Juhu! Es lebt!

Draußen auf meiner Dachterasse steht es. Es ist rot mit weißen Punkten und es erinnert mich an einen Fliegenpilz. Weil es rot ist, mit weißen Punkten! Es steht da und rührt sich nicht. Angefüllt mit Erde und Dünger. Mein Hochbeet.

Weil meine ehemalige Vermieterin der Meinung war, ich könnte schon jetzt Sachen ansäen und sie mir beinahe im gleichen Moment diverse Päckchen mit Samen in die Hand drückte, machte ich mich direkt ans Werk. Auch, weil sie mich von ihrem Garten aus, wie ein Geier beobachtete, ob ich auch wirklich tun würde, was sie mir gesagt und angeraten hat.

Ich pflanzte daher echte Kamille, Petersilie (auch wenn ich diese niemals essen würde), Karotten, Pflücksalat und Manggold an.

Seither stiefele ich jeden Morgen und jeden Abend brav hinaus und beglücke das Hochbeet mit frischem Wasser. Selbstgezapft aus dem Wasserahn, versteht sich.

Seit Wochen mache ich das nun. Um genau zu sein, seit Mitte März. Und was ist? Nix ist. Wann immer ich bisher in mein Hochbeet geschaut habe, um mit Lupe nach ein bisschen grün ausschau zu halten, sah ich nichts außer Erde und kleine Düngerstückchen aus Pferdemist.

Der Manggold, den ich im Zimmer groß gezogen und hinaus gesetzt hatte, wurde mit jedem Tag schwächer und verschrumpelte irgendwann gänzlichst.

Tot.

„Da lebt nix!“, sagte ich erst vor einigen Tagen zu meinem Mann, nachdem ich mit Gieskanne bewaffnet hinaus gewatschelt war, um einmal mehr die Erde zu gießen und dabei einmal mehr akribisch nach Leben im Beet ausschau zu halten.

Mein Mann sah von seinem Pc-Spiel auf, lächelte halbherzig verständnisvoll und sagte: „Das tut mir Leid, Schatz. Im nächsten Jahr vielleicht. Und du hast ja schon die anderen Pflanzen. Im Wohnzimmer. Im Schlafzimmer. Im Bad. Im Wickelzimmer.“

Stimmt. Da stehen meine Zöglinge und wuchern wie Unkraut! Und zwar auf jedem mir zur Verfügung stehendem Fensterbrett! Theoretisch wäre es Zeit sie ein weiteres mal umzutopfen, aber mir fehlen sowohl die Töpfe als auch der Platz dafür. Mein Kürbis versucht derzeit aus seinem Topf zu flüchten. Samt Wurzel! Und meine Zucchini lässt des Öfteren traurig die Blätter hängen, weil ihr der Platz ausgeht. Aber es geht nicht!

„Durchhalten!“, flüstere ich eindringlich jedesmal, wenn ich ihnen das Wasser ans Töpfchen bringe. „Bald! Bald dürft ihr raus.“ Dabei verschweige ich, dass sie bis nach den Eisheiligen warten müssen und säe falsche Hoffnung auf ein baldiges Ende ihrer engen Behausung. Und ich verschweige auch, dass nicht jeder meiner Kürbisse einen Platz im großen Topf finden wird …

Die einzigen, die sich wirklich erstaunlich wohl fühlen, sind die angeblich ach so anstrengenden Tomaten! Die Gurke und der Blattsalat allerdings … nun …ja. Die Gurke scheint ein Verhältnis mit dem Blattsalat links von ihr zu haben, denn dort wuchert sie hin. Und der Blattsalat scheint immer ein wenig bekümmert zu sein.

(Memo an mich: Fenster putzen!)

Weil es die letzten Tage neben kalt auch noch regnerisch war, habe ich das Hochbeet Hochbeet sein lassen. Der Anblick der hiesigen Leere hat mich sowieso nur depremiert. Dann habe ich registriert, dass meine angezogene Karotte schon etwas groß geworden ist, für das Plastikgewächshaus auf dem Fenstersims und beschlossen, ihr kommt raus.

Gedacht, gesagt, getan.

