Jetzt oder nie

Jetzt oder nie!

Stellt dir mal vor, du säßest in einer sterbenslangweiligen Konferenz: Furchtbar! Euer Chef referiert gerade über die Unternehmenszahlen, und ihr sollt anschließend über Investitionen diskutieren. Ja, nein, vielleicht? Lieber kurzfristig oder langfristig denken?Du bist saumäßig müde, aber es gibt ja einen bewährten Trick dagegen. Dieser Trick hilft ungemein und ist auch nicht allzu schwer: Gefühlt fünf Liter Kaffee kippen, um nicht unmittelbar mit einem krachenden Geräusch vornüber zu fallen und den Glastisch zu zerschlagen. Und dann das: Du musst mal. Nicht nur ein bisschen und nicht aufschiebbar, nein ganz dringend. Dein einziger Wunsch ist, dass diese furchtbare Konferenz endlich ihren Abschluss findet. Jetzt oder nie! Also schlägst du einfach schnell ein paar tolle Entscheidungen vor und … endlich. Nun, war das jetzt eine gute oder eher schlechte Idee?

Interessanterweise hat man herausgefunden, dass das davon abhängt. Auf jeden Fall verhält es sich so, dass man durch die ganze Energie, die man für die Impulskontrolle verwendet, sich nicht mehr auf andere Entscheidungen konzentrieren kann und deswegen WENIGER IMPULSIV handelt. Das klingt verwirrend – und ist es auch. Das zumindest war das Ergebnis einer äußerst ungewöhnlichen Studie unter Psychologen:

https://www.psychologicalscience.org/news/releases/full-bladder-better-decisions-controlling-your-bladder-decreases-impulsive-choices.html

Diese spannende Erkenntnis hat natürlich auch eine Würdigung verdient, und welche könnte da angemessener sein als der IG-Nobelpreis, dessen erklärtes Ziel doch ist: „to honor achievements that first make people laugh, and then make them think“? Und so kam es, denn der Preis in der Kategorie Medizin 2011 geht an *trommelwirbel Mirjam Tuk, Debra Trampe und Luk Warlop und gemeinsam Matthew Lewis, Peter Snyder, Robert Feldman, Robert Pietrzak, David Darby und Paul Maruff “für den Nachweis, dass Menschen bessere Entscheidungen über einige Arten von Dingen fällen – aber schlechtere Entscheidungen über andere Dinge –, wenn sie einen starken Harndrang haben.“

Addendum:
Und wo wir schon beim bieseln sind: Der IG- Nobelpreis 2015 in der Kategorie Physik ging übrigens an Patricia Yang, David Hu, Jonathan Pham und Jerome Cho für die Untersuchung des biologischen Prinzips, dass nahezu alle Säugetiere innerhalb 21 Sekunden ihre Harnblase leeren – plus/minus 13 Sekunden.

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4 Gedanken zu “Jetzt oder nie

    1. Geld? Also, was den IG-Nobelpreis angeht, die Zeremonie besteht darin, dass der Preisträger mit Papierfliegern abgeworfen wird, die dann vom Besenmeister (und Nobelpreisträger) Roy Glauber weggekehrt werden. Natürlich geht es um mehr, als es denn Anschein hat, und viele Erkenntnisse (bspw. wie man ein Ei entkocht) sind in ihren Anwendungsgebieten immens wichtig (was der Preis ja auch zum Ausdruck bringt, wenn man den satirischen Aspekt vollends begreifen will. Manche Preise jedoch sind tatsächlich nur dafür da, auf Missstände aufmerksam zu machen (bspw. der “Friedens“nobelpreis u.a.)

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