Herr Alltag muss gehen

Herr Alltag musste nun dran glauben. Herr Alltag musste gehen.

Herr Alltag hat sich, mittlerweile, zu viel erlaubt, dass ich so nicht wollte. Wir standen also in einer Sackgasse. Aus der wir keinen Ausweg mehr gefunden hätten. Ich hätte ja gerne gesagt, Flucht nach vorne, aber in einer Sackgasse geht nur Flucht nach hinten. Auch wenn das, nicht unbedingt, die gute Lösung ist. Aber sei es drum.

Ich packte also die Koffer von Herrn Alltag. Schmiss alles hinein, was ich von ihm fand. Quer in der Wohnung lag es herum. Überall. Auf dem Sofa, auf dem Bett, auf dem Boden, im Schrank, ja sogar auf dem Schrank hatte er sich breit gemacht.

Herr Alltag suchte verzweifelt und fand nichts. War verärgert darüber. Hatte nicht er neulich gesagt, ich solle mal aufräumen? Das habe ich jetzt auch. Und leider mussten auch Herr Alltags Gegenstände dran glauben. Ob er wollte oder nicht.

Das kleine Männlein, dass eher pummelig wirkt, lief hochrot an. Man hätte ihn beinahe als Tomate im REWE Regal verkaufen können, so rot war er. Eine besonders Reife Tomate würde ich sagen, die kurz davor ist umzukippen, wenn man sie nicht gleich aufisst.

Ich packte ihn am Kragen. Versuchte ihn aus der Wohnung zu zerren. Er sträubte sich, mich Händen und Füßen. Stemmte seine, kleinen Wurstfinger, in die Hüfte und kreischte wie ein Rumpelstilzchen.

Mich wundert, dass es ihn nicht zerrissen hat. Man hätte meinen können, er explodiert gleich. Wie eine Granate. Wer die Sauerei dann weggeputzt hätte, weiß ich nicht. Vielleicht hätte das Schicksal ja Zeit gehabt, das Geklecker aufzuwischen.

Bevor ein größeres Malör passieren konnte, setzte ich ,Herrn Alltag, vor die Türe. Und dort sitzt er immer noch. Er schmollt. Rührt sich keinen Meter von der Stelle. Soll er doch. Hatte in seinem Frust behauptet, er würde das alles dem Schicksal petzten. Würde das auch alles dem Urlaub sagen.

Was für ein gemeiner Mensch ich sei. Einen so armen und kleinen Kerl wie ihn, einfach so, vor die Türe zu setzten. Bei dem Wetter jage man schließlich keinen Hund vor die Türe. Mal abgesehen von meinem Unhöflichen verhalten.

Er würde dem Schicksal und dem Urlaub gegenüber behaupten, ich würde gar nichts tun. Würde nicht Waschen. Würde nicht einkaufen. Würde nicht Kochen. Würde nicht arbeiten. Hätte ihn verhungern lassen. Um mich in einem ganz besonders schlechten Licht dastehen zu lassen. Ich würde schon sehen, was ich davon hätte.

Weder der Urlaub noch das Schicksal würden dann noch etwas mit mir zu tun haben wollen. Weil ich ihn so schlecht behandelt hätte. Schließlich wären die beiden seine besten Freunde. Sie wären wie Geschwister. Ich bezweifle das ja. Denn so unhöfliche Zeitgenossen mag keiner. Vermutlich wissen das Schicksal und Urlaub auch schon.

Mal davon abgesehen, dass das Schicksal so oder so schon nicht mit mir redet. Geschweige denn mich überhaupt irgendwas wissen lässt oder etwas mit mir zu tun hat. Wir kennen uns nicht. Die Gespräche sind eher einseitig. Eine Antwort auf gewisse Anfragen habe ich, bis heute, noch nicht erhalten. Nett dieses Schicksal.

Auch die Anfrage ob es mir zugehört hat, habe ich noch nicht beantwortet bekommen. Ich habe langsam den Verdacht, der Alltag und das Schicksal meinen es nicht immer all zu gut mit mir. Haben sich zusammen getan und sich gegen mich verschworen.

Muss ich es also doch selber machen. Wenn man sich schon nicht auf Alltag und Schicksal verlassen kann. So ist das wohl. So sieht es aus.

Wie lange Herr Alltag nun noch vor meiner Türe sitzen wird, steht in den Sternen. Ich hoffe ja, dass es ihm einfach zu kalt wird. Und er geht. Irgendwo anders einzieht. Wo anders plötzlich vor der Türe steht. Und sich auf dem Sofa breit macht. Vielleicht ist er, bei anderen Leuten, auch viel freundlicher und hilfsbereiter, als er es bei mir je gewesen ist.

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Ein Gedanke zu “Herr Alltag muss gehen

  1. Hat dies auf Pferdig unterwegs rebloggt und kommentierte:

    Herr Alltag hat es nun, aufs tiefste, übertrieben.

    Leider blieb mir nun nichts anderes übrig, als die im Beitrag nachzulesende Aktion durchzuführen.

    Ich möchte nun nicht all zu viel Verraten sonst wäre das ganze ja nicht mehr das Wahre…und alles andere als spannend 🙂

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