O wie …Osterhase!

Ostern. Ostern wurde bei uns in der Familie nie gefeiert. Mit etwas Glück gab es einen Schokohasen oder einen Hasen aus plüsch. Immerhin wurde an jedem Ostersonntag im kleinen Familienkreis zusammen gefrühstückt. Mit Frühstückseiern. Und wenn wir bei Pellkartoffel-Oma zu Gast waren, dann wurden eben diese Eier zuvor sogar bemalt und mit Aufklebern ein wenig aufgehübscht. Punkt.

Wenn die anderen Kinder nach Ostern mit ihren Geld,- oder auch anderen Geschenken um sich geworfen haben, um sie voller Stolz zu präsentieren, fragte ich mich als kleines Mädel immer, was ich da wohl für Chancen verpasste, meine ohnehin massiv große Spielzeugsammlung noch zu erweitern. Und wie viel Schokolade man sich von 5 DM wohl kaufen konnte!

Meine Mutter darauf angesprochen, warum denn bitte ALLE anderen Kinder zu Ostern so fürstlich beschenkt wurden (Ostern war dahingehend auch nur eine Sache. Namenstage wären auch eine tolle Möglichkeit gewesen, beschenkt zu werden. Leider gab’s für meinen Namen keinen Namenstag!) und ICH nicht, gab es nur einen düsteren Blick und die Erklärung:

„Weil andere Familien Ostern feiern. Wir aber nicht. Und deshalb gibt es auch keine Geschenke. Du bekommst Geschenke zu deinem Geburtstag und Weihnachten und das ist teuer genug!“

Mist! Dieses Argument zog. Aber womöglich könnte ich meine werte Frau Drachenmutter ja überzeugen, dass auch wir Ostern feiern sollten, wenn ich erst einmal herausgefunden hatte, WAS man da eigentlich genau feiert. Meine emsigen Nachforschungen ergaben: Man feiert Ostern, weil da der Osterhase kommt, der Eier versteckt. Diese Eier muss man dann suchen und hat man nur genug gefunden, dann wurde man dafür eben mit Geschenken belohnt.

Aha! Sehr einleuchtend. Für Kinderlogik zumindest. Leider gehörte ich zu den Kindern, denen jeglicher Zauber a la Storch, Weihnachtsmann und Osterhase, schon mit der Muttermilch entzogen wurde. Dummerweise wusste ich nämlich bereits, dass es weder das eine, noch das andere gab. Als einmal ein Mitschüler in der ersten Klasse stolz verkündete, dass der Storch letzte Nacht seine kleine Schwester gebracht hatte und er dann mit Fragen, wie: „Hast du den Storch gesehen!?“ und „War deine Schwester in einem Tuch eingewickelt?!“ oder „Hat deine Schwester dir ein Geschenk mitgebracht!?“ bestürmt wurde, verkündete ich empört:

„Seid ihr doof?! Es gibt keinen Storch der Babys bringt! Babys kommen aus dem Bauch der Mama! Weil die Mama mit dem Papa sex gehabt hat! Es gibt auch keinen Weihnachtsmann und einen Osterhasen … DEN gibt es auch nicht!“

Daraufhin warf mich meine entsetzte Lehrerin kurzerhand aus dem Klassenraum und die Jungen und Mädchen aus meiner Klasse, redeten kein Wort mehr mit mir. Ab da galt ich als sonderbar, komisch und vor allem als ein wenig verrückt.

Schon im Kindergarten (später dann natürlich auch in der Schule) empfand ich jegliche Vorbereitungen für Ostern als Zeitverschwendung. Wozu denn bitte Eier bemalen, wenn sie nicht versteckt würden? Wozu Eier ausblasen und daraus Osterschmuck basteln, wenn Ostern sowieso nicht gefeiert würde und somit auch jede Dekoration hinfällig wäre?! Da ich trotzdem immer mit basteln musste, bastelte ich und sobald ich mit meinen Werken nach Hause kam, schmiss ich sie zu 90% in den Müll. Fertig.

Nur ein einziges Mal, unter der boshaften Anleitung meiner Pellkartoffel-Oma, versuchte ich ein Osterfest bei meinen Eltern zu erzwingen. Dafür kochte ich im zarten Alter von 5 Jahren Eier im Eierkocher. Bemalte sie und ging hinaus in den Garten um sie zu verstecken. Dann versuchte ich Frühstück zu machen. Meine damaligen Künste reichten bereits aus für Rührei, mit Butter bestrichenes Toast und Orangensaft. Ich deckte den Tisch, legte ein paar selbstgebastelte Osterdekoration auf und watschelte um 6 Uhr morgens ins Schlafzimmer meiner Eltern, die ich mit den Worten:

„Ihr müsst jetzt aufstehen und Eier im Garten suchen gehen! Es ist Ostern!“

weckte.

An dieser Stelle drücke ich die Reaktion meiner Eltern (welche sich auf Ausschlafen am Sonntag gefreut hatten) diplomatisch folgendermaßen aus: NOT AMUSED!

Danach versuchte ich soetwas nie wieder. Die Eier habe ich im Garten dann auch nicht mehr alle wieder gefunden. Die, die ich fand, schmiss ich launisch vom Garagendach.

Mit der Zeit fanden hier und da dann doch ein paar Osterfeste statt. Dies meist im Zuge von irgendwelchen Freunden meiner Eltern, welche entweder eingeladen hatten oder von unserer Seite aus eingeladen wurden. Ein Osterzauber kam bei mir aber nie mehr auf. Eine Ostereierei hat es bei uns also nie wirklich gegeben. (Den Begriff musste ich  googeln! Er existiert in dieser Form übrigens gar nicht! Nicht mal der Duden weiß davon was!)

