Irgendwas ist faul …

an diesem Bild, dachte Kommissar S. Chlauberger und strich sich mit dem rechten Zeigefinger nervös über die Augenbraue. Das untrügliche Zeichen dafür, dass er angestrengt nachdachte. Alles schien wie aus dem Bilderbuch hier, die Wohnung, die Familie, selbst der Fall war irgendwie zu glatt, zu einfach gestrickt. Und doch fehlte noch etwas zur Lösung. Der entscheidende Hinweis auf das Warum.

Seine Kollegin I. Agendwer interviewte die Familienangehörigen. Da war der Ehemann, ein 08-15 Typ, Angestellter, der brav seine Steuern zahlte und bisher nie und nirgendwo aufgefallen war. Ganz besonders nicht in der Damenwelt, so unscheinbar war er. Der Partner der Vermissten stand in solchen Fällen ja gewöhnlich als erster unter Verdacht. Hier aber strich ihn die Kommissarin rasch von der Liste der Verdächtigen. Sein Alibi wurde außerdem vom Sohn bestätigt und es deutete nichts darauf hin, dass dieser Typ seine Frau hätte loswerden wollen. Ganz im Gegenteil. Die Bestürzung über ihr Verschwinden schien authentisch zu sein. Der Mann war so tollpatschig, dass es fraglich war, ob er jemals ohne seine bessere Hälfte zurecht kommen würde. So jemand lässt doch seine Frau nicht verschwinden!

Dann war da der Sohn, der unabhängig vom Vater diese wunderliche Geschichte des plötzlichen Verschwindens seiner Mutter erzählte. Ein aufgewecktes Kerlchen, das sich sehr für die Polizeiarbeit interessierte, aber sicherlich noch nicht zur Planung eines Verbrechens fähig war.

Das Baby, welches die Mutter bis unmittelbar vor ihrem Verschwinden herumgetragen und bespaßt hatte, konnte noch keine Zeugenaussage machen und die größere Tochter war zur fraglichen Zeit in der Schule.

Blieb also nur noch die Mutter selbst übrig. Das eigentliche Opfer. Sie wurde als liebevoll und aufopfernd beschrieben. Das einzig Auffällige war ihr Hang zu schwarzem Humor.

S. Chlauberger grübelte. Sagten Vater und Sohn tatsächlich die Wahrheit? Warum würde eine Frau Hals über Kopf das Haus verlassen, ohne eine Nachricht, ohne jegliche Ankündigung? Und was hatte das „Woo-hoo!“ zu bedeuten, das Vater und Sohn gehört haben wollten?

Während der Kommissar noch rätselte, ob es sich um eine getarnte Entführung handeln könnte, zählte seine Kollegin I. Agendwer eins und eins zusammen (da waren also der wenig hilfreiche Ehemann, drei kleine sehr aktive Kinder und der ganze Haushalt) und packte ihren Notizblock weg. Hier hatte sicher kein Verbrechen stattgefunden und es gab nichts mehr für sie zu tun.

Ach ja, die Geschichte, die Vater und Sohn erzählten und damit das Bild, das sich den Polizisten bot, findet ihr hier: Baby Blues Woo-hoo

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