Das hat alles einen Sinn, sagte Rufinas Mutter. – Teil 2.

Wütend stapfte Rufina davon. Wieder einmal war sie mit ihrer Mutter aneinander geraten. Sie hasste all diese blöde Putzerei. Böden scheuern. Betten machen. Kochen. Bügeln. Immer und immer wieder! Das sei nun einmal ihre Bestimmung, meinte die Mutter. Es habe schon einen Sinn, wenn sie all diese Pflichten übernehmen müsse, das würde sie gut aufs Leben vorbereiten. Vielleicht würde sie sogar einmal in den Dienst eines Burgherren gehen und gutes Geld verdienen. Aber Rufina schnaubte nur genervt und stahl sich bei nächster Gelegenheit in den Wald, wo sie bei der krummen Eiche ein Holzschwert in einem Fuchsbau versteckt hatte. So … Das hat alles einen Sinn, sagte Rufinas Mutter. – Teil 2. weiterlesen

Es ist noch Zeit, sagte der Graf. – Teil 1.

„Es ist ja noch Zeit!“, polterte Graf von Lametta-Glitzertand gutmütig, als der Hauslehrer wieder einmal beklagte, dass des Grafen jüngster Sproß schon wieder seine Prüfungen vermasselt hatte. Da half es auch nichts, wenn der Lehrer darauf hinwies, dass der junge Fridolin schon bald seine eigene Burg verwalten sollte und deshalb darauf vorbereitet gehörte. Doch Lametta-Glitzertand winkte ab. Noch sei genug Zeit. Der Junge würde es schon lernen. Fridolin hielt nicht sonderlich viel vom Lernen. Wozu auch. Es gab schließlich Bedienstete und Untergebene, die ihm vorlasen oder seine Ausgaben zusammenzählten oder ihm die Schuhe banden. Deshalb bemühte er sich auch nicht, … Es ist noch Zeit, sagte der Graf. – Teil 1. weiterlesen

Gartenzaungespräche.

„Grüß‘ Sie, Frau Wurzer! Gut schauen Sie heute aus!“, sagt laut Frau Brenner über den Gartenzaun. Leise denkt sie: „Die alte Wachtel wird auch immer dicker!“ „Grüß‘ Sie auch! So ein schöner Tag heute!“, sagt laut Frau Wurzer über den Gartenzaun. Leise denkt sie: „Jetzt hat mich die Dorftratschen wieder gesehen. Das hab ich noch gebraucht!“ „Wohin denn so früh? Gehen Sie schon einkaufen?“, sagt laut Frau Brenner über den Gartenzaun. Leise denkt sie: „Die geht sicher wieder ins Café auf einen Verlängerten mit Schlag und eine Malakoff-Torte. Sieht man ihr ja an.“ „Ja, einkaufen geh ich. Meine Tochter kommt zum … Gartenzaungespräche. weiterlesen

Hüben wie drüben.

Tasten. Rechts sind die Tasten und in die hau ich rein. Kann man so nicht sagen. Eher drücke ich sie vorsichtig und zaghaft. Ich will ja keinen erschrecken, wenn ich den falschen Ton treffe und es dann laut durch den Raum plärrt. Das mit der Lautstärke kommt ganz auf die andere Seite an. Da steckt nämlich meine Hand im Gurt und zieht. Oder drückt. Mit Feingefühl oder eben auch nicht. Denn je heftiger ich ziehe, umso lauter wird es. Also immer schön sanft. Kraft gebrauche ich immer erst, wenn ich mir sicher bin. Oder wenn ich vor lauter Ärger ein … Hüben wie drüben. weiterlesen

Alles nur gelogen!

Dass ich heute hier in diesem kleinen Einfamilienhaus sitze mit meinem Mann und zwei Kindern, das ist ja eigentlich nur dem Zufall zu verdanken. Denn eigentlich sollte ich ja mit einem Prinzen verheiratet sein. Ja ja, ihr lest schon richtig. Und zwar mit einem richtigen Prinzen! Ich bin eine echte Adelige und habe einen tadellosen Stammbaum. Meine adeligen Wurzeln reichen Jahrhunderte zurück. Unser Geschlecht der „von und zu“ war mal mehr, mal weniger berühmt oder auch berüchtigt. Ohne einer gewissen Gerissenheit wären wir nie so mächtig geworden. Ihr dürft mir das ruhig glauben. Ich spreche fließend Französisch und Tschechisch, Deutsch … Alles nur gelogen! weiterlesen

Tür zu, Tür auf – das ist hier die Frage!

Ursprünglich veröffentlicht auf vro jongliert:
Tür zu! sage ich zu meinem Jüngeren. Er hat nämlich das undankbarste Zimmer im ganzen Haus. Es ist ein Durchgangszimmer und der Ältere muss da durch, um in sein eigenes zu kommen. Manchmal denken wir, dass wir beizeiten einen Gang einziehen hätten sollen, damit es zwei wirklich getrennte Zimmer sind. Aber diese Gelegenheit haben wir verpasst und jetzt ist es halt einmal so. Mein Jüngerer hat gerne die Tür offen. Was bedeutet, dass es sich im Sommer ungut aufheizt und im Winter nicht wirklich warm wird. Das ist ein ewiger Diskussionspunkt bei uns.… Tür zu, Tür auf – das ist hier die Frage! weiterlesen

Oh bitte mach‘ die Tür auf!

