Innerfamiliäre Ermittlungen.

Im Hause von Frau Vro gibt es permanent Verdächtige. Diese werden mit beinahe schlafwandlerischer Sicherheit von mir in Sherlock Holmes-Manier ihrer Taten überführt.

Wann immer die Süßigkeitenvorräte abrupt zur Neige gehen, kann ich den Täter anhand einer meist lückenlosen Beweisführung ausfindig machen. Der Kreis der Verdächtigen ist schon von Haus aus sehr eng gesteckt. Der in dieser Hinsicht Hauptverdächtige streitet üblicherweise alles ab. Gegen ihn sprechen leere Verpackungen (Müsliriegel, Zuckerl, Gummibärchen) in Hosentaschen, die ich in die Waschmaschine stecke und vorher noch inspiziere, in der Laptoptasche, unter dem Kopfpolster. Das geht so weit, dass ich schon das ein oder andere Mal eine Tascheninspektion gemacht habe, als er aus der Speis kam. Denn hier gilt die Regel, nach dem Essen gibt es EIN Stück Süßes. EINES!! Dann wölbt eines die linke Backe und eines die rechte Backe. Die Hände sind ganz unverdächtig verdächtig in den Hosentaschen. Nein, da ist nichts! Und wie da was ist. Mathematik ist eine schwierige Sache. Zuletzt hat der übliche Verdächtige ganz von sich aus eingestanden, dass er offenbar zu blöd zum Schwindeln ist.

Ein anderer Verdächtiger in diesem Haus war bisher sehr ordentlich und gewissenhaft, was das Zähneputzen anbelangt. Das ändert sich gerade. Schuld daran mag die neu entdeckte Freude zur Rebellion sein, die ich als Symptom einer sich abzeichnenden Vorpubertät deute. Oder es ist das schlechte Vorbild seines größeren Bruders. Auch er wird regelmässig Opfer meiner Ermittlungen.
„Warst du Zähneputzen?
„Ja!“
„Sicher?“
„Ja!“
„So kurz nur?“
„Ja!“
„Soll ich schauen, ob die Zahnbürste nass ist?“
„Ich geh ja schon …“

Neulich sucht der liebste Mann nach dem kleinen Hammer. Schon wettert er los über die Jungs, die ihm alles verschleppen. Die sind ja immer dran schuld, wie üblich, wenn irgendwo was fehlt. Ich wage einzuwerfen, dass diese Dinge dann aber immer irgendwo herumliegen. Egal, zetert er, die haben ihn gebraucht und nicht mehr zurück gebracht. Schlage ihm vor, er möge doch mal in der Kiste mit dem Werkzeug für die Waldarbeiten nachsehen. Ja, da war er dann auch. Ganz sicher von den Jungs dorthin gelegt. Wer’s glaubt!

Ich gehöre nie in den Kreis der Verdächtigen. Und falls doch, so überführt mich keiner. Allerdings lernen die jungen Herren in diesem Haushalt erstaunlich schnell. Es ist zu befürchten, dass mit meiner bisher so glanzvollen Beweisführung auch die Gegenbeweisführung von Mal zu Mal ausgefeilter wird.

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4 Gedanken zu “Innerfamiliäre Ermittlungen.

  1. Hat dies auf vro jongliert rebloggt und kommentierte:

    Meine detektivischen Talente kann ich beinahe täglich in meiner unmittelbaren Umgebung schulen und verfeinern. Gelegenheiten habe ich genug. Zumindest so lange, bis meine Ableger groß genug sind und von zuhause ausziehen. Danach suche ich mir einfach neue übliche Verdächtige.

    Gefällt mir

  2. Warte mal ab, es wird noch lustiger je älter sie werden. Wenn ich auswärts war und heimkomme brauche ich nur durch die Zimmer laufen und sehe dann was meine Jungs in der Zeit gemacht oder nicht gemacht haben. Sie sind immer völlig erstaunt woher ich das alles weiß.

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