Pizza für Sven Rotbaum

Auf der einen Seite ärgerte sich Sven, daß er nun Babysitter für die Tochter irgendeines Bekannten von Mark spielen durfte. Warscheinlich irgend ein einflußreicher Ehemaliger aus seiner Studentenverbindung, der seiner verwöhnten Tochter mit dem goldenen Löffel im Mund zu einem gut dotierten Job verhelfen wollte. Auf der anderen Seite hätte sie wirklich häßlicher sein können. Bis jetzt hatte sie noch nicht viel von sich gegeben, war nicht aufdringlich oder so besserwisserisch wie die letzte Praktikantin, die er 14 Tage lang an der Backe hatte. Das war ein Albtraum.

Er setzte sich wieder an den PC und wollte sich gerade wieder an seine Recherche machen, als sich Inger einen Stuhl heranzog und neben ihn setzte.

„Woran arbeitest du denn gerade?“ fragte Inger und warf einen neugierigen Blick auf den Bildschirm. Sven riß sich zusammen und begnügte sich sein Missfallen mit einer hochgezogenen Augenbraue zum Ausdruck zu bringen während er schnell das Browserfenster wegklickte.

„Das, meine Liebe geht dich erst mal garnichts an. Aber wenn du mir helfen willst könntst du ja etwas zum Mittagessen besorgen.“

Inger brachte ihr Missfallen mit einem verächtlichen Schnauben zum Ausdruck und verschränkte die Arme um ihrem herausfordernden Blick noch ein wenig mehr Nachdruck zu verleihen.

„Sven! Du glaubst doch nicht wirklich, daß Du mich die nächsten Wochen zum Essenholen schicken und Botengänge erledigen lassen wirst. Entweder wir arbeiten zusammen oder ich lege auf eigene Faust los. Mir ist es egal. Aber was wird Ihr Chef wohl sagen, wenn ich morgen einen Reißer daher bringe und du nichts davon weißt?“

„Habst du  schon was in der Pipe? Oder ist das nur so ein Schuß ins Blaue?“ versuchte Sven seine Überraschung zu überspielen. Ein Schmunzeln konnte er allerdings nicht verdrücken. „Allerdings habe ich wirklich so langsam Hunger. Ich hatte noch nichts zum Frühstück. Vielleicht wärst du  einfach mal so nett. Im Augenblick ist eh nichts los in der Stadt. Ich bin noch auf der Suche… Bitte!“ und mit treuem Hundeblick entlockte er nun auch ihr ein Schmunzeln. Sie machte ein wenig beleidigt auf dem Absatz kehrt und wollte sich auf den Weg zum Lift machen als dieser sich öffnete und ein Pizzabote ins Büro trat und nach Sven fragte. Verwundert drehte Inger sich um und fragte spöttisch:

„Pizza zum Frühstück. Na mein Geschmack wäre das jetzt nicht gerade!“ Sie nahm dem Boten die Schachtel ab und bezahlte mit angemessenem Trinkgeld die Rechnung. Dann brachte sie die lauwarme Pizza an Svens Schreibtisch und sah ihm spöttisch zu wie er den Deckel hob.

„Sardellenpizza! Mann da habe ich aber was anderes bestellt. Ingar darüber müssen wir noch mal reden.“ Angewiedert ließ er den Deckel wieder fallen doch noch ehe er die Schachtel wieder ganz geschlossen hatte, wurde er von Ingar auch schon wieder geöffnet. Verwundert sah Sven zu wie sie ein Stück Pizza aus der Schachtel nahm.

„Nad duschreckst ja wohl vor nichts zurück. Aber wenns dir schmeckt. Bedien dich ruhig. Bitte schön.“ Doch zu Svens großer Verwunderung landete die Pizza nicht in Ingers Mund sondern im Mülleimer. Sie hielt ihre Augen auf eine Ecke der Schachtel gerichtet und war gerade dabei einen Zettel unter der Pizza hervorzufischen als Svens Sinne wieder erwachten und er sich schnell den Zettel schnappte.

 

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9 Gedanken zu “Pizza für Sven Rotbaum

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