Nicken und Lächeln!

Mein Mann und ich sind seit dem Jahre 2001 ein Paar. Bis 2003 führten wir eine Fernbeziehung. Uns trennten ca. 700 Kilometer.

Zu dieser Zeit bekam ich monatlich ein Taschengeld von ca. 250 Euro. Das war mein Kindergeld. Mehr bekam ich allerdings nicht. Meine Eltern vertraten die Meinung, wolle ich mehr Geld haben, dann müsse ich arbeiten gehen. Ich vertrat die Meinung: Wer Freizeit will, der kann nicht arbeiten. Immerhin musste ich weder Miete noch Essensgeld beisteuern und so kam ich eigentlich ganz gut mit meinem Geld zurecht. Das meiste ging sowieso für meinen Zigarettenkonsum drauf. Traurig aber wahr.

Nun hatte ich aber plötzlich einen Freund, der am Ende der Welt zu leben schien. Wir hielten uns zwar via Chat und Telefonaten über Wasser, aber ich muss sicherlich keinem erzählen, dass das auf lange Sicht nicht unbedingt befriedigend ist. Daher machten wir aus, dass wir uns zumindest einmal im Monat sehen wollten. Einen Monat besuchte er mich und den nächsten ich. So im Wechsel, sollte das Ganze doch gut hinhauen.

Für mich bedeutete das, gerade Finanziell gesehen, einen enormen Aufwand. Ich musste ja schließlich Geld für das Zugticket sparen. Und das kostete verdammt viel Geld. Um genau zu sein, war ich meistens nach dem Besuch im hohen Norden pleite.

Zug fahren war die bequemste Form des Reisens. Mit dem ICE war ich ca. 8 Stunden unterwegs. Dann gab es noch die Alternative des Wochenendtickets. Allerdings durfte man mit diesem nicht mit dem ICE fahren und musste auf den Regionalverkehr ausweichen. So wurden aus 8 Stunden fahrt kurzerhand 14-16 Stunden fahrt. Dazwischen mehrfaches umsteigen und Verspätungen. Das war sowas von anstrengend.

Eines Tages kam meine Mutter auf die grandiose Idee, dass es doch Fahrgemeinschaften geben würde und ich mich dahingehend einfach mal schlau machen sollte. Tat ich auch. Und stellte fest, dass man für nur 25 Euro in den Norden und wieder zurück kutschiert wurde. Ui! Na das war aber günstig!

Ich meldete mich also an und suchte eine Mitfahrgelegenheit in den Norden. Ich fand sie auch und kam sicher und heil bei meinem Mann an.

Die Rückfahrt stand unter einem anderen Stern. Ich kam zwar dennoch sicher zu Hause an, aber die Fahrt war …. seltsam.

Der Fahrer, ein Mann irgendwo in seinen 50ern war wirklich freundlich. Ich nenne ihn einfach mal Heinz-Hugo! Wir unterhielten uns während der Fahrt sehr gut. Eigentlich gab es kein Problem. Abgesehen von einer Sache: Ich verstand den Typ einfach nicht! Er sprach eine Mischung auf Kölsch und Eiflerplatt und es war mir einfach unmöglich irgendetwas von dem zu verstehen, was er zu mir sagte! In den 8 Stunden, so lange dauerte die Fahrt, erahnte ich ab und an nur ein paar Wörter die vage an etwas erinnerten, was ich meinte wieder zu erkennen.

Irgendwann verlegte ich mich einfach darauf brav zu nicken und zu lächeln und nebenbei zu hoffen, dass ich mich nicht gerade dazu bereit erklärte, mir ihm Sex auf der Rückbank zu haben! Wenn er eine Antwort von mir erwartete, druckste ich herum und gab sowas von mir, wie: „Oha! Na das ist ja was!“ von mir. Oder: „Ja, sowas ist schon ganz erstaunlich!“

Aus irgendeinem Grund war er damit sehr zufrieden. Am Ende der Fahrt strahlte mich der Mann an und forderte plötzlich noch mal 25 Euro von mir ein, die ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht mehr hatte. Wieso auch? Ich hatte ja schon vor Fahrantritt bezahlt. Peinlich berührt erklärte ich, dass ich gar kein Geld mehr hätte und zeigte ihm meine leere Geldbörse. Verwirrt versprach ich das Geld jedoch so bald wie möglich zu bezahlen.

Da ich aber einen Monat warten musste, bis ich wieder flüssig war, dauerte das mit dem Bezahlen natürlich eine kleine Weile. Um genau zu sein: Noch beinahe einen ganzen Monat. Zwischenzeitlich erreichte mich ein bitterböser Brief. Immerhin in Hochdeutsch, so dass ich es lesen konnte. Er kam von besagten Mann. Ich hatte mich wohl während des Nickens und Lächelns dazu bereit erklärt zusätzlich 25 Euro zu zahlen, um den Sprit auszugleichen, weil ein anderer, der mit uns mit hätte fahren sollen, eben nicht mitgefahren war.

Meine Mutter erklärte mich für doof und wieso ich denn da zugestimmt hätte. Egal was ich sagte, es machte die Sache nicht besser und meine Mutter weigerte sich, für mich die Schulden bei dem guten Mann zu begleichen. HRM! Recht hat sie. Irgendwie. Nicken und Lächeln ist halt nicht immer die beste Idee! Besonders wenn man Heinz-Hugo nicht versteht.  Obwohl Heinz-Hugo ja eigentlich um die Ecke wohnt.

Eines Tages rief der Mann bei uns zu Hause an. Meine Mutter ging ans Telefon. Ich sah sie irritiert am Telefon stehen, den Hörer am Ohr. Nicken und Lächeln und ab und ein: „Achso? Ja …“ von sich gebend. Nachdem sie ca. eine halbe Stunde später aufgelegt hatte, starrte sie mich einen Moment lang schweigend an, ehe sie plötzlich losging, ihre Tasche holte, ihre Geldbörse zückte, um mir schweigend 25 Euro in die Hand zu drücken.

Nun war ich es, die meine Mutter anstarrte. „Hä? Wieso das jetzt auf einmal?“, fragte ich.

„Das war Heinz-Hugo. Vielleicht hat er mir gerade eine Waschmaschine verkauft … ich weiß es nicht. Ich habe nämlich kein Wort verstanden! Bevor er noch mal anruft und mir ein Haus aufschwatzt, sieh zu, dass du den Mann bezahlst!“

Ab da bin ich übrigens lieber wieder Zug gefahren. Erschien mir auf Dauer gesehen zwar teurer, aber immerhin auch irgendwie sicherer.

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