Vom Wal zum Nilpferd – Seekuh, ich komme!

Manche, die meinem Blog Mama – aber anders, folgen, die wissens. Andere, die meinem Blog nicht folgen, die werden es gleich wissen.

Während meiner Schwangerschaft hab ich mal eben schlappe 30 Kg zugenommen. Davor waren es 10 Kg, weil ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Also von zarten 70 Kg auf 110 Kg in Rekordzeit. In der Schwangerschaft bekam ich die teuflische Schwangerschaftsdiabetis und zwar mit allem drum und dran. Soll heißen, ich musste nicht nur Zucker messen, ich musste auch Insolin spritzen. Alles in allem keine schöne Erfahrung und ich konnte es kaum abwarten, bis die Schwangerschaft vorbei und das ewige Spritzen und Messen endlich ein Ende haben würde.

Und dann war es soweit. Geburt erfolgreich, Mutter und Kind wohlauf. Toll! 3 Monate später ging es zum Diabetologen. Zuckercheck. Ich habe mich zu 100% darauf verlassen, dass jetzt alles wieder beim Alten sein würde und hätte nie im Leben damit gerechnet, dass mir meine Diabetologin mitteilen würde, dass meine Zuckerwerte leider nach wie vor schlechter sind, als sie sein sollten oder dürften. Ich bin also aus allen Wolken gefallen und der Aufprall auf dem Boden der Realität tat wirklich weh. Sehr weh. Erschreckend weh.

Derzeit sieht es so aus, dass ich noch kein Diabetiker bin. Die Diabetis hat aber bereits einen Fuß in der Tür und steht kurz davor für immer und ewig in mein Leben einzug zu halten.

Anfang des Jahres habe ich beschlossen nun endlich Nägel mit Köpfen zu machen und den Rat meiner Diabetologin zu beherzigen. Ernährung ändern. Gewicht so stark wie möglich reduzieren. Seit März teile ich jede Woche meinen Lesern auf meinem Blog mit, wie der aktuelle Stand ist.

Insgesamt habe ich seit Januar bis jetzt exakt 27,6 Kg abgenommen. Es fehlen noch 12,4 Kg zu meinem eigentlichen Normalgewicht.

Abnehmen ist wie Bergsteigen. Nur andersherum. Man will ja schließlich runter und nicht noch weiter hinauf. Jedes Kilogramm ist dabei ein Meilenstein und jeder Stillstand ein Plateau auf dem man eine Weile bleibt, um sich auszuruhen. Gleichzeitig wird man auf Gedult und Disziplin geprüft. Hat man noch die Kraft weiter zu machen? Was ist, wenn es nie mehr weiter runter geht? Wenn einen der Wille im Stich lässt? Gott, verdammt sieht das Würstchen lecker aus! Ihr versteht? Plateaus sind jedes Mal eine Prüfung und ich muss zugeben, dass ich mittlerweile zwei davon hatte, bei denen ich wirklich kurz davor war, das Handtuch zu werfen.  Derzeit bin ich gerade beim dritten Plateau angekommen. WARUM gibt es auf MEINEM Berg eigentlich keinen verdammten Fahrstuhl?!

Was ich sehr erstaunlich finde, ist übrigens die Verwandlung der eigenen Wahrnehmung. Oder sollte es an dieser Stelle eher heißen, wie sich die eigene Wahrnehmung verändert, wenn sich Gewohnheiten verschieben? Obwohl Veränderung ja im Grunde nichts anderes ist, als eine andere Form der Verwandlung, richtig?

Als ich noch ca. 69 Kg bis 70 Kg  gewogen habe, habe ich jedes Mal die Krise bekommen, wenn ich so 5-8 Kg zugenommen habe und plötzlich kurz vor der 80 in den Spiegel geguckt habe. Was ist das denn für einen Fettbauch! Mein Bauch ist ja schon größer als meine Brüste! Mit meinem Hintern könnte ich meinen Ehemann zerquetschen! Boah … und meine Oberschenkel?! Sind das Oberschenkel oder Fleischberge?! Wo sind eigentlich meine Knie hin?! Danach hab ich einige Tage damit verbracht darüber zu trauern, dass ich aussehe, wie ein Rollmops und mich mit besonders viel Schokolade getröstet, ehe ich halt einige Zeitlang gesund gegessen habe, bis ich das Übergewicht wieder los geworden bin und die Welt wieder in Ordnung war.

