Das begehrte Keks

Die Schulglocke läutet zur Zehn-Uhr-Pause. Es ist Freitag und Amelie hat leider die zehn Schillinge, die sie als Jausengeld jede Woche bekommt schon verbraucht. Sie ist hungrig. Da kommt Kerstin ins Klassenzimmer. Sie hält eine Semmel in ihrer Hand. Ganz stolz verkündet sie, dass sie dieses Gebäck bei dem großen Andrang vom Bäckerstand soeben gestohlen hätte.

Es wird viel gestohlen vom Bäckerstand, vor allem während dieser Zehn-Uhr-Pause. Da ist jeden Tag so ein Andrang, dass die Verkäuferinnen nicht mehr wissen, wen sie als erstes bedienen sollen. Und Kerstin gehörte nicht zum Kreis der üblichen Verdächtigen. Das sind die Jungs aus der vierten Klasse. Auf die haben die Angestellten ein Auge. Deshalb nahm auch keiner Notiz von ihr.

„Das ist die Idee“, denkt Amelie.

Es war ganz leicht. Ganz an der Seite des Verkaufsstandes ist eine Stelle, die nicht gut überblickt werden kann. Dort sind immer die wunderbaren Kekse aufgereiht. Blitzschnell greift sie nach einem der begehrten Plätzchen und lässt es in ihrer Hand verschwinden. Dann dreht sie sich langsam um, so als ob sie es sich anders überlegt hätte und geht zügig zurück ins Klassenzimmer. Niemand hat etwas bemerkt.

Oder doch?…

Ja doch. Ihre Sitznachbarin, Melanie, hat alles genau beobachtet.

„Du weißt schon, was du gemacht hast?“ fragte Melanie sie. Erschrocken starrte Amelie Melanie an. Sie umschloss den Keks mit ihren Fingern so fest, dass er zerbrach.

Melanies Eltern und ihre Eltern sind befreundet und was nun kommen würde, wusste sie schon.

Melanie würde wieder zu ihrem Vater rennen und ihm alles erzählen. Der würde die Mutter anrufen und ihr sagen, welch schlimmes Kind sie hätte und dass sie ordentlich bestraft werden müsse. Das war immer so, wenn sie sich in den Augen von Melanie falsch verhielt.

So manche Strafe hatte sie schon so verpasst bekommen.

Und so passiert es, dass am Nachmittag, als Amelie über ihren Hausaufgaben sitzt das Telefon im anderen Zimmer läutet. Angespannt ist sie, seitdem sie nach Hause kam und nun ist es so weit. Mutter geht ans Telefon. Sie sagt nicht viel. Gespannt hört Amelie zu, kann aber nicht verstehen, was Mutter dem Anrufer erwidert.

Die Mutter legt den Hörer auf. Sie kommt aus dem anderen Zimmer. Traurig sieht sie aus. Mit hängenden Schultern setzt sie sich zu Amelie an den Tisch.

„Hast du heute wirklich vom Bäcker etwas gestohlen?“ fragt sie sie. Kleinlaut und leise antwortet Amelie: „Jahaa…“

„Du weißt, dass das falsch war?“

„Jahaa…“

„Warum hast du das gemacht?“ fragt die Mutter.

„Es war lustig und ich war hungrig“ sagt Amelie.

„Aber ich habe dir doch Jausengeld gegeben…“ sagt die Mutter.

„Ja, aber das hatte ich schon aufgebraucht!“ rief Amelie.

„Gut, du schreibst jetzt hundert Mal in dein Heft: Ich darf nicht stehlen.“

„Das war’s schon?“ denkt Amelie. „Kein Schimpfen, keine Schelte?“

Eifrig machte sie sich ans Werk, froh darüber, dass sie so glimpflich davon gekommen war.

Am darauffolgenden Montag gibt ihr die Mutter fünfzehn Schillinge Jausengeld. Sie lächelt, als sie Amelie das Geld gibt.

Die Schulglocke läutet zur Zehn-Uhr-Pause. Es ist Freitag und Amelie hat leider die zehn Schillinge, die sie als Jausengeld jede Woche bekommt schon verbraucht. Sie ist hungrig. Da kommt Kerstin ins Klassenzimmer. Sie hält eine Semmel in ihrer Hand. Ganz stolz verkündet sie, dass sie dieses Gebäck bei dem großen Andrang vom Bäckerstand soeben gestohlen hätte.

