Auf zu neuen Ufern

Schon nach ein paar kräftigen Zügen habe ich wieder Boden unter den Füßen. Triefend nass wate ich durch das seichte Wasser und setze mich glücklich auf den Sand. Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit und so schnell schwimmen kann.

„Autsch! Heiß!“

Das Meer ist türkis und vollkommen klar, der Strand strahlend weiß, aber verdammt warm. Die Pobacken haltend hüpfe ich Richtung Wald, um mich im Schatten abzukühlen.

„Autsch! Dornen!“ 

Zu nahe sollte man dem schattigen Grün nicht kommen. Brombeerranken und stachelige Blätter, die ich nicht kenne, verwehren mir den Zugang unter die dichten Baumkronen, wo ich vor der glühenden Mittagshitze etwas geschützt wäre. Hm, was tun?

Ich gehe dem verwachsenen Buschwerk entlang. Kurz darauf stehe ich wieder am Ausgangspunkt meiner Erkundungstour. Da, vor mir, sind meine eigenen Fußspuren im Sand. Groß ist die Insel definitiv nicht.

Wenn sich in dem Wäldchen in der Mitte keine Kannibalen, fleischfressenden Pflanzenungetüme oder gefährlichen Raubtiere verstecken, bin ich hier zwar ziemlich mutterseelenalleine, aber immerhin sicher. Außer natürlich, wenn bei Flut der Strand überschwemmt wird und ich bis dahin keinen Stock gefunden habe, mit dem ich mich durch das Dickicht unter die Bäume vorkämpfen kann.

Ein paar schaurige Szenarien durchdenkend marschiere ich weiter und immer weiter im Kreis herum und umrunde die winzige Insel wieder und wieder.

Wie soll ich sie nennen, mein Inselchen, schweifen meine Gedanken von den realen Sorgen ab. Vielleicht Ma Petite oder L’ilot, also Lilo? Das gefällt mir. Lilo, mein Inselchen.

Nix Lilo!“ höre ich da hinter mir plötzlich. Erschrocken wirble ich herum. Wer? Was? Wie? schießen mir mehrere Gedanken gleichzeitig durch den Kopf.  Ich habe doch gar nicht laut gesprochen, oder etwa doch?

Nein, hast du nicht.“ antwortet die Stimme deutlich und klar. „Ich kann Gedanken lesen“ kommt als Erklärung mit hörbarem Stolz. Ich schaue nach allen Richtungen, aber ich kann niemanden sehen.

Wo bist du?“ frage ich schließlich verwirrt und eigentlich automatisch. Die bessere Frage an dieser Stelle wäre wohl „Wer bist du?

Wo oder Wer? Was willst du zuerst wissen?“ fragt das sprechende Etwas weiter.

Und woher kann es meine Sprache?“ denke ich sofort. Das ist ja wie in einem Hollywood Science Fiction Action-Klimbim-Film, in dem die Aliens natürlich Englisch verstehen und sprechen. Als wäre das die Lingua Franca im ganzen Universum und darüber hinaus.

Ja, Franca ist auch ein schöner Name“ pflichtet mir die Stimme bei, noch ehe ich den Gedanken selbst hatte. Aber es wäre sicherlich mein nächster gewesen.

Genau!“ kommt die Bestätigung.

Mir wird das langsam zu unheimlich. Eine unsichtbare Macht, die meine Sprache spricht und meine Gedanken nicht nur lesen, sondern sogar vorwegnehmen kann – das ist zu viel des Guten. Das alles nur, weil ich auf meine Trauminsel wollte.

Sag mir sofort wer du bist oder lass mich in Ruhe!“ rufe ich mit dem Mut der Verzweiflung.

Du bist lustig!“ antwortet das Wesen erheitert. „Woher soll ich wissen, wer ich bin. Das ist ja schließlich dein Traum!

Und mit diesen Worten war es verschwunden, das Wesen und alles rund herum, meine ganze faszinierende Trauminsel.

 

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