Ich wünschte den Karotten mehr Überlebenswillen und eine gute Portion Glück, als dem Manggold und wollte mich gerade vom Hochbeet abwenden, da sehe ich aus den Augenwinkeln etwas Grünes zwischen all dem erdbraun aufblitzen.

Nanu? Eine Fatamorgana? Ich neigte mich halb über und halb in das Hochbeet hinein, kniff die Augen zusammen und …

TATSÄCHLICH! Da wächst doch was! Und es ist kein Unkraut! Ich habe zwar keine Ahnung, was genau es ist, tippe aber auf den Pflücksalat, weil ich mal wieder nichts beschriftet habe und meine Gedächtnisleistung der einer Eintagsfliege gleicht, aber … da wächst wirklich was!

Ich suchte also das Hochbeet ab und stellte fest, dass hier und da kleine grüne Köpfchen hervorlukten.

AH! Ich riß die Arme in die Luft, rief: „ES LEBT! MUAHAHAHAHA! Meine KINDERCHEN! ES LEBT!“

Dann sah ich durch den hölzernen Zaun das irritierte Gesicht meiner ehemaligen Vermieterin, die wohl gerade auf den Weg zu mir war und vorgehabt haben musste, mich anzusprechen. Im nächsten Moment sah ich, wie sie hastig abdreht und in Richtung ihres Hauses entschwindet. Eine Gardine am Fenster bewegte sich kurz darauf ein wenig zur Seite und ich fühlte mich dezent beobachtet bzw. angestarrt.

Ups. Sollte sie nicht schon vorher die Ahnung gehabt haben, ich sei ein wenig komisch, so bin ich mir sicher, spätestens jetzt, denkt sie exakt das. Mit hochrotem Kopf verschwand ich hurtig zurück in meine Wohnung.

Aber was soll’s. Mein Hochbeet. Juhu! Es lebt!

 

 

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8 Gedanken zu “Juhu! Es lebt!

  1. Jaaaaa, das kommt mir doch seehr bekannt vor – abgesehen von der streng überwachenden Nachbarin. Ich fühle mich von meinem Nachbarn auch beobachtet, aber das hat mehr damit zu tun, dass er vermutlich darauf wartet, wann er mir wegen meinem Hund wieder einen reinwürgen kann. Anderes Thema…
    Wie auch immer, ist es nicht immer die wahre Freude, wenn endlich was passiert? Ich hoffe, dass uns hier dieser Moment noch bevor steht. Wir hatten letzten Winter noch winterharten Feldsalat und Spinat ausgesät, weil die überwintern sollen und dann im Frühjahr schon viel Frisches liefern sollten. Nichts ist. Bis heute nicht! heul Aber ich nehme mir Dich jetzt zum Vorbild, lasse es sein, und vielleicht kommt ja doch plötzlich noch was. Ansonsten geht’s dem Beet bald an den Kragen 😉
    Viel Glück weiterhin! Ich drücke Dir die Daumen!

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    1. Normalweise bin ich recht unbeobachtet. Aber das Haus der ehemaligen Vermieterin liegt auf der Rückseite unserer Wohnung und wenn ich auf der Dachterrasse stehe, dann kann ich bis vor ihre Haustür und in den Garten gucken und sie sieht mich natürlich auch ^^!!! Ich hoffe jetzt einfach, das meine restlichen Pflänzchen auch noch was werden und die, die ich hier in der Bude haben noch durchhalten, bis sie raus dürfen ^.^!

      Gefällt 1 Person

  2. Dein Hochbeet sieht richtig klasse aus und wird schon noch werden mit dem Leben der Pflänzchen…. wenn sich der für Aussaaten und Jungpflanzen eigentlich zu scharfe Pferdemist irgendwie entschärft hat denke ich😉
    Die argwöhnisch beobachtende Vermieterin möchte ich aber nicht so wirklich in meiner Nähe haben😀
    LG

    Gefällt 2 Personen

      1. 😦 Das wusste ich nicht. ist ja eh das erste Mal, das ich irgendwas mit Pflanzen versuche. Mir wurde Pferdemist als Dünger empfohlen. Allerdings nicht von einer Fachkraft, sondern von anderen Leuten mit Gartengemüse -.-

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