Alles ist Kunst, Kunst ist alles!

Mit der Kunst ist es bei mir ja so eine Sache. Ich liebe Kunst. Ich bin selbst kreativ. Allgemein verbindet man mit Kunst ja das Zeichnen oder Malen. Malen ist auch so eine Sache. Ich kann malen. Wenn ich muss. Mit Farben hatte ich es aber nie so sonderlich. Ich bin eher der Typ der schwarzweiß vorzieht. Deshalb habe ich stets lieber gezeichnet als gemalt. Und ich mag es bis heute nicht, wenn jemand zu einer Zeichnung sagt: „Ach, das hast du aber schön gemalt!“ oder, wenn ich etwas zeichne und jemand fragt: „Oh, was malst du denn?“ – Boah! Ich MALE NICHT! Ich zeichne! Das ist ein himmelweiter unterschied! Wer nämlich Zeichnen kann, kann nicht unbedingt malen und andersherum. Gut. Ich kann beides. Ich favorisiere nur.

Auch bin ich bereit Musik als Kunst zu verstehen. Aber die Dichtkunst? Das ist nicht meine Welt. Ich kann mit Poesie in etwa so viel anfangen wie ein Igel mit einem Auto. Nix nämlich. Bzw. es kann ruhig weit weg bleiben.

Schon im Deutschunterricht war es furchtbar, wenn es da hieß: So! Und nun analysieren wir mal wieder ein paar Gedichte. Bis heute hab ich die Sache mit dem Jambus nicht verstanden. Verstädnisanalyse liegt mir da schon eher. Allerdings wisst ihr sicher wie das ist. Man kann noch so gut verstehen worum es geht, es bringt alles nichts, wenn man den Weg, wie man dorthin gekommen ist, nicht richtig oder angemessen erkläutern kann.

Ganz furchtbar finde ich, dass viele Lehrkräfte noch dazu nicht bereit sind eine eigene Interpretation zuzulassen, selbst WENN man sie mit allen gängigen Methoden gut und vor allem richtig begründet hat. Bitte alles nach Schema F! Nichts anderes. Schade.

In meinen Augen ist es ein Zeichen der Unfähigkeit, wenn Lehrkräfte gerade im kreativen Rahmen, nicht in der Lage sind authentizität und individualität zuzulassen. Gerade in den Bereichen Kunst, Musik aber auch Deutsch (wenn es um das analysieren von Schriftstücken wie z.B. Gedichte geht) sollte es möglich sein Freiraum für persönliche Interpretation zu lassen!

Als ich die Abendschule besuchte um mein Abitur nachzuholen, wählte ich natürlich als eines der Nebenfächer Kunst. Nichts habe ich mehr bereuht als diese Entscheidung. Die Lehrerin die ich damals hatte war mehr als Unfähig. Nicht nur, dass sie einen unheimlich langweiligen und staubtrockenen theoretischen Teil präsentierte, sie war auch nicht in der Lage bei Bildern Individualität zuzulassen! Abgesehen davon bat sie ihre Schüler Kunst bitte nicht mit ins Abitur zu nehmen, da sie die notwendigen Dinge, die man für die Abiturprüfung brauchen würde, nicht unterrichten würde. Eine meiner Klassenkameradinnen tat es dennoch, da sie Kunst studieren gehen wollte. Sehr zum Verdruss dieser Lehrerin, die nichts besseres zu tun hatte, als das arme Mädchen vor der ganzen Klasse zu beschimpfen und ihr außerdem zu prognostizieren, dass sie jetzt aufgrund ihrer Wahl, das Abitur keinesfalls schaffen würde. Erst nachdem die Lehrerin eingesehen hatte, dass sie die Wahl des Mädchens nun nicht mehr würde ändern können, begann sie diese mit Fachliteratur zu unterstützen. Mehr Hilfe gab es dann aber auch nicht. Glücklicherweise war meine Klassenkameradin nicht nur schlau, sondern auch sehr fleissig und schaffte das Abitur trotz der Kunstprüfung.

