Meta Gezeter

Kraut und Rüben“ verkünde ich verheißungsvoll und schaue in die Runde. Sesselkreis im Arbeitszimmer, spätabendliche Autorenversammlung, zweite Wochenhälfte – ein klarer Notfall.

Bäh, pff“ pfaucht der Kater, den ich erstmals eingeladen habe, teilzunehmen. Katzen als Kings of the Internet – vielleicht bringt das ja etwas, zumindest für die Inspiration. „Puh …“ stöhnt die poetische Ghostreiterin und schüttelt den Kopf, aber die Augen starren ins Leere. Von dieser Seite ist nichts zu erwarten.

Bäh, Gemüse“ wiederholt der Kater noch einmal etwas lauter.

Etwas mehr Begeisterung und spontane Kreativität hätte ich mir schon erhofft. Der Kater wird wohl nicht mehr eingeladen. Offiziell. Inoffiziell liegt er dann trotzdem auf meinem Schoß und wohnt der schleppenden Ideenfindung bei, aber ein Schnurren ist mir lieber als so ein abfälliges Getue.

Wir sind ja kein Foodblog“ merkt das neunmalkluge Alter-Ego an. Alle anderen meiden meinen Blick, drücken vorgeblich konzentriert auf ihren Handies herum oder zappeln genervt mit den Füßen.

Es ist schon Donnerstag! Und morgen ist Freitag!“ sage ich viel zu laut, zu aufgeregt, fast hysterisch. Wie können die alle nur dasitzen und nichts tun. Wofür bezahle ich die eigentlich alle? Gut, bezahlt werden sie ja nun nicht wirklich, aber sie sind mir verpflichtet. Ein Alter-Ego zu sein ist schließlich kein Ehrenamt, sondern Ehre. Sie könnten sich also wirklich ein bisschen anstrengen, mithelfen hier, um sich den Sesselplatz als Ghostreiterinnen zu verdienen.

Sehr klug beobachtet“ bekomme ich von der Neunmalklugen zu hören. „Morgen ist tatsächlich Freitag und heute noch immer Donnerstag.

Schreib doch einfach noch einmal etwas über Zwerge!“ schlägt der Zwerg vor. Die Idee hat er bei jedem Treffen, zu jedem Thema. Zugegebenermaßen hat es schon manchmal geholfen.

Nein! Nicht schon wieder Zwerge!“ fleht das poetische Alter-Ego, aus seinem Tagtraum aufschreckend. „Die sind doch weder witzig noch nützlich. Zwerg – Berg, und dann hat es sich auch schon wieder mit den Reimen. Da dichte ich noch lieber was mit Rübe …. trübe … Wachstumsschübe …

Soll das eine Anspielung auf meine Größe sein?!“ empört sich der Zwerg zurecht. Das war ja nun wirklich nicht sehr feinfühlig von der Poetin.

Auf deine Größe wohl kaum …“ mischt sich jetzt auch noch die Zynikerin ein.

Bitte sehr, wenn ich hier nicht erwünscht bin, dann geh ich halt!“ schnaubt der Zwerg wutentbrannt und rührt sich nicht vom Fleck.

Alle schauen ihn erwartungsvoll an. „Ich gehe!“ droht er noch einmal und bleibt weiterhin stocksteif auf seinem Sesselchen sitzen. Er darf immer einen der Kinderstühle verwenden.

Es hält dich keiner auf“ sagt plötzlich der Kater und wirft dem, der nur marginal größer ist als er selbst, einen Blick von oben herab zu, wie es nur Katzen vermögen, selbst wenn sie vom Boden aus einen erwachsenen Menschen anblitzen. Katzen mögen andere nicht besonders, glaube ich. Sie missbilligen eigentlich alles, was nicht sie selbst sind oder in ihr Beuteschema passt.

Während ich noch meinen Gedanken über die einzigartigen Fähigkeiten meines felinen Mitbewohners nachhänge, ist der Zwerg von seinem Sesselchen heruntergesprungen, hat sich die Mütze vom Kopf gerissen und trampelt jetzt wie das Rumpelstilzchen darauf herum. Hätte er das nicht vor ein paar Wochen machen können, als das Mitmachthema Rumpelstilzchen hieß? Ach, egal. Wir haben ihn ziemlich beleidigt.

Bevor er aus dem Zimmer stürmt, hebt er seine total zerknitterte Zwergenmütze auf und knallt sie mir vor die Füße. „Die muss gebügelt werden!“ brüllt er mich an, dann rauscht er ab.

Verdattert starre ich auf das zerknüllte rote Ding. „Das kannst du dir schön selbst bügeln, ich bin ja nicht dein Schneewittchen, das dich bedient!“ rufe ich ihm hinterher. Also wirklich, was glaubt der denn mit wem er redet! Da steckt er doch tatsächlich seinen kleinen Kopf nochmals ins Zimmer, schaut mich musternd von oben bis unten an und meint dann rotzfrech: „Nein, wirklich. Wie eine Prinzessin schaust du wahrlich nicht aus.

Das hat gesessen. Mir ist die Lust aufs Schreiben für heute vergangen. So eine Frechheit! Ich löse die Versammlung auf. Die Alter-Ego-Ghostreiterinnen springen erfreut auf. „Dem Himmel sei Dank!„, „Endlich Feierabend!„, „Welch Segen!“ Allgemeines Gemurmel und ehe ich mich’s versehe, sind der Kater und ich alleine.

Schreib halt irgendwas, so wie es dir gerade in den Sinn kommt, einfach Kraut und Rüben“ schlägt er vor, streckt sich genüsslich durch und dann rollt er sich zusammen, um ein Nickerchen zu machen.

Du hast recht. Weißt du was, in Zukunft lade ich nur noch dich zum Autorentreffen ein. Wir zwei, das Mega-Meta-Team!“ sage ich nach einer ganzen Weile, aber der Kater ist schon eingeschlafen.

*Grmpf*Alles muss ich alleine machen. Emanzipation, jawohl! Selbst ist die Frau.

Der Mond scheint beim Fenster herein. Das leise Surren der Bügelmaschine verliert sich in der sternenklaren Nacht.

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9 Gedanken zu “Meta Gezeter

      1. Gehst du etwa mit nichtgebügelten Socken!?!?!?!
        (M. Mama stopft die getrocknete Wäsche irgendwie in den Schrank und geht laut lachend, am verstaubten Bügelbrett vorbei aus dem Zimmer- Gerüchteweise hat man noch ein „Junggesellen muss man rechtzeitig erziehen“ vernommen)

        Gefällt 2 Personen

  1. wunderbar!!! der Kater auf dem bild… sieht unserem irgendwie ähnlich. Und der… ist auch gern dabei wenn ich tippe und denke und grüble und dichte… zu gern ja mitten auf dem Schreibtisch… wo er nun aber extra ein Polsterkissen für sich hat 😀 damit mir die Unterarme nicht abfaulen 😀

    Gefällt 1 Person

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