Durchgedacht: Vor-hin-nach-her

„Donner und Blitz!“ Ist ein Aufruf des verärgerten Erstaunens, mitunter eine Verwünschung und kommt abgewandelt als „Donner und Doria!“ vor. Doria wäre ein schöner Name für einen Blitz, nicht wahr? Wahr ist, dass es eine genuesische Adelsfamilie dieses Namens gab, die den Protagonisten in Schillers „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ vorschwebte. Blitze schweben nicht. Sie zucken, sind ziemlich  geladen und heiß.

Heißen kann man Leute übrigens vieles. Vieles läuft dann nach dem Schema F ab. F wie Frechheit und zugleich das Ursache-Wirkungs-Prinzip. Heiße einen anderen einen Esel und er wird dich eine blöde Kuh nennen. Ursache-Wirkung, Ochs und Esel. Was aber wäre, wenn die Wirkung vor der Ursache käme? Der Rausch vor dem Genuß und der Kater vor dem Rausch? Gut, Katzen sind sowieso überall, wo auch immer sie sein wollen. Wolle dagegen findet man erst auf dem Schaf, dann auf der Stricknadel. Aber ich schweife ab.

Ab und zu ist ja wirklich nichts so, wie es sein soll. Was, wenn es immer so wäre? Wären wir in einer Nachher-und-vorher-vertauscht,-alles-ist-irgendwie-verkehrt-herum-Welt, sähe das vielleicht so aus:

Sie saß beim Schreibtisch und sah aus dem Fenster. Draußen war finsterster Sonnenschein und kein Wölkchen zu sehen. Es donnerte mächtig, dann sauste ein Blitz aus heiterem Boden in den Himmel und überall in ihrer Wohnung schalteten sich die Elektrogeräte ein. „Ein Stromeinfall, na super!“ dachte sie und beugte sich wieder über das Stück Papier, das sie vor sich liegen hatte. Während der Mixer ins Leere rührte, die Waschmaschine zu schleudern begann und der Fernsehapparat die dümmsten Formate in den Raum hineinsendete, versuchte sie konzentriert weiter zu schreiben. Die Worte verschwanden Schlinge für Schlinge und Strich für Strich, aufgesaugt von der Füllfeder. Endlich hatte sie den Brief fertig. Sie faltete das leere Blatt Papier,  zog die Briefmarke vom Kuvert und stand auf. Ihre Freundin würde sich freuen, keine Nachricht zu bekommen.

Oder so:

Er saß benommen am Boden und sah das runde Leder geradewegs auf sich zufliegen. Mit einem donnernden Geräusch wurde er genau in der Magengegend getroffen. Lachend stand er auf und passte den Handball zu seinem Freund zurück. Seine Mannschaft hatte wieder einmal verloren, da erklang schon der Anpfiff des Schiedsrichters. Das Spiel konnte beginnen.

Verwirrend wäre es auf jeden Fall, wenn die Wirkung VOR der Ursache käme. Kämme dienen im Allgemeinen dazu, alles darüber zu scheren. Die G’scherten wohnen übrigens angeblich alle außerhalb von Wien, außer sie fragen einen Nicht-Wiener anderswo. Woanders ist es auf jeden Fall immer leichter den Ursprung des Übels zu vermuten, und manch einem macht es scheinbar auch nichts aus, Zusammenhänge zu ignorieren oder Kausalketten gedanklich einfach durchzuschneiden. Zum Schneiden ist die Luft an schwülen Tagen wie diesen. Deshalb lasse ich den Gedankenwirrwarr für heute sein. Die Luft ist raus, das prall aufgeblasene Planschbecken wartet. Donner und Blitz hoffentlich auch, denn jetzt wollen wir uns erst einmal im kühlen Nass abkühlen!

 

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Ein Gedanke zu “Durchgedacht: Vor-hin-nach-her

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