Im Kunst unterricht habe ich häufig gefehlt. Eigentlich war dies immer schon mein Lieblingsfach. Neben Geschichte, versteht sich. Aber dieser Unterricht war dermaßen unter meinem Niveau und machte mich jedesmal so wütend, dass es mir schlauer erschien blau zu machen, als der Lehrerin eines schönen Tages an die Gurgel zu springen.

Normalerweise bin ich sehr höflich, wenn es um Respektpersonen geht. Selbst dann, wenn ich sie nicht mag. Aber bei dieser Frau sah ich jedesmal rot! Mehr als einmal konnte ich nicht an mich halten. Besonders dann, wenn sie mit falschen Informationen über Bilder, die wir analysieren sollten, glänzte oder auch ansonsten einfach nur blödsinn erzählte. Gerade im Bereich Kunstgeschichte konnte sie dies besonders gut! Wie kann man nur einen gotischen Bogen mit einem romanischen Bogen verwechseln?!

Ich glaube, im Grunde genommen, war meine damalige Lehrerin immer froh, wenn sie sah, dass ich nicht da war. Sie war nämlich die einzige Lehrkraft, die mir aufgrund meiner vielen Fehlstunden keine Note abzug gab. Aufgrund meiner Leistungen wäre ihr das sowieso nicht gelungen. Und man kann auch nicht sagen, dass ich die von ihr geforderten Arbeiten nicht erledigt hätte. Ehrlich gesagt: Ich habe meistens nicht nur mein Bild innerhalb der ersten Unterrichtsstunde fertig gemalt, sondern weitere Stunden dazu genutzt, den anderen Schülern unter die Arme zu greifen, sofern ich denn da war und darum gebeten wurde. Sobald ich ein Bild beendet hatte, sah ich keinen Grund mehr zu kommen. Zumindest was den praktischen Teil betraf. Wobei ich auch in der Theorie genug wusste, um nicht weiter am Unterricht teilzunehmen. Die Prüfungen im Fach Kunst langweilten mich beinahe noch mehr als der Unterricht. Und DAS obwohl ich ansonsten furchtbare angst vor Prüfungen habe.

Einmal geschah es, dass wir die praktische Aufgabe bekamen ein Fischbild zu malen. Es sollten mindestens ein Fisch und die Farbe blau verwendet werden. Das ganze sollte mit Ölkreide gemalt werden. Letzteres fand ich spannend. Wie gesagt, mir Farben hatte ich es nie so und Ölkreide hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht verwendet. Weil mir nur Fische zu langweilig waren und ich gerne eine Botschaft mit meinen Bildern sende, zeichnete ich eine Skizze, welche zwar die gewünschten Fische zeigten, jedoch außerdem eine Angel an der ein Schuh hing plus etwas Müll am Meeresboden.

Als ich meine Skizze der Lehrerin zeigte (sie wollte das so) starrte sie auf mein Bild, sah mich an und meinte: „Nein. Das geht nicht. Sie sollen nur Fische malen. Das da ist nicht künstlerisch!“

Mir klappte die Kinnlade nach unten. Einen Moment lang blieb die Zeit stehen, während ich mich fragte, ob ich wirklich gehört hatte, was ich gehört zu haben glaubte. Gleichzeitig hörte ich ein ZING. Das Geräusch, wenn einem der Geduldsfaden reißt. Ich holte tief Luft und wiederholte die Worte: „Nicht künstlerisch? NICHT KÜNSTLERISCH!?“ Das war’s. Ich entschloss mich dazu zu platzen. Ich beschloss, es sei Zeit einen Wutanfall zu bekommen. Egal was für Konsequenzen das auch haben mochte. Ich war bereit dieser Lehrerin zu erzählen, was nicht künstlerisch war!

Bevor ich die Gelegenheit hatte zu explodieren, wurde ich rechts und links von einem Jungen und zwei Mädels gepackt, mit denen ich zuvor nie mehr als ein paar Worte gewechselt hatte. Jemand tätschelte mir den Kopf. „Entschuldigen sie Frau Lehrerin, aber die Frau S. braucht ganz dringend einen Kaffee! Der Kreislauf!“ sagte eines der Mädels kurzerhand.