Mit meinem Auto habe ich durchaus so meine Erlebnisse. Man kann mit Fug und Recht behaupten, die kleine Rumpel (wie ich mein Auto gerne liebevoll nenne) sei etwas zickig. Denn es gibt Gelegenheiten, da macht sie die Türen nicht auf. Da kann ich auf meinem Schlüssel herumdrücken, was ich will. Die Türen bleiben zu. Ich stehe direkt vor dem Eingang des Einkaufsmarktes mit den gekreuzten grünen Gummistiefeln. Meine Bewegungen werden zunehmend nervös. Wenn ich nach erfolgtem Wocheneinkauf mit vollem Einkaufswagen bei der Heckklappe meines Kofferraums stehe und die Türen gehen nicht auf, dann versetzt mich das leicht in Unruhe. Denn … Oh bitte mach‘ die Tür auf! weiterlesen

Was ich will … Gedanken.

Was ich will … Nichts, war ich verleitet zu sagen, um mir den Anschein der Demut zu geben. Um mich so zu zeigen, wie man es von einem edlen zufriedenen Menschen annimmt. Der sich begnügt mit dem, was er hat und nach nichts im Leben verlangt. Nichts will ich? Welch Heuchelei! Natürlich will ich etwas. Jeder will etwas. Immer und immer wieder. Sonst könnte ich mich auch gleich hinlegen und sagen: Jetzt will ich aber sterben, weil alles Andere habe ich schon. Auch ich will. Aber was? Materielle Dinge vielleicht? Ein großes Haus, wo ich eine Viertelstunde von einem zum anderen … Was ich will … Gedanken. weiterlesen

Und am Ende bleibt nur …

Wer hat bloß für dieses Wochenthema gestimmt?! Einen Moment überlegen. Huch, ich schätze, ich selbst war auch dabei beim Abstimmen. Was bleibt denn am Ende? Das ist mal wieder so ein richtiges Thema jetzt für diese Zeit. Oktober – Nebel – Allerheiligen naht. Selbstreflexion und Bewusstwerden der eigenen Endlichkeit. Und ja, es stimmt schon, dass auch bei mir sich das Kummertier wieder geregt hat. Manchmal meldet es sich ganz unvermutet und ohne sich großartig anzukündigen. Das Wochenthema drängt sich regelrecht auf mit seiner schweren Thematik der irdischen Endlichkeit. Darum hier eine Geschichte um eine andere Endlichkeit. Der Schweinehund Giuseppe, den … Und am Ende bleibt nur … weiterlesen

Liebesschwur. Trotz Nebenwirkungen.

  Du hast deine Hand ausgestreckt und mich mit deinem Zeigefinger leicht berührt. Hast dabei mein Herz gefangen. Jetzt ist es dein. Auf immer und darüber hinaus. Ich will dich lieben mit all den Nebenwirkungen, die diese Liebe mit sich bringt. Will dich lieben mit … dieser sprudelnden Freude, wenn du deine Freude mit mir teilst. … diesem klingelnden Lachen, wenn deine Leichtigkeit mich mitreißt wie der Wind ein Lindenblatt. … dieser stürmischen Liebe, voller Leidenschaft und Begehren. … diesem bohrenden Schmerz, wenn ich deinen Schmerz nicht lindern kann. … diesem heißen Ärger, wenn dein Ärger mich ganz unverhofft trifft, … Liebesschwur. Trotz Nebenwirkungen. weiterlesen

Verwandtschaft vom Nachbarn vom Planeten Dings.

Neulich in der Früh beim Bäcker. Der Verkaufsraum gerammelt voll. Es summt und surrt regelrecht, weil alle leise miteinander tuscheln und sich gegenseitig die Neuigkeiten zuraunen. Alle reden sie davon. Wirklich alle. Von der Cousine vom Nachbarn vom Planeten Dings. Die wieder da sein soll. Ich weiß von keinem Planeten Dings. Ist mir auch egal, ob ich den kenne. Weil ich da sowieso nie hin komme. Ich komme kaum aus meiner Stadt raus, noch in ein anderes Bundesland. Also brauchen wir von anderen Planeten schon gar nicht reden. Schön soll es da sein, am Planeten Dings, meint ihr. Naja, schön … Verwandtschaft vom Nachbarn vom Planeten Dings. weiterlesen

Kleine Ode an eine kleine Freude.

Der beste Kollege und sein bester Kollege sind ein Gespann, das in seiner Einmaligkeit unübertroffen ist. Manchmal denke ich mir, gäbe es einen von den beiden nicht, müsste man den anderen klonen oder erfinden, damit die zwei wieder komplett sind. Wenn ich die beiden beobachte, wie sie sich gegenseitig auf den Arm nehmen und die frechen Meldungen nur so hin und her fliegen, dann sehe ich zwei Jungs vor mir, die mit neun oder zehn den Mädels die Zöpfe zusammengebunden oder beim Schwimmen die Kleider versteckt haben. Dabei haben sie sich damals noch nicht einmal gekannt. Ich weiß auch nicht, … Kleine Ode an eine kleine Freude. weiterlesen