Das Treffen

Was könnte diese Abkürzung nur bedeuten. Sven ertappte sich dabei, wie er sein Kinn kratzte. Als er seine Hand auf die Lehne seines Sessels legte und zu Ingar hinüber schaute bemerkte er, daß sie die selbe Pose eingenommen hatte. Er lächelte vor sich hin.

„Hm- Kannst auch unten Parken?…“ murmelte er.

„Kebab aus unbehandelter Putenhaltung?“ erwiderte Ingar.

„Was ist denn bitte unbehandelte Putenhaltung?“ Sven schüttelte den Kopf und mußte lachen.

„Keine Ahnung und Probleme!“ antwortete Ingar. Ihre Unterhaltung verlief noch eine ganze Weile in Vier-Wort-Sätzen mit diesen Anfangsbuchstaben. Irgendwann gaben sie auf und machten sich auf verschiedenen Internetseiten auf die Suche nach einem schreibwürdigen Thema für einen Beitrag zur morgigen Ausgabe. Bis zur täglichen Redaktionssitzung gegen 10.00 Uhr hatte er sich schließlich zwei Ideen aus den Fingern gesogen. Die Sitzung zog sich immer mehr in die Länge und als Sven und Inga schließlich das Büro verließen war es gerade recht um sich nach einem Mittagessen in der Nähe des Treffpunktes um zu sehen. Ganz Gentleman lud er Ingar auf einen Hotdog ein. Anschließend machten sie sich auf den Weg zum Treffpunkt. Natürlich viel zu früh. Doch Sven wollte sich vorher noch genauer umsehen und das Terrain genauer kennen lernen. Man wußte ja nie was bei solch konspirativen Treffen auf einen zukam. Es bereitete ihm noch immer ein wenig Bauchschmerzen, daß er nicht wußte was die Buchstaben zu bedeuten hatten.

Punkt 14.00 Uhr saßen sie an einem Tisch der American Bar von wo aus man alles im Blick behalten konnte. Die Bar war nach dem Mittagsgeschäft nicht mehr so überfüllt wie sonst. Einige Gäste genossen einen Kaffe. Draußen auf der überdachten Terrasse las ein Mann in den 40ern ausgiebigst Zeitung. Dabei warf er immer wieder einen Blick in ihre Richtung. Auf dem Platz vor der Bar war nicht so viel los. Ein Ballonverkäufer drängte Touristen seine Metalligballons auf. Ein Junger Mann mit Roter Schirmmütze verteilte laut rufend Reiseprospekte für ein Reisebüro.“

Als der Zeitungsleser gerade etwas in sein Handi tippte, stieß Ingar Sven leicht an und deutete mit dem Kopf in seine Richtung.

„Meinst du der könnte es sein? Der schaut schon die ganze Zeit so komisch herüber.“

„Ich weiß nicht recht. Der sieht eher wie der Emailtyp aus und nicht wie ein Zettel-in-der-Pizza-Typ.“ flüsterte Sven und stand auf. Der Zeitungstyp versteckte sich sofort hinter den Seiten. „Außerdem denke ich, schaut er eher dir in den Ausschnitt als zu mir.“ Ingar verdrehte die Augen.

Es war bereits kurz nach 14.00 Uhr. Sven war auf dem Weg zu den Toiletten als plötzlich ein schwarzer Wagen mit quitschenden Reifen von der Straße ab kam und geradewegs auf den Jungen mit der roten Schirmmütze zugerast kam. Er erwischte ihn frontal, bremste und brauste dann in die andere Richtung davon. Der Reisebürokerl wurde mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Schlitterte noch ein Stück und blieb dann reglos liegen. Der Wagen war sofort im Verkehr verschwunden. Alle Passanten waren wie erstarrt. Sven rannte sofort zu dem leblosen Körper und sprach ihn an. Als er ihn umdrehte öffnete der Junge die Augen.

„Ruf sofort einen Notarztwagen!“ schrie er zu Ingar die ihm gefolgt war. Blut tropfte von der Stirn des Verletzten. Als er Sven in die Augen sah und ihn erkannte hauchte er:

„Ich habe doch geschrieben, sie sollen alleine kommen. Mann!“

„Wie? Sie haben mich hier hergelockt? Wer sind Sie denn? Kennen wir uns? Was wollen Sie denn von mir?“

„Ich kenne Sie! Das waren die. Aber sie kommen zu spät. Es ist alles im Schließfach. 163.“ Er schloss die Augen und versuchte nach seiner Tasche zu greifen. Sven half ihm. Er erwartete noch mehr Prospekte zu finden doch tatsächlich befanden sich nur alle möglichen private Sachen darin: Ein Roman, Taschentücher, Schlüssel, ein Taschenmesser, etliche Stifte…. Und dann fand Sven ganz unten einen Schlüssel für ein Schließfach mit der Nummer 163. Er holten ihn heraus und wollte ihn dem jungen Mann geben. Doch der hatte die Augen wieder geschlossen. Sven berührte ihn sacht an der Stirn und tatsächlich öffnete er noch einmal die Augen.

„Holen Sie sich das Zeug. Schnell!“ Er stöhnte, schloss die Augen und wimmerte leise.Von Weit her ertönte das Signalhorn der Ambulanz.

„Alles wird gut. Ich kümmere mich darum!“ Flüsterte Sven. Er blickte auf das blasse Gesicht hinab. Aus seiner Nase floss nun auch Blut und tropfte auf die Prospekte , die alle um ihn herum verteilt lagen. Inselträume lautete die Überschrift und darunter der typische Baccardystrand mit weißem Sand und Palmen. Er stand auf und schaute sich um.

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2 Gedanken zu “Das Treffen

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