Als ich dann schwanger war und mit dem Übergewicht freilich auch der Babybauch dazu kam, hab ich in den Spiegel geguckt und nur gedacht: Naja! Du bist eben schwanger! Das ist ALLES total normal! Schwangere, die müssen so aussehen! Und ich habe voller Stolz meine Kugel gestreichelt und mich nicht weiter um’s Gewicht geschert. Naja, bis man die Diabetis feststellte und mir klar wurde, dass das alles dann doch ein wenig zu viel ist. Da war es aber zu spät und trotz Achtsamkeit kamen eben weitere Pfunde dazu. Lässt sich leider nicht wirklich verhindern, nur verlangsamen. Trotzdem hat es mich immer getröstet, zu wissen, das ich ja schwanger bin.

Nachdem ich nicht mehr schwanger war, hab ich mich eigentlich nicht mehr getraut in den Spiegel zu gucken. Der Anblick hat mich nämlich rege entsetzt. Mal davon ab, dass ich nach 6 Monaten immer noch so aussah, als würde ich bald ein Kind bekommen. Ehrlich gesagt, es war unerträglich.

Und jetzt? Jetzt bin ich bei 82,4 Kg angekommen, schaue in den Spiegel und empfinde mich als schlank! Ist das nicht verrückt?! Ich fühle mich eigentlich nicht sonderlich unwohl in meinem immer noch sehr übergewichtigen Körper. Wenn ich es mit vorher vergleiche, dann ist die VERWANDLUNG enorm! Mal davon ab, dass ich zumindest zum Teil schon wieder in meine alte Kleidung hinein passe. (Was wohl daran liegt, dass ich alles immer irgendwie zu groß kaufe … weshalb meine alten Sachen, mir jetzt perfekt passen ….) Könnte doch eigentlich so bleiben, oder? ODER?

Nein. Bei allem bisherigen Erfolg, ist mir dennoch klar, dass ich an dieser Stelle nicht aufhören kann und auch nicht aufhören darf. Bei einer Körpergröße von 1,64 ist ein Gewicht von über 80 Kg immer noch zu viel. Es ist nur einfach grandios, wenn man plötzlich seine Füße wieder sehen kann oder nicht mehr ständig mit dem Bauch irgendwo gegen stößt und sich die Oberschenkel nicht anfühlen, als seien sie zusammengewachsen. Mal davon ab, dass man sich generell besser bewegen kann, wenn man wieder weniger Gewicht mit sich herum schleppen muss.

Und ich bewundere den menschlichen Organismus als solchen.  Besonders den Körper. Besonders MEINEN Körper, der ja eigentlich eine saumäßige Wut auf mich haben müsste, weil ich ihn so miserabel behandelt habe. Wahnsinn, was der alles mitmacht. Nicht ohne Spuren zu hinterlassen, das sicher nicht. Aber Strafe muss ja irgendwie sein, oder es ist ein Memento, damit man nicht vergisst, beim nächsten Mal etwas netter zu sein. Who knows.

Wenn ich derzeit also etwas frustriert bin, dann hilft mir nun der Blick in den Spiegel. Ich ergötze mich einfach an der Verwandlung meiner äußeren Erscheinung. Ich SEHE, dass sich etwas verändert, selbst wenn das Gewicht sich derzeit nicht wirklich weiter nach unten bewegt. Ich sehe, das sich mein Gesicht verändert, mein Doppelkinn verschwinden, meine Beine dünner werden, weil sich dort das Fett neu verteilt. Mein Bauch wird kleiner etc. Ein Plateau ist Zeit, die der Körper für seine Verwandlung braucht. Und das ist nicht nur gut so, es ist auch gesund.

Immerhin hab ich mich innerhalb von ca. 6 Monaten von einem gestrandeten Wal in ein Nilpferd verwandelt. Ist doch was, richtig? Eine Gazelle werde ich wohl nicht mehr werden, aber die Seekuh, die schaff ich bestimmt! Damit könnte ich gut leben! Vom Wal zum Nilpferd – Seekuh, ich komme!

 

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3 Gedanken zu “Vom Wal zum Nilpferd – Seekuh, ich komme!

  1. Hat dies auf Mama – aber anders rebloggt und kommentierte:

    Wenn man Diät hält und auf einem Plateau angekommen ist, welches sich ewig zieht, hilft es mal zurück zu schauen, um sich die bisherige Verwandlung, die man bereits hinter sich gebracht hat, zu betrachtet. Statt frustriert sein, sich einfach mal freuen, dass man schon soweit gekommen ist!

    Gefällt 2 Personen

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