Und wenn er dann mal weg ist..

Herr Alltag wurde nun, wie bereits bekannt, aus meinem Haushalt geworfen. Es war beinahe unerträglich. Dieses, schon beinahe, schleimerische gehabe und dessen Abneigung gegen Herrn Urlaub, der, demnächst, auf Besuch kommt. Wobei das wohl noch nicht mal das Schlimmste von allem war.

Auch seine merkwürdige Art zu sprechen erscheint mir, im Nachhinein, gar nicht so dramatisch. Ein kleines Männlein, pummelig, und ohne Haare auf den Zähnen. Beinahe schon zu gewöhnlich wie er sich auszudrücken vermochte.

Viel Schlimmer fand ich aber seine Angewohnheiten alles überall liegen zu lassen und das zu jeder Tages und Nachtzeit. Im allgemeinen seine überaus ausgeprägte Abneigung gegen jegliche Art des Haushaltes und dem üblichen, bei dem man, nur ansatzweise, etwas hätte machen müssen.  Kann man das wohl glauben?

Nach seinem Rauswurf saß er, noch eine ganze Weile, vor meiner Haustüre. Hat geschmollt. Hat gewartet. Sich womöglich einen Ast abgefroren. Wobei….er hatte einen guten Winterspeck, der ihn wohl vor der Kälte recht gut geschützt haben dürfte.

Und dann. Eines Nachmittags, war sein gewohnter Platz leer. Er war verschwunden. Plopp und weg. Aus dem nichts heraus in kleine Rauchwolken verpufft. Wo er wohl hingegangen war? Womöglich auf ein anderes Sofa. Auf ein Sofa, auf dem man ihn würdigen würde. Vermutlich. Welches Sofa das sein wird? Das werde ich wohl nie erfahren.

Eigentlich hätte ich mich freuen sollen. Was ich auch durchaus tat und es genoss. Endlich nur mein eigenes Gerümpel verräumen. Kein kleines Kerlchen, dass ständig schreit „Hunger! Koch was!“. Zugegebenermaßen sieht die Wohnung, auch ohne den kleinen Untermieter, recht chaotisch aus. Nun gut was heißt schon Chaotisch.

Die Reitbekleidung sollte noch in den Stall kutschiert werden. Bis das geschieht fristen sie ihr da sein wohl noch auf dem hintersten Ende des Sofas. Und die 3 schmutzigen Tassen (oder waren es doch 5?) in der Küche, warten sehnsüchtig auf eine Spülmaschine, die wohl nie hier einziehen wird. Wobei ich nichts dagegen hätte, würde diese plötzlich vor meiner Türe stehen und mir mitteilen sie würde nun einziehen. Wirklich nicht.

Ab wie das Schicksal es so gerne mit mir macht, geschieht alles immer ganz anders. Es spricht nämlich immer noch nicht mit mir. Ohne Vorwarnung passiert etwas. Und das aus dem nichts. Einfach so. Darf es das überhaupt? Scheinbar darf das Schicksal alles.

Wenn wir gerade dabei sind, liebes Schicksal, könntest du mir dann bitte gleich noch Mister X liefern? Versandkostenfrei? Das geht? Ja dann bitte her damit! Über das Kleingedruckte sprechen wir uns noch.

Bevor ich jedoch zu sehr vom Thema abweiche bleiben wir da wo ich eigentlich erzählen wollte. So sehr wie ich mich drüber freute, Herr Alltag losgeworden zu sein, so schnell wurde es mir aber auch schon wieder versalzen. Nochmal herzlichen Dank, an dieser Stelle, an das werte Schicksal, welches mir so wunderbar alles versaut hat.

Über mir, nahte das Unheil des Schlafentzuges. Und das ganz unfreiwillig. Unfreiwilligerweise musste ich das Saufgelage der Übermieter erleben. Entweder ist das Haus so hellhörig oder die Übermieter so laut. Vielleicht ist das auch eine, für sie, normale Lautstärke? Ich weiß es nicht.

Bis morgens um halb 2 lag ich wach. Nicht nur weil mir so warm war, nein, auch wegen der dauerhaft anhaltenden Lautstärke. Und dann soll man am nächsten Morgen um 9 aufstehen, weil man um 10 bei der Arbeit aufzuschlagen hat.

Man stelle sich das etwa so vor: Jemand ist leicht angeschiggert und desen Stimme wird dadurch lauter. Und dieser spricht im Nebenzimmer, bei offener Türe. Glückwunsch. Das noch niemand, gefühlt, neben meinem Bett stand, scheint beinahe an ein Lautstärkenwunder zu grenzen.

Wie sehr habe ich mir, in diesem Moment, den Herrn Alltag zurück gewünscht. Herr Alltag, bei dem alles so normal zu sein schien. Der sich zwar, regelmäßig, über eigentlich alles aufgeregt hat. Aber es war wenigstens ruhig. Keiner hat geschrien, keiner hat gebrüllt, alles verhielt sich in Zimmerlautstärke und ich konnte schlafen.

Aber Herr Alltag war weg. Irgendwo im nirgendwo. Auf welchem Sofa, mir nicht bekannt. Vermisstenanzeige aufgeben? Suchmeldung bei der Polizei? Herr Alltag anrufen? Nein. Das wäre dann doch peinlich. Peinlich auf allen vieren, mit einer knietiefen Schleimspur darum zu bitten, dass er wieder zurück kommt.

Man merkt eben doch erst, am Ende, was man hatte, wenn man es nicht mehr hat. Ob er wohl wieder kommen wird? Ob er, eines Tages, wieder vor meiner Türe steht und sich als Herr Alltag vorstellt? Wer weiß. Das Schicksal möchte mit mir, nach wie vor, nicht sprechen. Warum, ist mir ein Rätsel.

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3 Gedanken zu “Und wenn er dann mal weg ist..

  1. Ich habe da eine Vermutung wo er sein könnte.
    Ich denke er wurde spontan von deinen Nachbarn eingeladen, ja die da über dir.
    Sah er doch so traurig aus, da auf der Treppe, in der Kälte.
    Dann wurde erst mal eine Party veranstaltet. Und heute wenn du müde auf der Arbeit hängst, schlafen sie sich da oben erst einmal aus. Mal sehen wie lange der Herr Alltag da oben wohnen darf.

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