Und dann kam das Grauen!

Es ist (oder sollte) mittlerweile hinreichend bekannt sein das ich kein Mensch der Ordnung bin. Selbst unter größter Kraftanstrengung gelingt es mir kaum Ordnung zu halten und meine persönlichen Wohnbereiche (meine Schlafzimmerseite, mein Kleiderschrank und mein Büro nämlich) sind pures Chaos wahlweise auch einfach nur ein heilloses Durcheinander. Dieses Chaos würde sich sicherlich Grenzenlos auch auf alle anderen Räumlichkeiten im Haus ausbreiten, würde mein Mann nicht regelmässig dafür sorgen, dass ich meinen Krempel wieder dahin räume, wo ich ihn gefunden habe.

Dank meiner Fähigkeit Schmutz und Dreck in Perfektion zu ignorieren und aufgrund meiner mit Putzen in Verbindung stehenden Faulheit, bin ich auch kein Freund des Saubermachens. Nicht, dass man nun einen falschen Eindruck von mir bekommt. Ich liebe saubere Räumlichkeiten. Ich liebe saubere Gegenstände. Ich fühle mich in einer sauberen Umgebung puddelwohl! Nur … muss das jemand anderes tun, weil ich einfach nicht in der Lage bin es sauber zu halten. Meistens habe ich dahingehend die anstrengende Haltung eines pubertierenden Teenagers, welcher mit einer Nullbockhaltung den Blick träge über das, größten Teils von ihm selbst angerichtete, Chaos und den damit einhergehenden Dreck schweifen lässt und sich weigert aufzuräumen.

Wäre nicht mein Mann (ein ausgemachter Saubermann), der in aller Regelmässigkeit zum Hausputz aufrufen und diesen dann, unter Androhung diverser Strafen (z.B. kein Eis mehr für die Tally, keine Playstation mehr für die Tally und kein Besuch von der Heroldin des Bösens für die Tally) drohen würde, würde ich sehr wahrscheinlich in einem ausgemachten Saustall hausen. Dieser würde mir zwar nach einer Weile gehörig auf den Sack gehen, jedoch wäre ich aufgrund der bis dahin angesammelten Menge an Unrat, Dreck, Staub und Schmutzwäsche dermaßen überfordert, dass ich mir wahrscheinlich eher eine neue Wohnung suchen würde, als mal ordentlich durchzuputzen.

Da wir Hunde haben, zwei um genau zu sein, ist es bei uns sowieso und egal wie sehr wir uns bemühen, nie ganz Keimfrei. Nach dem Staubsaugen dauert es meistens nicht lange und der Boden ist erneut von einer filigranen Schicht aus Hundehaaren bedeckt. Diese Schicht klebt dann natürlich zwangsläufig irgendwann auch an unserem Sohn. Gute Hausfrauen und Hausmänner werden jetzt vielleicht anmerken, dass es definitiv Mittel und Wege gibt, auch mit Haustieren einen klinischen und absolut Haar freien Haushalt zu führen. Aber bitte … spart Euch den Atem. Mein Mann wäre gewiss redlich bemüht sämtliche Tricks und Tips in unseren Familienalltag zu intigrieren , um die wenige Freizeit die er hat, dann mit Putzen zu verschwenden und ich wäre maßlos gestresst, überfordert und nur noch damit beschäftigt mich gegen zu viel Hauspflege zur Wehr zu setzen und entsprechende Versuche meines Mannes zu boykottieren. Durchaus mit dem Argument, dass er sich noch kaputt putzt, wenn er so weiter macht!

Derzeit sind mein Mann und ich aber beide etwas Putzfaul, was sich definitiv negativ auf die Sauberkeit unseres trauten Heimes auswirkt. Wahrscheinlich liegt es am Wetter. Es ist zu heiß um zu putzen. Die Woche war anstrengend. Eigentlich hatten wir uns Freitag vorgenommen alles in Ordnung zu bringen, taten es aber nicht. Und heute nach dem Einkauf war klar, wir würden es wohl doch auf morgen, Sonntag schieben.

Und dann kam das Grauen!

Es kam und änderte alles.

Ich saß gerade im Wohnzimmer auf den Boden und stapelte Duplo-Steine für meinen Sohn. Mein Sohn, eine Weile durchaus an meinem Tun interessiert und vor allem damit beschäftigt die Duplo-Steine, die ich gerade mühsam zusammen gesteckt hatte, wieder abzureißen, entschloss sich schließlich dazu lieber woanders hin zu krabbeln. Als er nach wenigen Minütchen zu mir zurückkehrte strahlte er mich an und bewegte selig grinsend seinen Mund in absolut eindeutigen Kaubewegungen hin und her.

