Herr Alltag

Kürzlich stand also dieses Männlein vor meiner Türe, der sich als Alltag vorstellte. Eingezogen war er. Ohne wenn und aber. Ohne mich vorher zu warnen. Einfach so. Aus dem nichts heraus.

Das hätte auch keiner ahnen können, dass er dies vor hat. Warum auch. Das Schicksal macht doch so oder so was es will. Und wenn es einem, mal eben, den Alltag vorbei schickt. Aus dem Nichts heraus.

Da ist er nun. Der Herr Alltag. Ein kleines dickliches Männlein, dass, mit der Fernbedienung, auf meinem Sofa sitzt und von einem Programm ins nächste hüpft. Und das auch noch ohne sich wirklich anzusehen, was dort überhaupt kommt. Aber dann beschweren, dass nichts im Fernseher läuft. Das haben wir wieder gerne.

Seine Vorwarnung hat sich bestätigt. Der Herr Alltag hat sich nur eingenistet. Er rührt keinen Finger und macht sich auch nicht die Hände schmutzig. Das dürfen gerne die anderen für ihn tun. Er wäscht keine Wäsche, er hängt sie nicht ab. Er kocht nicht, räumt die Küche nicht auf und einkaufen geht er auch nicht.

Er sitzt da einfach nur. Auf dem Sofa und tut einfach nichts. Außer auf der Fernbedienung herumhacken und mich herumkommandieren.

Die Wohnung sieht aus wie ein Schweinestall, räum auf.

Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld, spül mal ab.

Im Schrank ist schon wieder nichts zum anziehen, wasch mal.

Auf dem Konto sind die Zahlen schon wieder kurz vor rot, geh mal arbeiten!

Du hast doch zugenommen, mach mal mehr Sport!

Ich bin am verhungern, Koch mal!

Im Kühlschrank ist nichts mehr zu essen. Soll ich vom Fleisch fallen? Geh einkaufen!

Eigentlich alles sehr passend. Wie in eine schlechten Ehe in welcher der Mann seine Frau durch die Bude hetzt aber selbst lieber das Sofa hühtet. Fehlt eigentlich nur noch die Fluppe im Mund, die Bierflasche in der Hand und die eingekleckerte Feinrippunterwäsche, weil Anziehen zu anstrengend ist. Herr Alltag bevorzugt dann aber doch eher den klassischen Jogginganzug.

So einen Partner oder Ehemann will ich aber gar nicht. Ich sollte mir mal Gedanken darüber machen, Herrn Alltag vor die Türe zu setzten. Mal schauen was er dann macht. Gerade bei diesen Wetterbedingungen. Vermutlich friert er sich den Ast ab.

Zum Glück hat Urlaub angerufen. Er wird im Mai kommen. Und dann muss der Herr Alltag leider ausziehen. Denn für Herr Alltag und Herrn Urlaub habe ich keinen Platz. Da ist meine Wohnung zu klein.

Nun ja, wenigstens hat Herr Urlaub so viel Anstand, bereits drei Monate vorher, anzurufen und sich anzumelden. Netter und guterzogener Zeitgenosse. Ich mag ihn. Er könnte gerne länger bleiben, als nur eine Woche. Aber er hat mir versprochen, er kommt noch ein paar mal auf besuch und wird mich auch vorher darüber informieren.

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3 Gedanken zu “Herr Alltag

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