PLATSCH!

Bei dem Thema hab ich ja erst an ein Männchen gedacht, welches kopfüber irgendwo herunter baumelt und mich gleichzeitig gefragt, was mir denn dazu bitte für eine Geschichte einfallen soll? Abgesehen vielleicht, dass ich hätte offenbaren können, das ich eine Weile Tarot gelegt habe (viele, viele Jahre lang …) und es unter den Karten den Narren gibt, welcher ebenfalls kopfüber von einem Baum herab baumelt und aus irgendeinem, mir völlig unerklärlichen Grund meine Lieblingskarte im ganzen Tarot darstellt. Hm. Lässt das irgendwie tief blicken? Na, wenn schon. Von Tarot bin ich schon seit vielen, vielen Jahren geheilt. Die Karten verraten einem ohnehin nie etwas neues, sondern nur Dinge, die man sowieso schon wusste. Sie drücken es nur umständlicher aus.

Statt also von Karten zu erzählen, erzähle ich Euch einfach mal eine Geschichte aus meinen Jugendtagen und wie man sich kopfüber in sein Verderben stürzt.

Kurz nachdem ich geboren worden bin, also wenige Monate später, entschied meine Mutter sich dazu, mit mir regelmässig ins Schwimmbad zu fahren. Nicht etwa Babyschwimmen. Davon hatte meine werte Frau Mama noch gar nichts gehört. Statt also ins warme Babybecken zu klettern, wo es sicherlich sehr gemütlich gewesen wäre, ging sie mit mir immer in das kalte große Becken. Sie versicherte mir übrigens, ich hätte mich nie beschwert, nur etwas blaue Lippen gehabt. (Und manchmal wundere ich mich, dass ich bis heute überlebt habe …)

Jedenfalls blieb Schwimmen gehen eine ihrer liebsten Beschäftigungen mit mir und so kam es, dass ich bereits mit nur 2 Jahren schwimmen konnte. Das heißt, ich konnte paddeln. Wie ein Hund. Immerhin … ich hielt mich ÜBER Wasser und die Möglichkeit zu ertrinken (vor der meine Mutter eine Heidenangst hatte) war so gut wie ausgeschlossen. Mit viel Stolz erzählt sie gern, wie ich als Zwerg zum Einersprungbrett gewackelt, die Treppen hinauf geklettert und kurzerhand hinunter gesprungen bin. Und das unter den entsetzten Blicken und Ausrufen diverser Badegäste.

Noch in der Grundschule machte ich mein Seepferdchen, dann Bronze, Silber und Gold. Alles kein Problem für mich. Lästig waren nur die ständigen Mittelohrentzündungen die ich in aller Regelmässigkeit von meinen Schwimmbadbesuchen mit nach Hause brachte. Ansonsten liebte ich aber das Wasser und ich liebte es immer schwimmen zu gehen! Kopfüber in das Wasser zu springen, abzutauchen und lange nicht mehr aufzutauchen, schwebend in der Schwerelosigkeit und der gedämpften Stille. Das war einfach nur WUNDERVOLL … oder atemberaubend und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Angst kannte ich dahingehend keine. Und natürlich war es eine meiner größten Leidenschaften auf die Sprungbretter zu steigen und mich in die Tiefe zu stürzen. Umso höher desto besser. (Was mich heute wirklich sehr verblüfft. Heute kann ich nicht mal mehr auf einen Stuhl steigen, ohne das mir schwindelig und schlecht wird aufgrund meiner Höhenangst!)

Nebenbei schaute ich mir auch im Fernsehen diverse Schwimmwettbewerbe und Sportveranstalltungen an. Das war auch das einzige, was mich bei den olympischen Spielen wirklich interessierte. Springtuniere faszinierten mich freilich besonders und sobald ich wieder im Schwimmbad war, erprobte ich, was ich im Fernsehen von den Profis so gesehen und im Kopf behalten habe.

Salto, Rückwärts, Köpper, hübsche Figürchen in der Luft … alles ausprobiert. Springen war, neben Tauchen meine große Leidenschaft.

Mein Vater nannte mich gern liebevoll seine Wasserratte. Ich empfand mich eher wie einen niedlichen Otter! Im Zweifelsfall eine elegante Meeresschildkröte … und zu Disneys Ariell-Zeiten war ich freilich eine wunderschöne Wassernixe! Aber ganz bestimmt keine Ratte … also wirklich.

