Der lange Weg zum Brot

Ich persönlich liebe Abkürzungen. Und zwar Abkürzungen jeder Art.

Beim Spazieren gehen. Beim Autofahren. Umso schneller ich am Ziel ankomme desto besser ist es. Ausgedehntes Laufen ist ja schon sowas wie Sport und Sport mag ich ungefähr so gerne, wie ich es liebe aufzuräumen. Also gar nicht. Und beim Fahren ist es doch toll, wenn man viel schneller als geplant dort ankommt, wo man hin wollte. Zeit und Sprit gespart und somit Geld. Super Sache!

Auch bei Spielen am PC nehme ich gerne Abkürzungen. Hier allerdings nicht um Zeit zu sparen, sondern um Stress zu vermeiden. Daher bin ich ein ganz typischer Cheater. Cheaten ist auch eine Art die Dinge abzukürzen. Besonders liebe ich den Godmode, der mich unsterblich macht und unendlich viel Geld. Ohne meinen Geldcheat wäre es mir beinahe unmöglich die Sims zu spielen und den Godmode brauche ich für Fallout 4. Andernsfalls würde ich aufgrund des Nervenkitzels an einem Herzkasper sterben und wahrscheinlich nie von der Stelle kommen, da ich dazu neige alles einzusammeln, was so in der Gegend herum liegt. Ich bin also permanent überladen.

Auch im Leben liebe ich Abkürzungen. Wieso lang und schwer, wenn es auch einfach und simpel geht? Dieser: Der Weg ist das Ziel Quatsch, hat mich nie wirklich bekommen. Dahingehend bin ich absoluter Pragmat.

Das Problem ist, dass die Lebensabkürzungen bei mir meistens nicht funktionieren. Nicht, weil meine dahingehende Planung schlecht wäre oder so, sondern viel mehr deshalb, weil Murphy mir gern das Leben schwer macht.

Ich möchte das mal an einem ganz einfachen Beispiel verdeutlichen.

Nehmen wir an, ich hätte Lust auf ein Marmeladenbrot. Ich gehe also in die Küche. Butter und Marmelade befinden sich im Kühlschrank. Das Brot im Brotkasten. Auf dem Tisch liegt ein Brettchen und ein bereits benutztes Messer an dem Butter klebt. Die absolut legitime Abkürzung zu meinem ersehnten Marmeladenbrot wäre nun das Messer zu nehmen, mein Brot mit Butter zu beschmieren und das exakt selbe Messer zu nutzen, um mir Marmelade aus dem Glas zu holen und mein Brot damit zu dekorieren. Tada! Fertig wäre das Marmeladenbrot!

Murphy aber wird just in dem Moment, wo ich das mit Butter verkleisterte Messer in die Marmelade tauchen will dafür sorgen, das mein Mann hinter mir auftaucht.

„Tally! Dafür nimmt mein ein sauberes Messer!“

Ja. Ja. Bla. Um das Messer nicht abwaschen zu müssen, wähle ich die einzige logische Abkürzung. Ich lecke es ab. Zweiter Versuch!

Aber Murphy ist ein Arschloch. Gerade will ich das abgeleckte Messer in das Marmeladenglas tauchen, da ….

„Tally! NEIN! Pfui! AUS!“

Boooooah. Ich wähle die nächste Abkürzung. Anstatt das nun von mir abgeleckte Messer einfach abzuspülen, schmeisse ich das Messer zur Seite, stampfe zur Besteckschublade, ziehe sie auf und will ein neues Messer. Der Messerkasten ist leer.

„Wo sind die Messer?“ frage ich verdutzt.

„In der Spülmaschine, die du ausräumen wolltest, was du aber nicht getan hast!“

Ah. Ja. Da war was. Aus irgendeinem Grund kam ich nicht dazu. Blöd. Nun wäre eine gelungene Abkürzung das vorhin zur Seite geschmissene Messer doch abzuspülen. Stattdessen führe ich aber erst mal eine Grundsatzdiskussion mit meinem Mann über die Geschirrspüle und warum ich es nicht geschafft habe sie leer zu räumen. Es endet damit das ich exakt das erst einmal tue. Meistens weil ich nach einer solchen Diskussion ein schlechtes Gewissen habe und mein Mann die besseren Argumente.

Mittlerweile ist ca. 1 Stunde vergangen und ich habe immer noch kein Marmeladenbrot. Da zwischenzeitlich mein Kind wieder wach geworden ist, gewickelt, gefüttert und bespaßt werden will, vergehen mit Sicherheit noch einmal 2-4 Stunden, bis ich es endlich schaffe mir mein Marmeladenbrot zu machen.

Nun kommt das Essen dran. Ich könnte das Marmeladenbrot einfach in der Küche verspeisen. Das wäre eine gelungene Abkürzung. Murphy aber findet, das mein Mann ausgerechnet dann mit den Hunden raus muss, was bedeutet ich muss zu unserem Sohn ins Wohnzimmer.

Ich habe mich gerade dort hin bewegt und mich auf das Sofa gesetzt und will in das Marmeladenbrot beißen … da steht mein Kind vor mir und öffnet schmatzend den Mund ….

Das Positive daran, das ich generell alles was ich essen will mit meinem Kind teilen muss, ist, dass ich eine neue Abkürzung für schnelleres Essen gefunden habe! Das ist FDH in einer ganz neuen Dimension!

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3 Gedanken zu “Der lange Weg zum Brot

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