Das Wochenende

Liebe LeserInnen,

mein Nachbar vom Planeten Dings nimmt den Mitmachblog sehr ernst. Er macht zwar kaum mit, dafür achtet er aber sehr genau darauf, ob ich mitmache.

Seiner etwas einseitigen Abmachung zufolge, schreiben wir nämlich für den Mitmachblog, was am Ende mit schöner Regelmäßigkeit darauf hinausläuft, das ich etwas schreibe und er mehr oder weniger zufrieden damit ist.

„Du hast in dieser Woche überhaupt nichts geschrieben.“ Mein Nachbar vom Planeten Dings schaut mich vorwurfsvoll an.

„Wieso? Es ist ja noch Wochenende. Da habe ich noch bis heute Abend Zeit.“

„Von wegen! Gestern Abend war das Wochenende vorbei. Heute ist Feiertag!“

„Hoppla. Das ist mir jetzt glatt – was war denn das Thema?“

„Es lebt.“

„Wie jetzt? Es lebt? Was lebt?“

„Was weiß denn ich? Das Ding unter der Kellertreppe. Die Woche ist ja jetzt eh vorüber, sogar der Monat.“

„Ich könnte ja trotzdem noch was schreiben. Welches Ding unter der Kellertreppe denn?“

„Das alte Sitzkissen oder was das ist, das irgendjemand dort hingeworfen hat.“

„Ach so. Das habe ich noch gar nicht gesehen. Und das lebt?“

„Ich mein‘ ja nur, damit du was zum Schreiben hast. Ich könnte schwören, gestern lag es anders da als vorgestern.“

„Und vorvorgestern?“

„Da lag es noch nicht da.“

„Ach so, kein Wunder, dass ich es noch nicht gesehen habe.“

„Hättest du mir das nicht gestern erzählen können?“

„Dann schreibst du halt heute was zum Thema von voriger Woche.“

„Wie lautet das Thema für diese Woche?“

„Spieglein, Spieglein.“

„Und steht da auch einer unter der Kellertreppe?“

„Da lebt nur dieses Sitzkissen. Vielleicht sollten wir ihm einen Spiegel hinstellen?“

„Wir?“

„Na gut, ich.“

„Wozu braucht ein Sitzkissen einen Spiegel?“

„Um ihn zu fragen, wer das schönste Sitzkissen im Land ist.“

„Jedenfalls nicht das, was unter unserer Kellertreppe lebt. Oder ist es ein schönes Sitzkissen?“

„Eher ein schmuddeliges Sitzkissen.“

„Da sollten wir vielleicht einen Eimer Wasser hinstellen?“

„Ich merke schon, du nimmst mich wiedermal nicht ernst.“

„Wie sollte ich auch.“

„Wir haben eh eine neue Woche. Schreib doch einfach: Es lebe der erste Mai.“

„Das mache ich!“

„Und ich lege eine rote Nelke unter die Kellertreppe.“ Mein Nachbar vom Planeten Dings eilt davon.

„Das du immer alles übertreiben musst“, rufe ich ihm nach.

Unerhörte Grüße aus dem Garten

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6 Gedanken zu “Das Wochenende

  1. und ich dachte, du würdest das Spieglein Spieglein vor das Sitzkissen stellen, um festzustellen, ob es lebt. Beschlägt das Spieglein, atmet es, lebt also, und irgendwann wird es auch Selbstbewusstsein entwickeln- das hab ich kürzlich gelesen: das Kleinkind entwickelt Selbstbewusstsein, wenn bzw weil es in den Spiegel guckt. Tja so ist das, wusstest du nicht? Ich auch nicht (und glaub s kaum). Dann ist auch der Weg fürs erste Selfi gebahnt ….. Herzliche Maiengrüße!

    Gefällt 2 Personen

  2. Das nenne ich eine gelungene (und gruselige) Verbindung der beiden Wochenthemen! 🙂
    Unter die Kellertreppe schaue ich lieber sowieso nie. Ich bin mir sicher bei uns lebt ES dort nicht alleine, sondern zusammen mit ganz vielen und jedes von ihnen hat mehr Beine als ich. Da schau ich dann schön lahm aus der Wäsche, wenn ich davonlaufen will. In den Spiegel dürfte ich mich schon gar nicht schauen, blass vor Schreck mit wirrem Haar und Blick 😉

    Gefällt 3 Personen

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