Es wird viel gestohlen vom Bäckerstand, vor allem während dieser Zehn-Uhr-Pause. Da ist jeden Tag so ein Andrang, dass die Verkäuferinnen nicht mehr wissen, wen sie als ersten bedienen sollen. Und Kerstin gehörte nicht zum Kreis der üblichen Verdächtigen. Das sind die Jungs aus der vierten Klasse. Auf die haben die Angestellten ein Auge. Deshalb nahm auch keiner Notiz von ihr.

„Das ist die Idee“, denkt Amelie.

Es war ganz leicht. Ganz an der Seite des Verkaufsstandes ist eine Stelle, die nicht gut überblickt werden kann. Dort sind immer die wunderbaren Kekse aufgereiht. Blitzschnell greift sie nach einem der begehrten Plätzchen und lässt es in ihrer Hand verschwinden. Dann dreht sie sich langsam um, so als ob sie es sich anders überlegt hätte und geht zügig zurück ins Klassenzimmer. Niemand hat etwas bemerkt.

Oder doch?…

Ja doch. Ihre Sitznachbarin, Melanie, hat alles genau beobachtet.

„Du weißt schon, was du gemacht hast?“ fragte Melanie sie. Erschrocken starrte Amelie Melanie an. Sie umschloss den Keks mit ihren Fingern so fest, dass er zerbrach.

Melanies Eltern und ihre Eltern sind befreundet und was nun kommen würde, wusste sie schon.

Melanie würde wieder zu ihrem Vater rennen und ihm alles erzählen. Der würde die Mutter anrufen und ihr sagen, welch schlimmes Kind sie hätte und dass sie ordentlich bestraft werden müsse. Das war immer so, wenn sie sich in den Augen von Melanie falsch verhielt.

So manche Strafe hatte sie schon so verpasst bekommen.

Und so passiert es, dass am Nachmittag, als Amelie über ihren Hausaufgaben sitzt das Telefon im anderen Zimmer läutet. Angespannt ist sie, seitdem sie nach Hause kam und nun ist es so weit. Mutter geht ans Telefon. Sie sagt nicht viel. Gespannt hört Amelie zu, kann aber nicht verstehen, was Mutter dem Anrufer erwidert.

Die Mutter legt den Hörer auf. Sie kommt aus dem anderen Zimmer. Traurig sieht sie aus. Mit hängenden Schultern setzt sie sich zu Amelie an den Tisch.

„Hast du heute wirklich vom Bäcker etwas gestohlen?“ fragt sie sie. Kleinlaut und leise antwortet Amelie: „Jahaa…“

„Du weißt, dass das falsch war?“

„Jahaa…“

„Warum hast du das gemacht?“ fragt die Mutter.

„Es war lustig und ich war hungrig“ sagt Amelie.

„Aber ich habe dir doch Jausengeld gegeben…“ sagt die Mutter.

„Ja, aber das hatte ich schon aufgebraucht!“ rief Amelie.

„Gut, du schreibst jetzt hundert Mal in dein Heft: Ich darf nicht stehlen.“

„Das war’s schon?“ denkt Amelie. „Kein Schimpfen, keine Schelte?“

Eifrig machte sie sich ans Werk, froh darüber, dass sie so glimpflich davon gekommen war.

Am darauffolgenden Montag gibt ihr die Mutter fünfzehn Schillinge Jausengeld. Sie lächelt, als sie Amelie das Geld gibt.

 

© Text und Bild Maria Fasching

 

 

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6 Gedanken zu “Das begehrte Keks

    1. Allerliebsten Dank mein Schatz – ich weiß, du bist mein größter Fan und das finde ich so schön. Liebsten Dank schon jetzt für deine Glückwünsche zum Hochzeitstag. Auch ich wünsche dir heute schon alles Gute zum Hochzeitstag. Freue mich schon auf unsere Familienfeier morgen. Danke für die wunderbaren acht Jahre mit dir. Bussi, hab dich lieb – deine Frau Maria 🙂

      Gefällt 1 Person

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