Fenster-Allerlei

Ich mag Fenster. Ich mag sie, wenn die Aussicht dahinter schön ist. Ich mag sie dann auch, wenn sie nicht geputzt sind. Ein paar Flecken stören mich überhaupt nicht.

Es ist mir egal, ob da nun ein Schnauzenabdruck vom Hund auf der Scheibe ist oder ich genau erkennen kann, wo mein Sohn über die Scheibe geschleckt hat. Ebenso wurscht ist mir, dass man meine Zeichnungen, die ich in meinen kondensierten Atem an der Scheibe gemalt habe, auch noch nach dem zehnten Mal putzen noch zu sehen sind.

Schon früher als Kind fand ich, dass das wie ein ewiglicher Fingerabdruck ist, der sich auf diese Weise in die Scheibe gebrannt hat. Nur, das es eben kein Fingerabdruck ist, sondern ein Männchen mit Glubschaugen, eine Gans, eine Katze oder ein grimmig drein blickender Hase. Ich habe nie verstanden, wieso meine Eltern sich darüber aufregten, wenn ich diverse Figuren an die Autofenster gemalt habe. Ist doch egal, dass man die ewig sieht. Das soll man doch! Sie sehen. Ansehen. Schön finden. Sie sind doch schön, oder etwa nicht?!

Übrigens habe ich mir den garstigen Spaß erlaubt, meinem Sohn exakt das beizubringen. Fenster anhauchen und mit dem Finger los malen. Natürlich mit der Absicht meine Mutter ein wenig zu ärgern. Das hat jedoch nicht funktioniert. Mittlerweile ist sie von den Hundenasen so abgehärtet, dass ihr einziges Kommentar darin bestand, mit den Schultern zu zucken und auf eine Flasche Sidolin auf der Fensterbank zu deuten.

Manno!

Egal. Fenster sind toll. Sie lassen das Licht rein. Und wenn man keine Lust mehr auf Licht hat, macht man das Rollo runter und sperrt es einfach aus. Man kann es öffnen, wenn man frische Luft will und dabei dem Gesang der Vögel lauschen. Und wenn es zu kalt ist oder zu laut, macht man es einfach wieder zu.

Ein Blick aus dem Fenster ist eine Auszeit. Ohne das man selbst hinaus gehen müsste, kann man in die Ferne blicken und seinen Gedanken nachhängen.

Was ich nicht so toll finde, sind Fenster anderer Art.

