Wie ich die Insel meiner Träume fand

Für die frühe Morgenstunde hat die Sonne schon sehr viel Kraft. Ich bin schon seit sechs Uhr unterwegs. Mit der ersten Seilbahn bin ich hochgefahren zum Höhenrundweg. Ausgeruht aufgrund des guten Schlafes in der vergangenen Nacht beginne ich leichten Schrittes meine Wanderung. Und ich habe noch einen weiten Weg vor mir.

Mein Ziel ist der Hochkogel. Erstaunlicherweise sind schon mehr Leute unterwegs als ich erwartet habe. Aber es sind eher Spazierwanderer, das sagen mir die Turnschuhe an ihren Füßen. Die Chance bei der Baumgrenze dann nur mehr spärlich Menschen zu begegnen ist groß und das freut mich. Frohen Mutes und beschwingt bringe ich mit den alten Bergschuhen meiner Mutter die ersten zwei Kilometer hinter mich. Da die Schuhe schon sehr alt sind, machen sie lustige Quietschgeräusche. Diese Schuhe haben meine Mutter schon in jungen Jahren auf einige Höhen getragen.

Ein Blick auf meine Wanderkarte zeigt mir, dass nach der nächsten Biegung kleinere Tümpel auftauchen müssten. Dort werde ich meine erste Rast machen und mich ausgiebig Stärken für den folgenden Aufstieg auf den Berg. Achthundert Höhenmeter sind zu überwinden. Das ist nicht wenig.

Mühelos erreiche ich meine Raststätte. Als ich mich auf meiner mitgebrachten Decke niederlasse durchfährt mich ein Wohlgefühl. Wochenlang habe ich mich auf diesen Moment gefreut. Allein in den Bergen. Niemandem verpflichtet. Niemand der von mir etwas will. Nur ich mit mir und der Gebirgsnatur allein.

Ich labe mich an Kaminwuzerln, Käse, Apfel und Brot. Ausgiebig trinke ich auch. Am Wegesrand habe ich vorhin eine Pärchen getroffen. Er mit einem nassen Tuch auf dem hochroten Kopf. Das Gehen ist ihm ein bisschen zu viel geworden. Wir reden ein bisschen. Die beiden sind erstaunt, dass ich allein unterwegs bin. Aber ich versichere ihnen, dass ich weiß was ich mir zumuten kann.

Nun packe ich den Rest meiner Jause wieder in den Rucksack und marschiere weiter, nicht ohne vorher einen Blick in die Karte zu werfen. Es ist nicht mehr weit bis zum Fuß des Hochkogels. Ich genieße den Ausblick. Von weitem sehe ich schon mein Ziel hoch aufragen. Stolz türmt er sich auf in der Landschaft. Es ist der höchste Berg weitum.

Dieser Anblick beflügelt mich. Schnell gelange ich zum ersten Anstieg. Ohne Rast überwinde ich die ersten Höhenmeter. Es ist heiß. Die Baumgrenze liegt schon weit hinter mir. Steinig präsentiert sich mir der Berg. Sicheren Schrittes erklimme ich Meter um Meter. Die Anstrengung macht sich bemerkbar. Ich mache eine Trinkpause. Gegessen habe ich ja genug. Ich atme tief durch. Meine Lungen saugen die würzige Bergluft ein. Die Almwiesen sind schon weit hinter mir. Hier ist es nur mehr steinig. Ich liebe diese kahle Landschaft.

Zwei Stunden stapfe ich dahin. Dann sehe ich das Gipfelkreuz. Weit und breit kein Mensch. Oben angekommen trage ich mich mit vor Stolz geschwellter Brust in das Gipfelbuch ein. Dazu setze ich mich auf die Bank nahe dem Kreuz. Einen Gipfelstempel gibt es auch. Ich versehe mein Bergtagebuch damit.

Ich genieße die Stille. Unwillkürlich schließe ich meine Augen. Tiefe Dankbarkeit für diese Art von Natur durchströmt mich.

Da … da dringt ein Laut an mein Ohr … was ist das? Ich bin doch allein hier. Ich drehe mich um … nichts … Stille …. da, wieder ein Laut … nein … es sind mehrere Laute. Ich drehe mich nochmals um. Das muss hinter der Kuppe sein. Ich stehe auf und nähere mich dem Kuppenrand.

Ja … was ist das denn? Jetzt bin ich nahe genug und da höre ich ein Määäh! … Und noch eins. Und da sehe ich sie schon … eine kleine Gruppe von Schafen hat sich hierher verirrt. Das gibt es doch nicht! Meinen Lieblingstieren begegne ich hier in dieser Höhe! Oft schon träumte ich von einem kleinen Bauernhof mit vielen Schafen.

Hinter der Kuppe ist ein kleines bewachsenes Hochplateau. Die Schafe lagern hier ruhig und genießen sichtlich die Kräuter, die sie hier finden. Ein Schaf nach dem anderen begrüßt mich, so sehe ich das jedenfalls… Mäh! … Mäh! … Mäh!

Ich hatte die Insel meiner Träume gefunden.

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14 Gedanken zu “Wie ich die Insel meiner Träume fand

  1. Hallo Maria,
    so lebendig und lebensnah geschrieben, es ist mir, als wäre ich mit Dir gekraxelt! Ich kenne die Gegend und bin da auch schon herum gestiefelt. Schäfchen habe ich allerdings nicht gesehen, aber es war ja auch nicht „Dein Traum“, gell. 😉
    Lieben Gruß
    moni

    Gefällt 1 Person

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