Ich war so irritiert, verblüfft und perplex, dass ich mich anstandslos aus dem Klassenraum schleifen ließ, während die Lehrerin dies ebenso anstandslos zu ließ, als sei dies das normalste der Welt. Rückblickend denke ich, sie hat gewusst, dass ihr die drei Schüler eine menge Ärger erspart haben. Ärger mit mir. Was mich betrifft, so bin ich durch das heroische eingreifen meiner Klassenkameraden mit einem blauen Auge davon gekommen.

Nachdem ich mich ca. eine Stunde lang, tatsächlich während eines Kaffees, über die Dreistigkeit der Lehrerin aufgeregt hatte, konnte ich die letzten 20 Minuten ohne Mordgedanken zurück in den Unterricht. Ich konnte meine Skizze zur Zufriedenheit der Lehrerin ausbessern und in der nächsten Stunde mein Bild malen und es in der darauffolgenden Stunde abgeben. Freilich mit Bestnote bestanden. Was wohl daran liegt, dass die Lehrerin nicht gemerkt hat, dass ich in den Blauschattierungen die Worte: „Alles ist Kunst, Kunst ist alles“ eingearbeitet hatte.

Mein blaues Fischbild hängt übrigens immer noch in meiner alten Schule. ÄTSCH!

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15 Gedanken zu “Alles ist Kunst, Kunst ist alles!

  1. Hach, wenn ich das so lese, da lobe ich mir meinen Lehrer aus dem Deutsch-LK, der uns hinsichtlich Textinterpretation damals wirklich vollkommen freie Hand gelassen hat. Wobei, auch das hatte Grenzen. Legendär war sein Satz zu einem Mitschüler angesichts dessen nun wirklich fragwürdiger Interpretation:

    „Ich weiß, ich habe Ihnen gesagt, Sie dürfen schreiben, was Sie wollen, Sie sollten es nur begründen können. Aber jetzt mal im Ernst, Herr XY, wie um alles in der Welt kommen Sie beim vorliegenden Text auf Kreuzzüge?“

    🙂

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    1. 😀 wenn der Lehrer das Fragen muss, dann war es ja offenkundig NICHT gut genug begründet bzw. erläutert! Nihihihi. Wir hatten eine ziemlich gute Deutsch-Lk-Lehrerin. Leider war diese des öfteren krank und wir hatten oft mit Vertretungen zu tun, die einfach nur zum Erbrechen gewesen sind ^^

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  2. Da könnte ich auch ‚was zu schreiben, wie ich damals vor gefühlten 500 Jahren Kunstleistungskurs auf dem Gym hatte, und die Lehrerin (Dozentin) fragte, warum ich denn Kunst gewählt hätte und ich Blödmann antworte ehrlich: Weil ich Physik verka**t habe. Seitdem kam ich nie wieder auf den grünen Zweig dort, obwohl ich seit meiner Kindheit gemalt, gezeichnet oder Kollagen erstellt habe.

    Ich hatte dann mal ein expressionisches Werk, dass zuerst am Brett prangte von guten des Jahrgangs und dann verschwunden war. Irgendwann, ich wohnte gar nicht mehr in dem Stadttei, da veranstaltete die Dozentin eine eigene Ausstellung und da protzte sie mit meinem Bild … Tja, lang‘, lang‘ ist’s her.

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    1. Die konnte mir keine schlechte Note geben. Immerhin 🙂 Es hat nur einfach keinen Spaß gemacht bei dieser Person am Unterricht teil zu nehmen 😦 Aber deine Geschichte ist ja wirklich der Hammer.

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      1. Ja, der verkannte Künstler, seitdem konnte ich mich nie wieder zur Kunst aufraffen; eine Staffelei fristet ihr Dasein auf dem Kleiderschrank. Seit der Zeit damals pflege ich die Kunst der Worte 😉

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  3. Las pe maine spanzuratoarea, intre timp am pregatit un desert -cadou pt.un Om tare drag mie! Praji Alba ca Zamrna.Avedturi-caepa taiata, refacuta,azi ii mai fac un rand de crema,cu cocos si dupa, chiar promit sa ma abtin.Oricum, ma va durea capul de la dictat desre carne, carne, carne, si scris ca in clasa 1.

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