TROTZ|DEM MAGICHNICHT

Mag ich nicht? denkt die Bloggerin als sie die Themenvorgabe liest. „Hm, schwierig. Als Pessimist aus Vorsicht mag ich das meiste ja erst einmal eher nicht, bevor ich mich vielleicht dafür erwärmen kann.  Aber ich kann ja nicht über alles schreiben, was mir so unter kommt. Sehr schwierig.“

Die hungrige Katze streicht ihr um die Füße und maunzt auffordernd (die Futterschüssel endlich zu füllen), im Stockwerk hört man die Kinder weinen, weil sie sich nicht einigen können, wer zuerst die Treppen runter gehen darf.

Heute ist ihr Namenstag, aber das kümmert vermutlich weiter keinen, schon gar nicht den Chef im Büro, der beschlossen hat, dass fixe Sitzplätze nur etwas für das Beamtentum von gestern sind, während wechselnde Sitznachbarn „auch befruchtend wirken“ können. Während sie darüber nachdenkt, ob der Chef überhaupt gemerkt hat, dass alle gekichert haben und mit welchem Aspekt der neuen Raumordnung die steigende Zahl der Karenzen nun wirklich zu tun haben könnte, geht sie in die Küche, deckt den Tisch und öffnet eine Futterdose.


Mag ich nicht! denkt die Katze und schaut erst entrüstet das vorgesetzte Futter und dann den dümmlich plappernden Menschen an, der mit seinem „Miez! Miez! Gutes Fressi!“ wohl besser im Zoo aufgehoben wäre.

Mag ich nicht! ruft das Kind noch bevor es das Essen gekostet hat und streckt die Zunge zu einem angewiderten „Bäh!“ heraus, während sich die Mutter in der Erinnerung an ein kleines Baby verliert, das aufgeregt im Hochstuhl zappelte und sich begeistert mit Brei füttern ließ.

Mag ich nicht! denkt die Frau schon beim Auspacken der großgeblümten Bluse und lächelt ihren Mann gequält an: „Danke Schatz! Wie … äh … witzig, Blumen auf der Bluse statt für die Vase!“

Mag ich nicht! denkt die Angestellte als sie sich im Großraumbüro nach einem freien Platz umschaut. Desksharing – so einen Blödsinn kann sich eigentlich nur ein sadistischer Menschenfeind ausdenken! und sie nickt dem Kollegen, den sie bisher nur vom Sehen kennt, höflichkeitshalber kurz zu, bevor sie sich für den Rest des Tages den Schreibtisch teilen müssen.

Mag ich gar nicht! flucht die Autofahrerin leise vor sich hin, als sie nach der Kurve auf das Stauende trifft. „Ausgerechnet heute …“ zischt sie und fängt an, wütend auf das Lenkrad zu trommeln. Um die Tobende herum steht alles still.

Advertisements

5 Gedanken zu “TROTZ|DEM MAGICHNICHT

  1. Desksharing würde ich nicht verkraften. Mein Schreibtisch gehört mir. Wo würden sonst meine Teekanne und mein Becher stehen? Und mein für mich eingestellter Stuhl. Soll ich den jeden Morgen neu einstellen? Ich wohne quasi in meinem Büroteil. Das wäre, als hätte ich kein Zuhause mehr.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s