„Entschuldigung. Ich war’s …“

9:30 Uhr morgens.

Es stinkt.

Im Wohnzimmer stinkt es.

Es stinkt, weil irgendwer gepupst hat.

Wir sitzen zu fünft im Wohnzimmer. Die Heroldin des Bösen, Basti und ich aalen uns auf dem Sofa. Die Heroldin liest, ich spiele ein Handyspiel und Basti arbeitet für sein Studium eine Vorlesung an seinem Laptop durch.

Mein Sohn balanciert durch das Wohnzimmer und beschäftigt sich damit selbst. Zwischenzeitlich stopt er mal bei Basti und angelt nach dessen Laptop. Ohne Erfolg. Zum Trost lösen sich die Heroldin oder ich von unserem Tun und gesellen uns zu ihm auf die Spieldecke, bis er keine Lust mehr hat mit uns irgendetwas zu machen. Wohnung ist halt auf Dauer langweilig. Genau wie das ewig gleiche Spielzeug. Später geht es deshalb raus. Aber vorher steht noch Mittagessen und Schläfchen an.

Mein Mann hockt an seinem PC und zockt Diabolo. Ab und an pausiert er um unseren Sohn zu bespaßen, welcher zu  ihm gekrabbelt ist und seine Aufmerksamkeit verlangt. Bei uns gilt: Freizeit ist in Ordnung, Hobbys auch, aber Kind hat Vorrang vor allen Dingen. Besonders vor PC’s, Fernseher und Handys.

Die Giftgaswolke hat sich langsam angeschlichen, bis sie unsere Nasen erreicht hat. Basti riecht es als erstes und röchelt. Die Heroldin schlägt sich das Buch vor die Nase. Ich seufze schwer und atme geübt durch den Mund weiter. Mein Mann zeigt keine Reaktion. Anosmie ist in so einem Fall wirklich ein Segen.

Die Heroldin des Bösen hat ihren üblichen Verdächtigen sofort ausgemacht und grabscht sich meinen Sohn der gerade am Sofa entlang eiert. „Hast du Poopoo gemacht?!“ fragt sie ihn. Mein Sohn brabbelt und strahlt sie an. Mit argwohn und innerlich auf das Schlimmste vorbereitet senkt die Heroldin ihre Nase zum Popo meines Kindes und nimmt einen tiefen Atemzug. Kurz verharrt sie. „Nee. Nix drin“, erklärt sie meinem Sohn. Vielleicht erklärt sie es auch uns. Oder sich selbst. Mein Junge wird zumindest wieder abgesetzt und er setzt seinen Weg ungehindert zum Drucker fort, um dort ein paar verbotene Knöpfchen zu drücken.

Basti und ich haben unsere ganz eigenen, üblichen Verdächtigen. A-Hörnchen und B-Hörnchen liegen selig und entspannt im Flur. Wenn sie nicht gerade Schnarchen dann hört man verdächtige Töne, die sich schwer nach Hundepups anhören. Die Giftgasattacken bin ich bereits gewöhnt und Basti musste sie schon die ganze Woche über sich ergehen lassen.

„Hier stinkt es!“ sagt er und springt auf. „A-Hörnchen oder B-Hörnchen haben es schon wieder getan.“ Seine Schritte führen ihn zum Wohnzimmerfenster, welches er aufreißt. Die Hoffnung das der schwere, bittere Geruch von Hundepups durch das Fenster nach draußen abzieht, bevor wir alle vergast am Boden liegen, ist klein. Aus irgendeinem Grund halten sich Hundepupse ewig in einem Raum und verpesten die Luft mit ihrem unangenehmen Gestank.

Was mich betrifft …. ich bin Gestank mittlerweile mehr als nur ein wenig gewöhnt. Hunde und Baby machen es möglich. Meine Gewohnheit geht soweit, dass ich zuweilen nicht mehr riechen kann, ob mein Sohn nun eine volle Windel hat oder nicht, so dass ich auf Verdacht einfach nachsehen muss, während andere es Meilenweit gegen den Wind riechen.  Was das Pupsen betrifft kann ich die Hunde schon lange nicht mehr von meinem Sohn unterscheiden. Alle drei können ordentlichen stinken.

Wir hören wie mein Mann leise singt: „Anosmie, Anosmie, Anosmiamiamiamiamiiiii …“

Der Gestank nimmt an intensität zu.

„Vielleicht kommt es von draußen“, murmele ich. Das Landleben ist schön … wenn man die Ruhe und die schönen Ausblicke mag. Was den Geruch betrifft reiht es sich direkt hinter Hundepups und Babypoopoo ein.

Basti springt erneut auf und macht das Fenster wieder zu.

„Oh Gott, ich ersticke!“ röchelt die Heroldin.

Basti macht das Fenster wieder auf.

Die Luft im Wohnzimmer färbt sich allmählich so grün, wie die Gesichter der Anwesenden. Ausnahme mein Mann, der es sowieso nicht riechen kann … und mein Sohn, der sich anscheinend noch nicht an schlechten Gerüchen stört.

„Tally, was gebt ihr euren Hunden bloss zu fressen?!“ fragt Basti.

Während wir zu dritt damit beschäftigt sind herauszufinden, was die Hunde wohl gefressen haben könnten, um so zu stinken und gleichsam darum bemüht sind nicht zu ersticken und für Frischluft zu sorgen, dreht sich mein Mann plötzlich langsam zu uns herum.

„Ich halt es nicht mehr aus! Entschuldigt! Ich war’s!!!“

… Mein Mann, der Gutmensch … nicht mal seine Püpse kann er ordentlich verschleiern und für sich behalten. Dabei hat es doch wahrlich genügend übliche Verdächtige in unserem Haus und die Hunde werden sich wahrscheinlich kaum darüber beschweren, wenn sie zuweilen zu Unrecht beschuldigt werden. Und ganz ehrlich?! Die gucken ja auch wirklich IMMER so schuldbewusst!!!

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14 Gedanken zu “„Entschuldigung. Ich war’s …“

  1. Dafür hätte ich ihn auf die Terrasse gesperrt! „lach“ Aber ja, auch ich weiß wie elendiglich Hundepupserei stinken kann. Denn meine entspannen sich gerne dicht an mich gekuschelt. Das brennt dann echt schon auf der Zunge und man sieht bunte Farben….

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    1. Haha. Ja, ganz genau! Unsere fressen zuweilen und wenn man mal nicht aufgepasst hat, die hiesigen Pferdeäpfel. Leider vertragen sie diese mal so rein gar nicht. Entweder sie werden also sehr unschön in der wohnung erbrochen oder aber … es wird gepupst und dann biegen sich hier aber wirklich die Balken! Das kann man sich gar nicht vorstellen ^^!!

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      1. Unsere futtern die auch ganz gerne und ich lasse sie auch. Pferdeäpfel in Maßen haben gute Mineralien, die der Hund braucht und die er sich darüber anfuttert. Wenn der Hund dies jedoch eher weniger „gewohnt“ ist oder übertreibt, tja dann… leidet der Mensch extrem. Ich bin letztens echt aus dem Raum geflüchtet! Ging nicht mehr. grins

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      2. Ja, ist bei den Hunden meiner Mutter genau so. Die vertragen das allerdings auch. Unsere nicht. A-Hörnchen übergibt sich davon ohne Ausnahme 😦 Und B-Hörnchen … naja die stinkt für zwei xD

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