Und dann kam der Tag …. dieser EINE Tag … an dem ich im Fernsehen die CLIFF-Werbung sah. Erinnert ihr Euch an diese Werbung? Muskelbepackter Adonis springt von einer Klippe, breitet heroisch in der Luft seine Arme aus. Slowmotion. Neigung nach unten. Der Kopf taucht ins Wasser, der Körper gleitet hinterher. Und dann stößt er aus dem Wasser. Perlen auf Haar und nackter Adonisbrust. Werbeslogan. Ende.

Der Mann hat mich natürlich nicht die Bohne interessiert, aber … DER SPRUNG! Was für ein Anblick!!! Das musste ICH unbedingt AUCH mal machen!

Das nächste Mal im Schwimmbad  ging ich hoch erhobenen Kopfes zu den Sprungbrettern und dort angekommen kletterte ich sofort auf das 10 Meter Sprungbrett. In meinem Kopf legte ich mir den Sprung zurecht.  Der Plan sah folgendermaßen aus: Anlauf nehmen. Weit nach vorne springen. Grazil die Arme ausbreiten. Einen Moment in Slowmotion in der Luft schweben. Dann nach vorne. Kopfüber nach unten und in das Wasser hinein gleiten um beim Auftauchen eine besonders tolle Figur zu machen.

Gedacht, umgesetzt. Ich nahm also Anlauf, ich sprang weit nach vorne. Ich breitete die Arme aus. Der Plan war perfekt. Alles passte. Nur eine Sache … die passte nicht. Der Slowmotioneffekt blieb nämlich dummerweise aus und statt eine Weile durch die Luft zu schweben, ging es wie ein Stein abwärts. Nix mit kopfüber ins Wasser! Stattdessen klatschte ich, mit weit ausgebreiteten Armen waagerecht auf das Wasser.

PLATSCH!

NOCH NIE und ich meine NOCH NIE in meinem Leben hatte ich die Erfahrung machen müssen, dass sich Wasser, wenn man aus 10 Metern in die Tiefe fällt, sich anfühlt, als wäre man mal eben auf eine Zementwand geknallt. Der Bauchplatscher meines Lebens. Ich versank wie ein Stein. Unfähig mich zu bewegen. Mir war furchtbar schlecht und schwindelig.

Statt in Panik zu geraten, blieb ich ruhig und ließ mich einfach nach unten treiben, bis ich auf den Grund des Beckens stieß, wo ich eine Weile einfach blieb. Zu dieser Zeit lag der persönliche Rekord des Atem anhaltens noch bei 1 Minute und 50 Sekunden. Ich hielt die Augen geschlossen und zählte die Sternchen, die ich vor meinen geschlossenen Lidern aufblitzen sah.

Ich denke heute, dass ich zu diesem Zeitpunkt durchaus unter Schock gestanden haben muss. (Außerdem frage ich mich, wo der Bademeister gewesen ist, als ich wie eine invalide Seekuh in den Fluten des Beckens versank und für MINDESTENS 2 Minuten nicht mehr auftauchte … wann kommen die einen eigentlich retten?!)

Woran ich mich besonders gut erinnere, ist die Scham. Die Schmach. Mir war dieser misslungene Kopfsprung dermaßen peinlich, dass ich, nachdem ich mich wieder an die Oberfläche zurück gekämpft hatte, kurzerhand daran machte nicht nur das Becken, sondern im direkten Anschluss auch das Schwimmbad zu verlassen.

Danach bin ich zumindest dort nie wieder schwimmen gegangen und Sprungbretter verloren ebenfalls ihren Reiz.

Mit der Zeit hörte ich sowieso auf schwimmen zu gehen. Ich war beinahe immer kurz darauf schwer mit Erkältung krank, entwickelte eine Chlorallergie und fühlte mich in meinem Körper zu unwohl, als dass ich große Lust gehabt hätte, mir einen Badeanzug anzuziehen.

Heute kann ich mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal schwimmen gewesen bin und ich überlege tatsächlich immer noch, wie ich mich wohl davor drücken kann, mit meinem Sohn zusammen ins Wasser zu müssen. Außerdem frage ich mich, ob das aufblasbare Planschbecken, welches ich für den Balkon zu kaufen gedenke, wohl als Schwimmerfahrung zählt … für’s Kind. Nicht für mich natürlich!

Ansonsten stürze ich mich aber nachwievor gern kopfüber in irgendwelche Dinge, weil ich der Meinung bin: DAS kann ICH auch! oder das MUSS ICH haben!

Immerhin bleiben mir dabei die Bauchplatscher meistens erspart und ich stelle diese ‚kopfüber‘-Projekte eher aus aufkommender langweile rasch wieder ein.

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