Der frühe Vogel ist müde!

Als ich noch jung war (also sagen wir mal so von 4-25 Jahren) und als ausgemachte Nachteule war das Morgengrauen ein Zeichen dafür, das es allmählich Zeit wäre mal in mein Bett zu gehen. Im Laufe der Jahre und mit dem damit einhergehenden körperlichen Verfall (der ja bekanntermaßen mit 25 eingeläutet wird) wurde das Morgengrauen der Zeitpunkt an dem mein (verfluchter) Wecker klingelte. Sonnenaufgang und das untrügliche Gefühl, das es eigentlich noch mitten in der Nacht ist und ein Tag niemals so früh beginnen sollte, waren mein stetiger Begleiter. Ein wahres Grauen. Vor allem deshalb, weil ich zum Morgengrauen hin meistens nie mehr als 2-3 Stunden geschlafen hatte. Mein persönlicher Dank gilt vornehmlich der hartnäckigen Schlaflosigkeit, die dafür sorgte, das ich oft nicht vor 3 Uhr einschlafen konnte. Natürlich habe ich durch diverse Hobbys wie z.B. ausschweifendes PC-Gaming und spätabendlichen Kaffeekonsum ebenfalls tatkräftig dabei mitgeholfen, bloss niemals zu früh in den Schlaf zu finden.

Seit der Geburt meines Sohnes gehört das Nachteulenleben allerdings der Vergangenheit an. Spätestens um 22 Uhr fallen mir für gewöhnlich die Augen zu. Da hilft auch der stärkste Kaffee nicht mehr. Aufgrund des Schichtdienstes meines Mannes halte ich mich aber so ziemlich jede zweite Woche gern bis 0 Uhr wach, um noch etwas Zeit mit meinem Mann verbringen zu können. Auch wenn diese Zeit hauptsächlich auf dem Sofa und vor irgendeiner Netflixserie verbracht wird, bei der wir beide sehr einvernehmlich einschlafen.

Egal wann ich in mein Bett falle, meine Nacht dauert meistens kaum länger als bis 4 oder 5 Uhr morgens.

In den letzten 11 Monaten bin ich eigentlich jeden Tag im Morgengrauen aufgestanden. Wer jetzt aber glaubt, ich sei von der Nachteule ins Lager der Lerchen übergewechselt, der irrt sich gewaltig!

Ohne Zweifel ist das Morgengrauen ein schöner Anblick. Das Grau der Nacht wird allmählich von der sich heranschleichenden Sonne vertrieben. Die Sonne selbst, welche als glühender Ball allmählich über den Horzont kriecht und den Himmel in unterschiedlichsten Farben tränkt. Blau, Violett, Grün, Rot, Orange, Gelb, Türkies. Alles dabei.

Aber mal ehrlich … Nachteule bleibt Nachteule. Ich hätte sicherlich viel mehr Freude an diesem Naturschauspiel, wenn es einige Stunden später stattfinden würde. Wenn ich ausgeschlafen hätte z.B. Oder wenn ich einen Punkt erreicht hätte, an dem es mir gelingen würde die Augen aufzuhalten und nicht etwa um 4 oder 5 Uhr morgens, wenn ich einmal mehr von meinem Sohn aus dem Bett gequarkt wurde, welcher darauf besteht jetzt wach zu sein und sein Frühstück haben zu wollen!

Tatsächlich blinzele ich mich meistens eher halb blind durch die Küche. Stoße mich an diversen Dingen, wie z.B. Tisch und Stuhlbeine, stolpere über Kinderspielzeug oder einen im Weg herumliegenden Hund, haue mir den Kopf an einer Schranktür an und verbrenne mich am heißen Wasser für die Milchflasche. Schaffe es dann irgendwie mit einem wohl temperarierten Fläschchen zurück ins Schlafzimmer, wo ich mir irgendwie meinen Sohn aus dem Bettchen angele, ohne ihn oder die Flasche dabei fallen zu lassen (allerdings nicht, ohne mir noch mal schnell den Zeh am Bett oder am Wäschekorb zu stauchen.)

Nix mit Lerche! Seit 11 Monaten warte ich darauf, dass ich mich daran gewöhne so früh aus dem Bett zu müssen. Aber nix ist. Ich verbringe zudem wesentlich mehr Zeit damit meine farbenfrohen und äußerst blauen Flecken zu betrachten, als den Sonnenaufgang zu bewundern. Früh aufstehen ist und bleibt mein persönliches Grauen und ich werde mit Sicherheit nie verstehen, wie es Menschen schaffen mit den ersten Sonnenstrahlen nicht nur voller Tatendrang aus dem Bett zu hüpfen, sondern sich auch noch darüber zu freuen!

Früher pflegte meine Pellkartoffel-Oma mich gern mit den Worten zu wecken: „Nur der frühe Vogel fängt den Wurm!“ Daraufhin wurden die Fenster aufgerissen damit die frische eiskalte Luft in mein schönes warmes Zimmer hereinziehen konnte. Meine warme Decke verschwand und während ich mich wie ein Igel zitternd und bibbernd zusammen rollte, hörte ich meine Pellkartoffel-Oma wohlig seufzen: „Hach! Schau dir nur den Himmel an! Gibt es etwas schönes als im Morgengrauen aufzustehen und den Tag zu beginnen?“

JA, VERDAMMT NOCH MAL! Schlafen nämlich! Der frühe Vogel ist nämlich ziemlich müde! Und von Würmern wird man garantiert fett!

Hat meine Pellkartoffel-Oma nie interessiert. Meinen Sohn interessiert das übrigens auch nicht …

 

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8 Gedanken zu “Der frühe Vogel ist müde!

  1. Ich wiederum versteh die Eulen nicht. Denn ich bin eindeutig eine Lerche. Früh morgens raus und je später der Tag desto weniger Lust und Elan etwas zu tun. Da kann es abends noch so lustig und interessant sein, ich geh ins Bett, für mindestens 8 Stunden. Unter dem bin ich zu nichts zu gebrauchen, zumindest auf Dauer nicht. Eulen bleiben mir ein Rätsel. So sind halt die Gene, dagegen kommt man nicht an.

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