Auch heute noch, ist Ostern für mich nur eines: Urlaub. Ich habe frei. Mein Mann hat frei. Wundervoll! Wir essen Sonntags noch nicht einmal Eier! Und wenn nicht gerade alle Welt verkündeten würde, es ist bald Ostern, würde das völlig an mir vorbei laufen.

So war es zumindest bisher. Jetzt ist aber unser Sohn da und sowohl mein Mann, aber vor allem ich, mussten uns Gedanken darum machen, wie wir mit unserem eigenen Kind bezüglich diverser Festlichkeiten in Zukunft verfahren möchten.

Wir haben entschieden: Unser Sohn wird zumindest eine Weile mit dem Zauber diverser Wesen aufwachsen dürfen. Aber nicht unbedingt der Weihnachtsmann. (Ich unterstütze keine Kommerziell geschaffene Gestalt von CocaCola!) Dann doch lieber der Nikolaus und um es ein wenig mysteriös zu halten: Das Christkind. Und zu Ostern? Klar kommt da DER OSTERHASE! Der Osterhase reiht sich aufgrund seiner Tiergestalt bei mir gleich neben Einhörnern und Drachen ein und ist somit ein legitimes Fabeltier. Auch wenn’s nicht stimmt.

Abgesehen davon wird mein Sohn jetzt am Ostersonntag getauft. Und seine Patentante, die Patin, darf sich um den religiösen Teil kümmern. Meinem Sohn soll es schließlich nicht so wie mir ergehen.

Ich habe nämlich erst im alter von ca. 29 Jahren und dank der Patin, welche sehr religiös ist und seit ihrem 12ten Lebensjahr den Wunsch hegt, einmal Pfarrerin zu werden, den tatsächlichen und wahren Grund herausgefunden, weshalb wir eigentlich Ostern feiern. Für mich persönlich hat das keine Bedeutung, abgesehen vielleicht vom geschichtlichen Kontext, welchen ich jeder Religion durchaus zuspreche. Und das wiederum zählt bei mir zur Allgemeinbildung. (Wer sich fragt, wieso ich mich nicht vorher schlau gemacht habe: Ostern gehörte einfach zu den Dingen, die mich dermaßen NICHT interessiert haben, außer das man dort weder zur Schule noch arbeiten gehen musste, dass ich mich einfach NIE weiter mit der Materie beschäftigte. Da gab es andere Dinge, die mich wesentlich mehr in Beschlag nahmen und über die ich Romane hätte schreiben können. Reden wir doch mal über die Amalek …. eh … nein.)

Als die Patin mir feierlich erklärte, sie ginge jetzt in die Fastenzeit und ich fragte:

„Wieso das denn?!“ woraufhin sie mich ebenso feierlich aufklärte, kam von mir nur noch ein: „Oh!“ ehe ich im heiligen Osterlicht erstrahlte, weil mir nach so vielen Jahren endlich ein Licht aufgegangen war.

„Oh?“, fragte die Patin irritiert und musterte mich.

Ich, drein blickend, als hätte ich den Stein der Weisen gefunden, wobei sich bei mir eigentlich nur eine Wissenslücke geschlossen hatte, entgegnete: „O … wie … Osterhase!“

Erst ein paar Jahre später, hab ich ihr gestanden, dass ich einfach nicht gewusst hatte, dass man an Ostern die Auferstehung Jesus feierte. Immerhin … sie hat herzlich gelacht!

 

 

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8 Gedanken zu “O wie …Osterhase!

  1. Tatsächlich finde ich das sehr traurig das manche Eltern ihren Kindern den Zauber von Ostern, Weihnachten und der gleichen vorenthalten oder viel zu früh kaputt machen, ganz gleich mit welchen Religösen Hintergrund. In den halben Jahr wo ich im Kindergarten gearbeitet hatte, hätte ich so manches Elternteil gerne getreten. Auf der anderen Seite finde ich es mehr als bedauerlich das man alles auf die Kommerzschiene zieht. 😦

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    1. Ich hab das nicht anders gekannt 🙂 Ich persönlich fand es z.B. immer sehr gut, das ich wusste, dass nicht der Weihnachtsmann, sondern meine Eltern mir die Geschenke unter den Baum legten. Da ich um ihre finanziellen Sorgen wusste, war ich entsprechend dankbar, während andere Kinder sich über doofe Weihnachtsgeschenke vom Christkind, wahlweise Weihnachtsmann beschwert haben. Diese Undankbarkeit fand ich grauenhaft.

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      1. Gut, wenn man das von vornherein nicht kennt, denke ich ist das was anderes, als wie wenn von von jetzt auf gleich so einem Kleinkind der ‚Zauber‘ genommen wird. Vielleicht bin ich da auch einfach nur etwas altmodisch 😀 Aber ich mag diese leuchtenden Kinderaugen wenn sie erwartungsvoll auf das Christkind warten (also bei mir daheim war es das Christkind.) und dann die Geschenke unter dem Baum finden. Oder die suche nach den bunten Eiern und kleinen Presenten. ^^
        Undank ist der Welten lohn, leider. Und was noch viel schlimmer ist, ist das die heutigen Kinder dazu hin erzogen werden. Die meisten jedenfalls. 😦

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      2. Das ist eine gute Idee 🙂 Meine Eltern hatten das auch so gemacht. Meine Mutter hatte dann immer gesagt, sie sei das Helferlein vom Christkind, weil es sooooviel zu tun hat, helfen die Mama’s und Papa’s dem Christkind. 😉

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