Das Fensterbild. Ein beinahe Endlos-Projekt.

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Seit Jahr und Tag steht ein Fenster bei mir im Keller. Eigentlich ist es ja ein Fensterrahmen. Und wenn man ganz genau sein will, dann ist es ein Flügel von einem alten Kastenfenster. Den ich irgendwo einmal vor einem Feuer gerettet habe. Vielleicht wäre dieser Fensterflügel sonst schon längst in Rauch aufgegangen und hätte bei einem Sonnwendfeuer lichterloh gebrannt. Aber ich habe ihn gerettet. Deshalb steht er jetzt seit vielen Jahren in meinem Keller. Manchmal zerre ich ihn zwischen Wand und Kasten hervor, staube ihn ab und betrachte ihn lange. Warte auf Eingebungen, was ich denn jetzt nun wirklich mit ihm mache. Mit diesem Fensterrahmenflügel.

Das habe ich mittlerweile schon mehrmals gemacht. Ihn hervor gezerrt. Einmal habe ich ihn abgeschliffen und mit hellblauer Acrylfarbe gestrichen. Danach stand er wieder lange an seinem Platz, verschwand hinter Spinnweben und Staub. Bis ich ihn in einem Anfall von Tatendrang wieder hervor holte und erst einmal von allem Dreck befreite, ihn abwischte und trocknen ließ. Danach bockte ich ihn auf und pinselte ihn mit Krakelierlack ein, übermalte diese Schicht mit dunkelblauer Acrylfarbe. Es war trotz der Kühle im Keller dennoch ein heißer Somemrtag – das weiß ich noch – und deshalb trocknete die Farbe beinahe schneller, als ich sie auftragen konnte. Dennoch gefiel mir das Ergebnis, denn der Krakelierlack reißt beim Trocknen und deshalb blitzen dann hellblaue Risse aus der dunkelblauen Farbschicht. Mir gefällt dieser Effekt.

Trotzdem wanderte der Fensterrahmen wieder in seine Nische, als er getrocknet war. Ich weiß schon lange, wo er einmal hinkommt, wenn er fertig ist. Dort im Wohnzimmer, wo ich immer einen guten Blick darauf habe. Wo jetzt ein anderes Bild hängt, das quasi nur ein Platzhalter ist. Ich weiß auch, wie es einmal aussehen soll. Dass das eine wirklich gute Idee ist, merke ich daran, dass sich mein grundlegender Plan seit Jahren kein Bisschen verändert hat. Denn im unteren größeren Teil des Rahmens wird sich irgendwann einmal, eines mehr oder weniger fernen Tages ein Bild in chinesischer Tuschemalerei wieder finden. Ob ich Bambus male oder doch lieber einen Ahorn, das ist noch nicht ganz endgültig. Aber ich werde einen davon malen. In schwarzer Tinte mit einem Hauch Blau.

Im oberen kleineren Teil des Rahmens kommt ein Foto hinein, passend bearbeitet, wo ebenfalls die Blautöne überwiegen. Ein Foto von einer Waldviertler Landschaft im herbstlichen Nebel. Manchmal sieht die Landschaft hier bei mir zuhause nämlich beinahe so aus wie Malereien von chinesischen Landschaften. Nur bestehend aus Nuancen an Grau-, Blau- und Schwarztönen. Ich empfinde diese unzähligen Nuancen aus nur einer Farbe als unglaublich vielfältig, fast möchte ich sagen: bunt.

Wann ich mein Fensterbild fertig stellen werde, weiß ich nicht. Ich habe seit Monaten nicht mehr gemalt, aber in letzter Zeit juckt es mich immer öfter in den Fingern und ich sehe wiederholt zu meinen Pinseln, die immer griffbereit auf ihrem Gestell auf dem Sideboard hängen. Ich sage gerne, dass ich noch viel üben müsse und es nur noch nicht gut genug könne, um das Bild aus meinem Kopf auch entsprechend auf Papier zu bekommen.

Dann fang doch einfach an! Sagt mir meine Muse. Sagt mir der Ernst des Lebens. Sagt mir Heinzelfrau Rosalind. Sagt mir sogar der Schweinehund.

Vielleicht sollte ich zuallererst den Fensterrahmen aus seiner Nische hervor ziehen und ihn wieder einmal abstauben …

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Ein Gedanke zu “Das Fensterbild. Ein beinahe Endlos-Projekt.

  1. Hat dies auf vro jongliert rebloggt und kommentierte:

    Im Mitmachblog geht es um das Thema Fenster. Fenster sind super. Man kann durch Fenster hinein oder hinaus sehen. Sie gewähren manchmal heimliche Einblicke und öffnen eine Welt in die Weite. Sie lassen Sonne ins Haus oder sperren die Dunkelheit aus. In meinem Beitrag geht es um ein Fenster, durch das man ebenso hindurchsehen kann. Das aber einer anderen Bestimmung harrt.

    Gefällt mir

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