Inselträume.

20170728_Urlaub JUFA Montafon_252

Hach ja, da ist sie. Meine Insel. Meine eigene. Eine mit einem Leuchtturm oben auf dem höchsten Punkt, an den die Wellen und die Brandung ganz sicher nicht heranreichen. Wenn mich die ganze Welt nervt oder überfordert oder ich mich selber so überhaupt nicht mag, weil ich mir selber so über bin. Dann braucht es eine Insel. Wo manchmal ein Versorgungsschiff anlegt. Notfalls gibt es unten am Strand eine kleine Bucht, in der ich angeln kann. Rund um den Leuchtturm, den ich übrigens gewissenhaft warte, habe ich meinen eigenen Gemüsegarten angelegt und dazwischen scharren ein paar Hühner herum. Selbst ein paar Gänse fehlen nicht. Manchmal muss ich sie verjagen, wenn sie mir das Gemüse anpicken. Manchmal muss auch eine dran glauben, wenn es mal wieder Fleisch am Tisch geben soll. Ach ja, einen Hund habe ich übrigens auch. Eine große Promenadenmischung, wild und schwarz, als würde er alles und jeden mit einem Haps verschlingen wollen, dabei ist er gutmütig wie ein Schaf. Da ist der Gänserich sehr viel grantiger. Ungebetene Gäste mag ich keine haben. Aber die finden ohnehin keinen Weg zwischen den schroffen Felsen hindurch.

Ich habe meine eigene Trinkwasseraufbereitung und einen Dieselgenerator, sollte die Photovoltaikanlage wetterbedingt keinen Strom erzeugen. Die Nächte sind lang, die Bücherregale übervoll. Überhaupt habe ich mir meine kleine Insel im Laufe der Jahre ganz gemütlich eingerichtet. Nur mit dem Internet klappt es nicht immer.

An manchen Tagen schwimme ich weit in die Bucht hinaus, trotz klappernder Zähne. Denn meine Trauminsel liegt nicht in den Tropen, sondern weit im Norden. Und dass ich überhaupt ins Wasser gehe, liegt vielleicht daran, dass ich Wikinger-Gene in mir habe. Oder reicht es, dass ich im Waldviertel geboren bin?

Nur in letzter Zeit merke ich, wie der Meeresspiegel steigt. Ich weiß nicht, wie lange ich meinen Garten noch bebauen kann und ob ich noch sicher bin auf meiner Insel oben im Norden, wo ich eher Windjacke und dicke Socken als Bikini und Sonnenbrille brauche. Aber selbst das ist nicht mehr in Stein gemeißelt. Neuerdings klappern meine Zähne schon viel weniger, wenn ich ein Runde schwimme. Blöde Erderwärmung!

Womöglich muss ich mir eine andere Insel suchen …

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6 Gedanken zu “Inselträume.

  1. Hat dies auf vro jongliert rebloggt und kommentierte:

    Als ob ich mich jemals auf eine kleine Insel zurückziehen würde. Ist ja viel zu unsicher. Ich bin ein Flachländer. Oder auf jeden Fall ein Hügelländer. Ganz ohne soziale Kontakte kann ich nicht leben und mit Hunden habe ich es auch nicht so. Aber man kann ja ein bisschen träumen und dabei Dinge von sich ans Licht zerren, die man gerne hätte oder täte. Nur, um dann wieder sein geruhsames Leben weiter zu leben.

    Gefällt 1 Person

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