aussehenden Warnhinweis durchgelesen und da stand, dass Wasserstoffperoxid hauptsächlich zur Rachen- und Mundhöhlendesinfektion verwendet wird. Gegen Mundgeruch oder Mandelentzündung beispielsweise. Aha.

Nun, der schlaue Fuchs wird sich – so wie ich -fragen, ob denn, wenn es überhaupt eine „geschlossene Körperöffnung“ geben kann, der Mund nicht geradezu prädestiniert dafür wäre, aber gut, vielleicht nicht bei jedem. Soll ja Menschen geben, die kriegen die Klappe nicht zu.

Nun könnte es einen etwas misstrauisch stimmen, dass bei der Anwendung von Wasserstoffperoxid auf (Haus-)Schimmel empfohlen wird, die Dämpfe nicht einzuatmen, also ein Maske dabei zu tragen. Und man solle es mit der Behandlung nicht übertreiben, weil sonst die Wände kaputt gehen könnten.

Soso. Aber in den Mund schütten und Gurgeln geht. Hmmm. Nun gut. Ich habe das Fläschchen in der Apotheke und nicht von einem fahrenden Wunderheiler oder (vergleichbar, nur sesshaft) bei Amazon gekauft. Ich vertraue jetzt mal auf das Etikett und das seriöse Umfeld des Erwerbs.

Nun begab es sich gestern zufällig, dass wir – der beste Ehemann und ich – zum Abendmahl frischen Hummus zubereiteten. Und ich, wie gewohnt ohne groß nachzudenken, habe da ordentlich frischen Knoblauch rein gehauen (Rezept: 1/4 Zehe. Katja: 4 Zehen). Schon nachts träumte ich von schwefeligem Teufelshauch und morgens beim Aufwachen hat sich der Verdacht bestätigt: Ich dünste wie der Höllenfürst persönlich.

Aber! Im Badezimmer sehe ich das flammende Fläschchen. Es verheißt verlockend frische Atemluft! Das ist nicht nur gut für mich. Es wäre ja im Dienste der Allgemeinheit! Ohne groß zu überlegen, goß ich die empfohlene Menge von 1-2 EL, also 3 EL in ein Glas Wasser. Viel hilft ja bekanntlich viel.

Hier muss ich kurz innehalten! Man muss an dieser Stelle wissen, dass ich Erfahrungen mit brennenden Flüssigkeiten habe. Z.B. Sambucca (die Wunde heilte nach 8 Wochen gut aus) und Klosterfrau Melissengeist (Wie jetzt? Verdünnen? Ich doch nicht! Und nur 12 Stunden später hatte ich meine volle Stimmkraft wieder!).

Ich hatte also eine Ahnung, was passieren könnte. 

Ich hatte mal GAR KEINE Ahnung, was passieren könnte!

Todesmutig nahm ich einen ordentlichen Schluck! Ich wartete auf Brennen und Ätzen, auf Schmerz und tränende Augen!

Aber nichts passierte. Ich gurgelte tapfer. Fast entspannt. Ein Fehler! Mit einem Mal breitet sich ein Geschmack von Schwefelhölle in meinem Mund aus. Was auch immer das Zeug da in meinem Mund an chemischer Reaktion provozierte, es schmeckte als hätte ich einen kräftigen Schluck aus dem Styx genommen! Ich wusste  gar nicht, dass es schlagartige Übelkeit gibt! Gibt es! 

RAUS DAMIT!!! brüllte mein Körper.

Und handelte sofort. In hohem Bogen spuckte ich den Schimmelreiniger, das Haarfärbemittel und die Kleiderbleiche ins Waschbecken. Zum Glück hatte ich noch nichts im Magen, denn das wäre hinterher geflogen.

Ich habe bis jetzt einen Geschmack von altem Friseursalon im Mund!

Aber ein verdammt sauberes Waschbecken.

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3 Gedanken zu “Hausputz mit Katja

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