  • Zeitfenster zum Beispiel. Die stressen. Man kann sie nicht schließen. Sie sind immer offen und warten. Sie lassen auch kein Licht herein. Stattdessen tobt dort immer ein Sturm. Die Aussicht ist meist auch nicht zu empfehlen.
  • Augen. Ja, Augen. Den Spruch „Die Augen sind die Fenster zu Seele“ den kennt man doch allgemeinhin, oder? Der Spruch ist zumindest wahr. Ich schaue Menschen nicht gern in die Augen. Als empathischer Mensch, der zur Übersensibilität neigt, sehe ich zuweilen zu viel. Manchmal auch zu wenig. Das stört mich. Das in die Augen schauen bei Gesprächen habe ich mir in Schwerstarbeit selber angeeignet. Gott sei Dank merken die meisten nicht, dass ich eigentlich ihre Nase betrachte!
  • Kellerfenster. Wozu?! Wozu sind die gut? Abgesehen vielleicht davon das Schimmeln und schlechte Gerüche zu verhindern, in dem man sie öffnet um etwas frische Luft durch den Keller wehen zu lassen. Andererseits, sind sie bei schlechter Isolierung ja geradezu eine Brutstelle für Feuchtigkeit und Schimmel. Und dann die Anstrengung da heran zu kommen, wenn sie, wie meist ganz oben unter der Decke hängen. Das Licht, wenn überhaupt welches dort hinein fällt, ist bestenfalls als Schummrig zu bezeichnen und schummriges Licht finde ich deprimierend. Dann lieber gar kein Fenster!
  • Fenstertüren. Ist es ein  Fenster? Ist es eine Tür? Niemand weiß es so genau. Bis man hindurch geht, weil man glaubt es sei eine Tür, nur um dann darüber belehrt zu werden, dass es ein Fenster ist. Und, genau, durch Fenster geht man natürlich nicht! Auch nicht, wenn sie so groß sind, dass man einen Elefanten hindurch schieben könnte.
  • Fensterbilder. Die verkleben die ganze schöne Aussicht! Und je nachdem, wie man sie geklebt hat, hat man später alles am Fenster kleben und bekommt es NIE WIEDER ab! NIE WIEDER!
  • Dachfenster. Im Winter zieht es. Im Sommer wird das Dachgeschoss zur unerwünschten Sauna. Ein Dach braucht keine Fenster! Zumindest nicht in Form eines Dachfensters. Da kann ich im Sommer genauso gut in ein Gewächshaus einziehen.
  • Fensterchen. Im Ernst? Wozu muss da jetzt so ein kleines Guckloch in die Wand gehauen werden?! Nur damit man irgendwann, wenn die Sonne günstig steht, die Staubkörner im Lichtstrahl bewundern kann und daran erinnert wird, dass man mal wieder putzen sollte?!
  • Fensterfronten. „Hallo! Hier lebe ich! Bitte seht mir gern dabei zu, wie ich zu Mittagesse, mit den Kindern spiele, auf dem Sofa herumgammel und vorallem, lasst Euch heute Abend auf keinen Fall mein Fernsehprogramm entgehen! Es wird nämlich wieder spannend bei Tatort!“ Ich persönlich habe als Kind Fensterfronten geliebt. Mein Bedürfnis nach Voyorismus wurde nämlich immer absolut befriedigt und zuweilen konnte ich am frühen Abend auch noch rasch den Wetterbericht für die Woche erspähen. Heute frage ich mich, was für Leute das wohl sind, die in einem Haus mit gläserner Fensterfront leben. Einer Front zur Straße hin … ohne Vorhänge! Und ich frage mich, wie sie es schaffen, dass ihr Wohnbereich immer wie geleckt und wie aus einem IKEA-Katalog ausschaut. Boah, was würd ich darum geben, mal auf diese Weise so eine richtige Chaosbude zu erblicken! Ihr wisst schon … mit Wäschebergen, zerstreuten Zeitschriften, dem Essen von gestern und ein paar Bierdosen. Und nicht die Staubwuckerl vergessen!
  • Schaufenster. Das einzige wozu die wirklich gut sind, ist zu prüfen, ob die eigene Frisur noch hält und ob das, was man gerade trägt, nicht doch dick macht. Manchmal sieht man natürlich auch was vom Inhalt. Wenn die Sonne günstig steht. Aber die meisten Läden mit Schaufenstern zeigen ja nicht nur die Ware sondern auch die Preise und spätestens das, sorgt ganz sicher dafür, dass ich aufhöre an mir herum zu zupfen und lieber rasch weiter zu gehen.
  • Schaufensterpuppen. In Size Zero. Machen mich immer enorm wütend. Wie toll die Klamotten bei xxs Figuren mit der Körpergröße 1,80 doch ausschauen. Aber wehe, wenn jemand mit Größe 42 und unter 1,70 dasselbe Kleid anzieht … depremierend!
  • Fensterbank. Wo man nicht drauf sitzen kann, weil sie zu schmal sind. Man kann Dinge drauf abstellen. Bei mir stapelt sich dann irgendwann das Geschirr dort. Oder Papiere. Manchmal auch Verpackungen. Bei meiner Mutter verstaupt dort der Nippes, den sie so gern mag. Das einzig noble, was man auf eine Fensterbank stellen sollte, sind Pflanzen …. und Katzen. Wobei die sich ja eher selbstständig darauf niederlassen, um dann die dort abgestellten Pflanzen kahl zu fressen.
  • Küchenfenster. Ständig muss man die putzen, weil das Bratenfett dran hängt. Eine Schmiersuppe. Und dann macht man sie auch noch auf. Und der Duft von Kohl schwängert die Luft der Nachbarschaft. Oder jemand kocht etwas wirklich leckeres, so dass man das Bedürfnis hat sofort die Tür einzutreten, um sich zum Essen einladen zu lassen. Argh! Ich hasse es, wenn Leute so gut kochen, dass ich es riechen kann und mir dabei das Wasser im Mund zusammen läuft, während ich hunger leide, weil ich gerade diäte und mein Kalorienkontingent schon das Limit erreicht hat. Grausame Welt!

So. Nun fällt mir nix mehr mit Fenstern ein, welche ich aus dramaturgischen Gründen überspitzt negativ darstellen könnte.

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4 Gedanken zu “Fenster-Allerlei

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