Und dann kam…Niemand!

Ich muss mich mal sprachlich auskotzen. Ich weiß nicht, ob man alle Leute über einen Kamm scheren kann und sollte – nein, ich will an das Gute im Menschen glauben – aber Zuverlässigkeit scheint bei einigen heutzutage nicht sehr hoch im Kurs zu stehen.

Ich miste aus. Ich schmeisse weg. Ich verschenke und ich verkaufe. Einige Dinge stelle ich in den FB Ortsgruppen Free your stuff ein, einige bei Eba* Kleinanzeigen. So auch gestern und heute.

Ich verschenke ein Nachtschränkchen. Es kamen auch sofort 2 Meldungen. Meist handele ich nach dem Prinzip „First come. First save“. So auch diesmal. Ein Student möchte den Nachttisch haben. Ich gebe ihm meine Handynummer. Wir telefonieren. Ich verabrede mich für heute 17 Uhr mit ihm. Nenne ihm die Adresse. Wer nicht kommt, ist jener Bub. Keine Absage, keine Mail, keine SMS. Nada. Ich schreibe ihn um 17.30 Uhr an, ob er unterwegs sei. Bis jetzt keine Meldung (18.30 Uhr).

Faxen dicke. Ich kontaktiere die zweite Person und biete ihr den Nachtschrank an. Sie will morgen kommen. Hoffentlich ist sie zuverlässiger.

Situation 2. Ich verschenke mein Doppelbett. Massives Holz + Nachttisch. Über die Kleinanzeigen. Es kommen 4 oder 5 Anfragen. First come, first save. Man sichert mir zu, zu jeder Zeit abholen kommen zu können. Heute 17 Uhr. Ja, geht.

Ihr ahnt richtig. Wer nicht kommt, ist der Interessent. Keine Absage. Gleiches Spiel wie oben. „Sind sie unterwegs?“. Keine Meldung. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens gebe ich das Bett weiter. Dann soeben die Mail: Ich habs vergessen. Kann ich dann morgen kommen?

Nein. Zu spät. Ist jetzt für jemand anderen reserviert. Meine Sachen, meine Regeln. Obwohl ich da auch schon wieder an den Rand meiner Großzügigkeit komme. Erst ist Interesse da, dann wird nochmal explizit nachgefragt, ob das Bett auch in Ordnung ist. Dann werden nochmal Bilder zusätzlich gewünscht. Dann die Frage: Ist das Bett schon abgebaut? Nein, ist es nicht. Steht auch so in der Anzeige. Selbstabbau. Werkzeug ist mitzubringen! Mal sehen, ob es morgen geholt wird.

17 Uhr scheint keine gute Uhrzeit zu sein….

Ja, Geduld ist nicht meine große Stärke, aber ich erwarte einfach, dass man Termine einhält und/oder wenigstens absagt, wenn es deutlich (30 min) später wird oder etwas dazwischen kommt. Ich kann mit meinen Kunden auch nicht so umgehen.

Situation 3. Balkonmöbel. Eingestellt zum Verkauf. Eine junge Dame interessiert sich. Schreibt sehr nett und höflich. Mit Hallo am Anfang, mit ganzen Sätzen, mit vielen Grüßen und ihrem Namen. Eigentlich bescheuert, dass man das erwähnen muss, denn leider ist das die absolute Ausnahme. Die meisten Mails sind eher im Stil Noch da? oder Nehme ich.

Gleiches Prozedere. Für 18 Uhr verabredet zum Anschauen. 17.55 Uhr klingelt es. Sie steht mit ihrem Vater vor der Tür. Sie schauen sich die Möbel an, befinden sie für gut, verhandeln den Preis (und ich gebe ihnen gerne Rabatt, da sie pünktlich, zuverlässig, freundlich sind) und machen aus, dass sie in 20 min mit einem großen Auto wiederkommen, da der Tisch nicht in den PKW passt.

18 min später klingelt es. Ich bekomme als erstes mein Geld in die Hand gedrückt, dann werden die Möbel verladen. Danke. So würde ich mir das immer wünschen.

 

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9 Gedanken zu “Und dann kam…Niemand!

  1. Ähnliche Erfahrungen habe ich leider auch schon gemacht. Bis hin zu der Frage zwei Tage später, ob ich das zu Verschenkende denn nicht vielleicht zu genehmer Zeit vorbeibringen könne, und warum ich mich so anstelle.
    Es hat aber auch schon gut geklappt.

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      1. Überhaupt bei Verabredungen und Terminen merke ich das häufiger. Zusagen sind generell eher unverbindlich und eine Festlegung wird vermieden „wir telefonieren“. Zu Zeiten als man sich um 18:00 an einem festen Ort verabredet hat, hat man sich noch wirklich Mühe gegeben dort zu sein, und es wurde auch nicht ewig gewartet. Heute kann man anrufen und sagen, dass man später kommt, die anderen können einem per Whatsapp mitteilen, in welcher Kneipe sie sind. Das ist wahnsinnig prakktisch, verleitet aber dazu sich so spät wie möglich festzulegen, und führt zu einem irrsinnigen Kommunikationsaufwand und verleitet auch dazu, sich nicht so anzustrengen, Termine einzuhalten.

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  2. Wahrscheinlich ist der Hintergrundsgedanke bei den Liederlichen: Bei verschenkten Sachen ist Verlass auch geschenkt. Wenn es etwas billiger gibt, dann ist der Ansturm riesig, dann nächtigen sie vor Deiner Haustüre, aber wirklich GRATIS, da ist es egal.

    Als ich gestern abend mit den Hunden reinkam lag da so ein Werbeblatt auf der Erde, wo in riesigen Lettern GRATIS prangte und ein Bild einer neuen Küche. Ich sinnierte dann, welchen Wortsinn heutzutage GRATIS. Man liest im Newsletter, jetzt GRATIS-Exemplar anfordern für nur 18,50 €. Jetzt hier auf irgendeiner Webseite einloggen, das Login, natürlich GRATIS. Ja natürlich, wenn ich meinen Telefon-Hörer abhebe brauche ich auch nichts bezahlen. GRATIS, GRATIS überall für nur soundsoviel Euro, fast geschenkt. GRATIS bedeutet heute fast geschenkt, und nur 18,50 waren früher auch schon 40 Euro. Bei diesem Werteverfall verfallen natürlich auch die guten Grundsätze. Ärgerlich für die Generation 55-geboren, wie ich, wo es noch Prügelstrafe in der Schule gab, was heute gar nicht mehr auszudenken die Leute fähig sind.

    Und um den Bogen zum Thema zurückzubekommen: Es kam, wie es kommen musste: Mit einer freien und offenen Gesellschaft wurden die Leute frei von Verantwortung und Verlässlichkeit. Und mein Tipp an Ventilierpartikel 🙂 Nicht mehr verschenken, sondern GRATIS abgeben hahahaha – Werkzeug wird GRATIS gestellt FÜR NUR 4.99 €

    Was meinste, wie sich die Leute Deine Tür aus der Hand reissen.

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