„Boah! Er hat schon wieder irgendwas in seinen Mund gesteckt!“, murrte ich und neigte mich vor, um meinen Finger in den Mund meines Kindes zu schieben und dort suchend herum zu wühlen. Zu meiner Überraschung presste mein Sohn angestrengt die Lippen aufeinander und war absolut nicht bereit den Mund aufzumachen und mich herausfischen zu lassen, was auch immer er da wieder gefunden hatte. Ich nahm an, dass es sich wahrscheinlich um Brotkrümel vom Frühstück oder Papier handelte. Vielleicht auch ein Stück von einem Taschentuch.

„Mensch. Der lässt mich nicht ran!“, schimpfte ich und mein Mann, der derweil an seinem Rechner saß warf mir einen mitleidigen Blick zu.

Schließlich berührten meine Finger etwas rundes. Ich tastete nach, bekam es aber nicht zu fassen und mein Sohn, der seinen Schatz eindeutig behalten wollte, war keine große Hilfe. Ich erschrak allerdings ein wenig. Was war denn so rund? Eine Murmel!? Eine Murmel zu verschlucken war sicherlich nicht gut. Ich verdoppelte meine Anstrengungen und es gelang mir endlich den Gegenstand aus dem Mund meines Kindes zu holen. Mit einem triumphalen Ausruf hielt ich ihn hoch und warf dann einen Blick darauf, um zu sehen, was mein Sohn da wieder gefunden hatte.

Kurz darauf machte ich dem Bilder „Der Schrei“ alle Ehre und schrie von haltlosem Grauen ergriffen, die Wohnung zusammen.

Es handelte sich um eine fette, mit Blut vollgesogene Zecke! Meine Zehennägel rollten sich ein, meine Lippen brannten in Vorbereitung auf einen Herpes des Ekels. Ich schleuderte die Zecke zu Boden, mein Mann sprang irritiert vom Stuhl.

„Eine ZECKE! Er hatte eine ZECKE im Mund! Eine ZECKE!“ kreischte ich.

Mein Mann rannte zu unseren Sohn, packte ihn und rief: „Ich muss ihm den Mund auswaschen! Wir müssen ins Krankenhaus! Oh Gott!“ und rannte in das Badezimmer.

Ich nahm derweil mit großem Widerwillen die Zecke unter die Lupe. Fett, eklig, Kopf und Füßchen. Träge und ein wenig schleimig, weil halt von Babyspeichel durchtränkt, machte sie sich auf den Weg das Weite zu suchen. Ich tötete sie. Gnadenlos.

Ins Krankenhaus sind wir nicht gefahren. Recherchen ergaben tröstlich, dass Zecken ihre gefährlichen Krankheiten nur durch Bisse übertragen, aber nicht, wenn sie selber gebissen werden. Theoretisch (und ich bin sehr dankbar, dass es nicht so war und möchte nach diesem Beitrag auch möglichst niemals mehr über die Möglichkeit nachdenken müssen) hätte unser Sohn sie auch zerkauen und essen können und es wäre nix passiert. (Gut zu wissen, wirklich *würg*)

Im weiteren Verlauf des Nachmittages räumten mein Mann und ich äußerst friedlich und sehr einvernehmlich (sehr selten) das Wohnzimmer komplett auf, staubsaugten bis in die letzten Ritzen und dampften schlussendlich noch den Boden ab. Morgen kommt der Rest der Wohnung dran und ich schwöre … hoch und heilig, von heute an, werde ich JEDEN TAG einmal durch die komplette Wohnung saugen! Egal wie heiß es ist oder wie faul und müde ich mich auch fühle! Und damit ich meinen Schwur auch nicht vergesse, klebe ich mir jetzt das Bild einer Zecke an den Pc!

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Und dann kam das Grauen!

  1. Hat dies auf Mama – aber anders rebloggt und kommentierte:

    Maßloses Grauen! Grenzenloses Entsetzen! Die Widerlichkeit in Reinkultur! Definitiv nur für starke Nerven! Und obgleich ich viele Worte gemacht habe, gibt es doch keine, welche den Ekel beschreiben könnten, den ich heute empfand! …. will jemand Popcorn?

    Gefällt mir

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