Dialektische Logik?

Noch ein paar kurze Gedanken zum Thema Dialekt:

  • Dialekt leitet sich aus dem Griechischen ab (keine große Überraschung) und bedeutet in etwa „anders reden“. Kinder reden tatsächlich anders als Erwachsene, weil sie die Sprache noch nicht so beherrschen, viele Sachverhalte noch nicht kennen und daher eigene, interessante Theorien entwickeln. Und sie reden anders, weil sie anderes nennenswert und lustig finden als Ältere. Manchmal hört man in der kindlichen Rede aber sich selbst wörtlich heraus und das ist dann oft erschreckend.

 

  • Bei Dreijährigen trifft man bereits auf verschiedene Mundarten. Da Dreijährige ohnedies meist nicht auf den Mund gefallen sind, stellt sich auch bald die dialektischen Triade ein. Tatsächlich stellen die Eltern sehr oft die Antithese zu den kindlichen Thesen dar und bis zur Synthese bedarf es vieler kleiner Dramen, Erklärungsversuche, Tröstungen und ähnliches.

 

  • Dialektologie ist der Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit Dialekten beschäftigt. Dialektik beschäftigt sich mit der Kunst der Gesprächsführung, die im Falle von vorherrschenden unterschiedlichen Dialekten  im Gespräch wahrlich zum Kunststück werden kann: „Moch an Schuach!“ – „Aber ich bin doch kein Schuster!“ – „Bist du wo ogrennt?“ – „Aber Sie haben doch selbst gesehen, dass ich hier die ganze Zeit still neben Ihnen gestanden habe!“ – „Jo, stü gstondn, genau. Of mene Zechn, du Nudlaug!“ – „Tut mir leid, das letzte habe ich jetzt wirklich nicht verstanden. Eine Zeche bei Ihnen? Lauge? Was?!

 

  • In meinen Breiten und Längengraden neigen die Leute dazu, ein -er am Ende als -a zu sprechen oder zu verkürzen. Aus „Männer“ wird „Männa“, aus „Häuser“ die „Häusa“. Meine größere Tochter E durchschaute dieses Schema auch mit 3 Jahren und bemühte sich daraufhin um korrekte Aussprache, den Namen ihrer kleinen Schwester mit inbegriffen. Angenommen die Kleine hieße Bettina. Mehrmals täglich hörte man E dann rufen: „Betineeeeer!“

 

  • Ich selbst habe dieses „falsche a“ am Ende eines Wortes auch irgendwann durchschaut und bei einem Diktat dann stolz statt „an der Kassa“ „an der Kasser“ geschrieben (in der Meinung, die Lehrerin durchschaut zu haben, die uns mit ihrer falschen Aussprache nur in die Irre hatte führen wollen). Ich war damals mindestens 6. Wenn meine kleine Tochter das ganze schon mit 3 durchschaute, also nur halb so alt war wie ich bei der Erkenntnis, ist sie dann vielleicht doppelt so schlau oder nur neunmalklug? Und von wem könnte sie das denn nur haben oder hamm, wie mir sogn daratn (wir sagen würden)?

Alles glasklar, wie ein Fenster bei Regen.

 

 

 

 

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