Bis zum Morgengrauen

„Na der ist ja wohl eindeutig an mich adressiert. Deutlicher geht’s ja wohl nicht. Soviel Privatsphäre wirst du mir doch wohl noch einräumen junge Dame!“ söpttelte Sven und warf einen Blick so auf das Stück Papier. Es war von Fett durchtränkt und die Schrift war eher zu erahnen als wirklich zu lesen.

„Das da könnte 14.00 Uhr bedeuten.“ meinte Ingar, Sven über die Schulter blickend.

„Also ehrlich! Jetzt wird’s mir doch zu bunt.“ Er drehte sich zu der Blondine um und blickte sie vorwurfsvoll an, stehts darauf bedacht ihr den Blick auf den Zettel zu verwehren. „Das ist für mich… Vielleicht ist das eine Einladung zu einem intimen Mittagessen… von einer meiner vielen Verehrerinnen… oder so! Darf ich bitte einen Moment ungestört einen Blick auf meinen Liebesbrief werfen?“

Brav trat Ingar einige Schritte zurück, nahm sich ihren Stuhl wieder und warf sich in spöttische Pose mit verschränkten Armen. „Das glaubst du doch selbst nicht. Welche Verehrerin verabredet sich denn zum Essen in 4 Stunden indem sie dir das Mittagessen schon voraus schickt? Und dann noch auf so altmodische Weiße? Im Zeitalter von Internet und Whatsapp? Ich bin zwar blond aber nicht blöd Sven! Aber gut. Wenn du wissen willst was das erste da heißen soll … Ich sitze hier drüben und suche mal auf dem Stadtplan wie wir da am besten hinkommen.“

Eins mußte Sven ihr wirklich lassen. Sie war nicht dumm. Wie hatte sie nur so schnell erkennen können was dieses Gekritzel heißt? Er drehte sich um und bemühte sich weiter zu entziffern was da so offensichtlich zu stehen schien. Wenn er noch länger brauchte würde es peinlich werden. Es gab nur einen Ausweg. Er stand auf und ging in Richtung Toiletten. Ingar blickte auf und rief ihm neugierig hinterher: „Na schon draufgekommen?“

„Nee ich muß erstmal wo hin.“ Auch ohne hin zu sehen konnte er ihr hämisches Grinsen im Nacken spühren. Natürlich wußte sie genau, daß er noch immer nicht wußte was da stand. Auf der Toilette drehte und wendete er das Papier doch wirklich entziffern konnte er die Botschaft nicht. Die Buchstaben waren irgendwie durcheinander mal verkehrt mal richtig und alle zusammen ordentlich verwischt. Wie konnte dieses Miststück das nur so schnell erkennen? Es ließ ihm keine Ruhe. Sollte es tatsächlich nötig werden Ingar nach der Lösung zu fragen. Wenn er nicht bald drauf käme könnte er noch bis zum Morgengrauen rätseln.

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