Zeitloser Wahnsinn.

Ach ja, gestern. Da hatte es wahrlich den Anschein, als gäbe es kein Morgen mehr. Der samstägliche Einkaufswahnsinn erfuhr eine Steigerung allein durch den Umstand, dass der Muttertag vor der Tür stand. Der eine Supermarkt hatte die Blumensträuße für den großen Tag der Mütter strategisch unklug gleich beim Eingang platziert. Auf dass es sich gleich hier mal ordentlich staute. Das jüngere Kind und ich manövrierten uns durch Einkaufswagen und Menschen. Überdurchschnittlich viele Männer waren da auf der Jagd nach duftigem Grünzeug für die eigene Mutter oder die Mutter ihrer Kinder, völlig überfordert vom Multitasking, gleichzeitig ein Wagerl zu steuern und das Angebot zu sondieren.

Als gäbe es kein Morgen auch im nächsten Einkaufsmarkt. Die gekreuzten Gummistiefel, naja, Lagerhaus eben. Hier am Land in unserer Kleinstadt hat es ohnehin immer den Anschein, dass sie da etwas verschenken, gerade, dass die Autos nicht übereinander parken. Ich habe einmal quer über den Parkplatz gestaut und dann das Handtuch geworfen. Ich bin ja nicht deppert und tu mir das freiwillig an. Bin auf der gegenüberliegenden Ausfahrt wieder raus und zum direkten Nahversorger in unserem Grätzel gefahren. Da habe ich dann auch alles bekommen, ganz ohne Menschenmassen und Staus. Man muss ja Angst haben, dass einem so ein Konsum-gesteuerter Mensch auch noch dreinfährt. Ich denke mir einmal mehr, dass ich mir das Lagerhaus noch komplett abgewöhne. Gemüsepflanzen muss ich schließlich nicht gerade am Großkampftag vor dem Tag der Mütter kaufen und die Gärtnerei auf dem Weg zur Arbeit hat sehr schöne kräftige Pflanzen. Während also alle Welt Essen und Alkohol einlagert für den großen Ansturm der Kinderschar, die einmal im Jahr zum Gratulieren kommt, weil die Mutter immer so emsig schafft und werkt, klinke ich mich aus Zeit und Raum und lasse den Irrsinn hinter mir.

Ich, meines Zeichens ebenfalls Mutter, bin mit dem Kind, das mich gerne einkaufenderweise unterstützt, noch rasch zum Bäcker gefahren und habe meine eigene Muttertagstorte gekauft. Selber backen werde ich auch noch! Ausgesucht hat das Kind. Ich hätte eine andere favorisiert. Aber soll sein. Morgen zu Mittag ist das hübsche Törtchen ohnehin Geschichte. Da war heute schon gestern, aber übermorgen sitzen die Kalorien trotzdem dick auf den Hüften. Ich traue mich heute schon wetten, wer morgen die einzelne Marzipanrose abbekommt. Ich werde es wohl nicht sein. Für den muttertäglichen Hausfrieden teile ich das Marzipan unter meinen Männern auf. Ich bin ohnehin Herrin Frau über Speis und Kühlschrank, ich weiß mir schon zu helfen. Wenn dann morgen schon wieder gestern ist und einer der 364 Nicht-Muttertage.

Und so verbringen wir den restlichen Tag in geruhsamer Betriebsamkeit zu Hause, während in den Märkten immer noch der Wahnsinn tobt. Man könnte schließlich verhungern. Wer weiß schon, ob es nach dem Morgen noch etwas einzukaufen gibt.

Morgen jedenfalls erinnere ich mich nur noch vage daran, als das Gestern noch ein Heute war, wenn mir das Frühstück ans Bett gebracht wird mit Geschenken und Blumen. Jene Blumen, die am gestrigen Tag eindeutig besser aussahen als am Tag nach dem Morgen.

 

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